Es ist ein Theaterstück. Schauspieler treten auf. Sie kennen ihren Text. Keiner fällt aus seiner Rolle. Der Naturschützer ("5,3 Millionen Menschen stehen hinter mir") sagt, es gehe auch ganz ohne Gentechnik, und er sei ohnehin enttäuscht, dass nicht noch mehr Naturschützer auftreten dürften. Der Vertreter des Ökolandbaus verlangt mehr Ökolandbau. Die Kirchenvertreterin will "vor allem die Menschen erreichen". Die Forscher wollen weiter forschen. Und auch die Industriedarsteller sind ganz ehrlich: "Wir wollen Geld verdienen."

Das Schauspiel ist nicht neu. Es heißt "runder Tisch". Die Bühne ist meistens eher eckig. Am Mittwoch in Berlin sitzen etwa 30 Menschen um dieses Rechteck (und weitere 30 in der zweiten Reihe). Sie diskutieren über die Grüne Gentechnik. Mit am Tisch sitzen die Ministerinnen Annette Schavan (Forschung) und Ilse Aigner (Landwirtschaft).

Das aktuelle Stück ist keine Fortsetzung, nicht einmal eine Neuinszenierung, eher eine Wiederaufführung. Renate Künast hatte zu mehreren runden Tischen eingeladen. Horst Seehofer hatte zu mehreren runden Tischen eingeladen. Auch diese Berliner Runde soll nur ein Auftakt sein – zu mehreren runden Tischen.

Das Stück ist bekannt, die Rollen sind verteilt, und doch ist die Stimmung aufgeladen wie selten. Die Positionen scheinen unverrückbarer denn je. Zwar sitzen die Ministerinnen in demonstrativer Harmonie nebeneinander. Doch auch sie haben ihre Interessen – und das Feld bereits abgesteckt. Aigner muss offenbar Zeit gewinnen und hat schon im Vorfeld mehr Sicherheitsforschung gefordert. Schavan sorgt sich um das Innovationsklima und hat schon im Vorfeld – "ohne Gentechnik geht es nicht" – mehr zukunftsorientierte Forschung gefordert.

Überdeutlich betonen beide, ihre aktuelle Auseinandersetzung um Monsantos gentechnisch veränderten Mais Mon 810 sei kaum der Rede wert, mehr kleiner Anlass als gewichtiger Grund für das Gespräch.