E-Demokratie Online-Petitionen spielen kaum eine Rolle
Elektronische Aufrufe oder Beschwerden bei der Regierung sind eine große Chance für die Demokratie, urteilt eine Studie des Bundestages. Genutzt werde diese aber wenig
Elektronische Petitionssysteme sollen die Demokratie fördern. Das zumindest ist die Idee beispielsweise der Online-Petitionen beim Deutschen Bundestag. Zwei Jahre lang untersuchte der Ausschuss für Technikfolgenabschätzung des Bundestages, ob sie das auch schaffen. Das Ergebnis der gerade veröffentlichten Studie ist ernüchternd.
E-Partizipation und die parlamentarische E-Demokratie stecken "alles in allem" noch in den Kinderschuhen, heißt es in dem Bericht (PDF). Dabei erschienen E-Petitionssysteme "fast als Speerspitze einer Entwicklung hin zu einer größeren Transparenz der politischen Verfahren und zu einer stärkeren Bürgerbeteiligung". Eine große Chance also für die Demokratie.
Genutzt aber wird sie derzeit in Deutschland nicht. Auch wenn die derzeit so viel beachtete Eingabe gegen Netzsperren diesen Eindruck entstehen lassen könnte. Denn der Modellversuch Online-Petition des Bundestages sei zwar insgesamt ein Erfolg, urteilen die Autoren der Studie. Doch scheint er das vor allem deswegen zu sein, weil es ihn überhaupt gibt.
Im Einzelnen klingen die Ergebnisse trübe: Nicht einmal zwei Prozent aller Petitionen, die beim Bundestag eingehen, werden derzeit im Internet veröffentlicht. Es bleibe auch offen, "ob der Deutsche Bundestag diesen Weg zu mehr Transparenz und Öffentlichkeit weitergehen will".
Ob die Öffentlichkeit das will, ist ebenfalls unklar. Man habe keine Zunahme der Petitionen feststellen können, geschweige denn, dass sich breitere Bevölkerungsschichten an ihnen beteiligten als zuvor. "Frauen, Bevölkerungsgruppen mit niedrigen Bildungsabschlüssen, auch jüngere Altersgruppen bleiben unter den Petenten weiter deutlich unterrepräsentiert."
Gravierender noch erscheint ein anderes Urteil der Studie: Zwar zeigten sich in den Diskussionsforen mehr Debatten, diese würden vom eigentlichen Petitionsadressaten jedoch "nicht in adäquater Weise rezipiert und verarbeitet". Mit anderen Worten: Die Bundestagsabgeordneten können die Diskussionen ihrer Bürger zwar nun live verfolgen, interessieren sich aber nicht dafür.
Wer sehen will, wie gering das Interesse an den Petitionen ist, muss sich nur die Zusammensetzung des Petitionsausschusses betrachten, der über Annahme oder Ablehnung entscheidet. Kein namhaftes Mitglied der Bundestagsfraktionen sitzt darin und geleitet wird er von einer Abgeordneten der Linkspartei – der schwächsten Fraktion des Bundestages.
Nicht, dass das deutsche System nicht fortschrittlich wäre. Das Petitionssystem des Bundestages gelte geradezu als innovativ und international "herausgehoben" und sei eine "bemerkenswerte Ausnahme", heißt es in der Studie. Immerhin können dort nicht nur Begehren öffentlich eingereicht werden, jeder, der will, kann sie mitzeichnen, und es wird auch öffentlich gemacht, ob sie angenommen oder abgelehnt werden.
Ein Beispiel für die Debatte zwischen Abgeordneten und Bürgern sei das System allerdings nicht. Einen "netzöffentlichen Dialog" könne man nicht beobachten.
Auch weckt es mehr Erwartungen, als es erfüllen kann: "Rund drei von fünf eingereichten öffentlichen Petitionen wurden nicht als solche zugelassen (62,7 Prozent im Jahr 2006, 61,5 Prozent im Jahr 2007). "Das ist eine hohe Ablehnungsrate, die durchaus zu Unmut bei den Petenten führte."
Die technische Beurteilung fällt ebenfalls nicht sehr gut aus. Es gebe einen hohen "Fortentwicklungs- und Anpassungsbedarf", wenn es den Bedürfnissen des Bundestages gerecht werden soll, heißt es als Fazit. Ein Schluss, zu dem die Nutzer desselben schon vor längerer Zeit gekommen sind.
