Daimler/Tesla Solide kauft sexy

Das Bündnis von Daimler und Tesla könnte beide Partner voranbringen. Es vereint die Ressourcen eines Weltkonzerns mit kalifornischer Lust am Experiment

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Lautlos schnell: Als Elektroauto bewegt sich der Tesla Roadster fast ohne Geräuschentwicklung.

Die Nachricht kam überraschend, doch das Geschäft scheint sinnvoll: Daimler übernimmt knapp zehn Prozent des kalifornischen Elektroauto-Bauers Tesla. Einen zweistelligen Millionenbetrag zahlt das Stuttgarter Unternehmen dafür, die spätere Aufstockung der Anteile ist nicht ausgeschlossen. Die Partnerschaft sei ein wichtiger Schritt, um "die weltweite Kommerzialisierung von Elektroantrieben zu beschleunigen", begründete Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber den Einstieg am Dienstag.

Mit den wendigen Kaliforniern und dem altehrwürdigen deutschen Autokonzern werden zwei Partner zusammenarbeiten, deren Herkunft und Unternehmenskultur unterschiedlicher nicht sein könnte. Symptomatisch dafür ist schon der Denkansatz, der hinter dem Tesla Roadster steckt, dem ersten und bisher einzigen käuflich zu erwerbenden Produkt der Amerikaner: Während sich vor einigen Jahren in der etablierten Autoindustrie noch niemand so recht traute, zu entscheiden, welche Akkus sich für Elektromobile eignen würden – schwere, schwache, aber dafür ausgereifte Nickel-Metallhydrid-Batterien à la Toyota Prius oder Lithium-Ionen-Akkus, innovativ, aber für den Einsatz im Auto noch nicht ausreichend entwickelt – entschied man sich bei Tesla dafür, einfach knapp 7000 Lithium-Ionen-Zellen in den Roadster zu packen, die eigentlich für den Einsatz in Laptops oder Mobiltelefonen gedacht waren. Das Problem war gelöst.

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Noch sind zu wenige Roadster verkauft, als dass sich sagen ließe, ob die pragmatische Konstruktion auf Dauer halten wird. Viele Experten zweifeln nach wie vor daran. Aber durch die Entscheidung brachte Tesla seinen Wagen auf die Straße und in die Schlagzeilen. Die Kalifornier präsentierten kein Vernunftmobil, sondern eins, das zeigen sollte, dass auch elektrische Fortbewegung Adrenalin freisetzen kann – mit mehr als 200 Stundenkilometern Spitze und einer Beschleunigung von weniger als vier Sekunden von null auf 100.

Seit dem Coup ist Tesla die wohl bekannteste und hippste Marke für Elektroautos. Aber mit 450 Mitarbeitern ist das Unternehmen eben kein Weltkonzern. Hinzu kam die dünne Finanzdecke: 150 Millionen Dollar Risikokapital sollen die Kalifornier bereits ausgegeben haben. Eine neue Finanzierungsrunde war vor einem halben Jahr gescheitert, Entlassungen bereits angekündigt. Hier dürfte der Deal mit dem deutschen Konzern für Beruhigung sorgen.

Und dann die Ressourcen der Stuttgarter: In der Entwicklung und Qualitätssicherung wird Daimler dem neuen Partner sicher helfen können. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Tesla vorgenommen hat, im Jahr 2011 eine elektrisch angetriebene Limousine im Format der Mercedes-E-Klasse auf den Markt zu bringen. Auch die Tatsache, dass Tesla-Produkte künftig von Mercedes-Händlern verkauft und Mercedes-Werkstätten repariert werden könnten, dürfte den Kaliforniern nicht ungelegen kommen. Zudem sinkt für Tesla das Risiko, als kleiner Hersteller von der Power der Großen überrollt zu werden, wenn die erst eigene Elektrofahrzeuge serienreif gemacht haben. Imagemäßig schließlich dürften beide profitieren: Daimler – siehe Smart – vom Sexappeal der Roadster-Bauer, Tesla von der Aura von Qualität und Solidität, die die Stuttgarter umgibt.

Erste gemeinsame Projekte haben die neuen Partner bereits verkündet: So soll Tesla die Akku-Pakete für 1000 Elektro-Smarts zuliefern, mit denen Daimler in Berlin und Italien Flottenversuche fahren will. 2012, wenn ein Daimler-Joint-Venture mit eigenen Lithium-Ionen-Batterien in die Serienfertigung gehen will, könnten die wiederum als Kraftquelle für Tesla dienen. Das Internetportal Autobild.de will sogar noch mehr erfahren haben: Auf Basis der jetzigen Mercedes-A-Klasse sollen die Kalifornier danach im Daimler-Auftrag einen elektrisch betriebenen Kompaktwagen auf die Räder stellen. Das allerdings haben die Schwaben inzwischen dementiert.

 
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