Bislang also ist die Modernisierung der Demokratie noch nicht sehr weit fortgeschritten. Dabei könnten gerade die Parlamente davon profitieren, wie der Ausschuss für Technikfolgenabschätzung schreibt. Denn er hat auch das Petitionswesen in anderen Ländern betrachtet und kommt zu dem Schluss: "Historisch ging die Stärkung des parlamentarischen Petitionswesens häufig einher mit einer Stärkung der Kompetenzen und Machtpositionen des Parlaments insgesamt." Nicht nur die Bürger haben etwas von größerer Transparenz, auch die Abgeordneten.
- Datum 22.05.2009 - 17:14 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die meisten Leute machen schaffen es nach der haarkleinen Analyse "was" sie alles stört eben nicht sich dann auch zu engagieren. Vielleicht weil das ausgiebige Jammern körperlich und mental so aufzehrend ist dass sie annehmen damit was "getan" zu haben. Ich weiss es nicht. Aber eine "Diskussion" (gemeinsamer Monolog in den meisten Fällen) sei ja schon ein "Wert an sich". Bei der Mentalität wundert auch der Stillstand nicht.
"Mit anderen Worten: Die Bundestagsabgeordneten können die Diskussionen ihrer Bürger zwar nun live verfolgen, interessieren sich aber nicht dafür."
ergänzt sich doch perfekt.
auch die bürger können die diskussionen ihrer vertreter live verfolgen -- und interessieren sich nicht dafür.
so kann jede partei der anderen ihre vorurteile vorwerfen und beide sind glücklich. eine wundervolle beziehung ...
"...geleitet wird er von einer Abgeordneten der Linkspartei – der schwächsten Fraktion des Bundestages."
Bündnis 90/Grüne haben 51 Sitze,
Die Linke 53 Sitze im Bundestag.
Das stimmt schon so , denn man sollte bedenken das schwach/stark keine Begriffe sind die sich lediglich auf die Anzahl der Abgeordneten bezieht , sondern sich auch auf Einfluss und Durchsetzungsfähigkeit bezieht und die Linken mögen zwar mehr Sitze haben, sind aber schwächer weil es ihnen aufgrund der generellen Grundausrichtung der partei nicht möglich ist für ihre Vorhaben Mehrheiten zu finden .
Das stimmt schon so , denn man sollte bedenken das schwach/stark keine Begriffe sind die sich lediglich auf die Anzahl der Abgeordneten bezieht , sondern sich auch auf Einfluss und Durchsetzungsfähigkeit bezieht und die Linken mögen zwar mehr Sitze haben, sind aber schwächer weil es ihnen aufgrund der generellen Grundausrichtung der partei nicht möglich ist für ihre Vorhaben Mehrheiten zu finden .
Es mag ein wenig nach Stammtisch klingen, aber es scheint doch, als läge der Grund mangelnden Interesses der Politiker, am Amt der Politiker selbst.
Sieht man einmal auf das öffentlich mitzuverfolgende Gehabe, so sind nicht der Wille oder das Bedürfnis des Volkes, sondern entweder persönliche oder parteiliche Machtspielchen der Antrieb.
Die Meinung des Volkes zählt nur solange, wie es für Wahlen gebraucht wird.
Wenn es aus dem Ufer läuft, dann treten Personen wie Wirtschaftsminister zu Guttenberg an den Tag, die versuchen Online-Petisten bloßzustellen.
Das stimmt schon so , denn man sollte bedenken das schwach/stark keine Begriffe sind die sich lediglich auf die Anzahl der Abgeordneten bezieht , sondern sich auch auf Einfluss und Durchsetzungsfähigkeit bezieht und die Linken mögen zwar mehr Sitze haben, sind aber schwächer weil es ihnen aufgrund der generellen Grundausrichtung der partei nicht möglich ist für ihre Vorhaben Mehrheiten zu finden .
Nennen wir das Kind doch mal beim Namen. Petitionen zu Themen welche die Politik nicht angesprochen wissen will werden aufgrund irgendwelcher Phrasen immer abgelehnt. Dasselbe passiert auch mit Petitionen die sich gegen die einzelnen Parteilinien richten.
Petitionen sind ein Witz und vollkommen sinnlos.
Da es anscheinend eine Abschmetterungsquote von über 60% gibt - bleibt daraus nur ein Schluss:
die Petition an sich benötigt einen höheren Stellenwert in der Politik!
und zwar so dass:
jeder (dazu fähige) der 82 Mio Bürger Lust bekommt sich daran zu beteiligen.
Meine Ideen dazu:
1. Auch alle Schriftlichen Petitionen (welche anscheinend über 90% ausmachen) - werden auch im Netz angeboten.
2. Erreicht eine Petition eine Mindestanzahl an Stimmen (z.B. 50.000) vergrößert sich der Ausschuss der Politiker die sich damit beschäftigen
3. oder aber einer Mindestanzahl (z.B. 100.000) gibt es zur Petition eine aktuelle Stunde im Bundestag, bei der jede Partei mind. einmal Stellung beziehen muss. Auch darf der Petent sich selber im Bundestag dazu äußern und seinen Standpunkt darlegen.
4. ab 200.000 tritt ein Gesetzgebungsverfahren in Kraft, in dem das Gesetz natürlich vom Bundestag auch abgelehnt werden darf. Doch es gibt zumindest eine großflächige Diskussion über das Thema der Petition
5. Die Homepage der Petition bekommt eine ansprechendere Gestaltung und eine modernere Software, damit zukünftige Überlastungen durch eine hohe Unterzeichnerzahl ausgeschlossen sind.
Was sind Eure Ideen ?
Meines Erachtens nach liegt die "Unbekanntheit der Petition" an:
A) Sie hat momentan zu wenig Einfluss auf die "richtige" Politik im Bundestag und damit per se zu wenig Beachtung. Hätte die Petition eine größere Relevanz, würden sich Politiker eindringlicher darum kümmern.
B) Wenn A) zutrifft, sagt sich so mancher Wähler :
"Warum soll ich mich bemühen eine Petition unterzeichnen - ich kann ja damit eh nix ändern, ich bin ja nur Stimmvieh für die nächste Wahl. Ich als "kleiner Mann" - ich bin ja machtlos".
(und das ist er eben nicht!-> Schneeballsystem+gute Argumente+ in zukunft wichtigere Petition)
Schluss:
Wir denken uns eine Petition aus, die dafür plädiert den Stellenwert der Petition zu verbessern! und sind ein Stück in weiter Richtung "direkte Demokratie (?)".
Die rege Beteiligung an der E-Petition gegen Zensur im Internet, die bereits knapp 92.000 Bürger unterzeichnet haben und die man noch bis 16. Juni hier unterzeichnen kann, ist freilich ein guter Anfang.
Offen gestanden wusste ich bis vor kurzem nichts von E-Petitionen. Durch die E-Petition gegen Zensur im Internet aufmerkam geworden, habe ich mir auch die übrigen E-Petitionen angeschaut und mich auch einigen ausgewählten angeschlossen. Ich habe den Eindruck - ohne dass ich es zahlenmäßig belegen kann - dass es durchaus einen großen Anteil dieser Mitnahmeeffekte gab.
Und je mehr sich daran beteiligen, um so stärker wird der Druck auf eine Reform des E-Petitionssystems im Sinne des Beitrags Nr. 7 von globalmarschall.
Die rege Beteiligung an der E-Petition gegen Zensur im Internet, die bereits knapp 92.000 Bürger unterzeichnet haben und die man noch bis 16. Juni hier unterzeichnen kann, ist freilich ein guter Anfang.
Offen gestanden wusste ich bis vor kurzem nichts von E-Petitionen. Durch die E-Petition gegen Zensur im Internet aufmerkam geworden, habe ich mir auch die übrigen E-Petitionen angeschaut und mich auch einigen ausgewählten angeschlossen. Ich habe den Eindruck - ohne dass ich es zahlenmäßig belegen kann - dass es durchaus einen großen Anteil dieser Mitnahmeeffekte gab.
Und je mehr sich daran beteiligen, um so stärker wird der Druck auf eine Reform des E-Petitionssystems im Sinne des Beitrags Nr. 7 von globalmarschall.
Die rege Beteiligung an der E-Petition gegen Zensur im Internet, die bereits knapp 92.000 Bürger unterzeichnet haben und die man noch bis 16. Juni hier unterzeichnen kann, ist freilich ein guter Anfang.
Offen gestanden wusste ich bis vor kurzem nichts von E-Petitionen. Durch die E-Petition gegen Zensur im Internet aufmerkam geworden, habe ich mir auch die übrigen E-Petitionen angeschaut und mich auch einigen ausgewählten angeschlossen. Ich habe den Eindruck - ohne dass ich es zahlenmäßig belegen kann - dass es durchaus einen großen Anteil dieser Mitnahmeeffekte gab.
Und je mehr sich daran beteiligen, um so stärker wird der Druck auf eine Reform des E-Petitionssystems im Sinne des Beitrags Nr. 7 von globalmarschall.
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