Filmfestival Cannes Goldene Palme für "Das weiße Band"
Michael Hanekes Schwarzweiß-Drama versucht die Ursachen für Terror und Gewalt in einer Gesellschaft auszumachen. Dafür wurde es am Sonntagabend in Cannes als bester Film ausgezeichnet
Der Film Das weiße Band ist auf dem Filmfestival in Cannes als bester Film mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Die Ehrung nahm am Sonntagabend der österreichische Regisseur Michael Haneke entgegen. Auf der Bühne im Festivalpalais war er sichtlich gerührt. "Manchmal fragt mich meine Frau eine typisch weibliche Frage, ob ich glücklich bin. Das ist schwer zu beantworten. Aber heute Abend kann ich sagen, dass ich sehr glücklich bin." Es ist nach vielen Preisen die erste Goldene Palme für den 67-jährigen Haneke. Er setzte sich gegen 19 Konkurrenten im Wettbewerb durch.
Sein in Schwarz-Weiß gedrehtes Drama mit dem Untertitel Eine deutsche Kindergeschichte spielt in einem Dorf in Norddeutschland vor dem Ersten Weltkrieg. Haneke zeigt die autoritären Strukturen in den Familien und in der Dorfgesellschaft, die Verinnerlichung von Werten durch die Kinder und geht damit den Ursachen von Terror und Gewalt auf den Grund. Der Film ist neben zahlreichen sehr gut agierenden Laiendarstellern auch in Nebenrollen noch mit renommierten Schauspielern besetzt. So wirkten unter anderem Susanne Lothar, Ulrich Tukur und Josef Bierbichler mit.
Als beste weibliche Darstellerin freute sich die Französin Charlotte Gainsbourg über die Würdigung ihrer harten Rolle in Antichrist von Lars von Trier. Der Große Preis der Jury ging an den Franzosen Jacques Audiard für das Gefängnisdrama Un Prophète. Den Preis der Jury teilen sich zu gleichen Teilen die Britin Andrea Arnold für das Sozialdrama Fish Tank und der Südkoreaner Park Chan-wook für seien Vampirfilm Thirst (Durst).
Der Darstellerpreis ging an den gebürtigen Österreicher Christoph Waltz für seine Leistung in dem Film Inglourious Basterds von Quentin Tarantino. Damit wurden ein deutschsprachiger Schauspieler und ein deutschsprachiger Regisseur geehrt - was unter den Anwesenden aus Deutschland und Österreich als weiterer Erfolg für deutschsprachige Filme und Schauspieler gewertet wurde. "Es ist sagenhaft, hier dabei zu sein, wie eine internationale Jury einen deutschen Film mit einer deutschen Geschichte vor der ganzen Welt hervorhebt", sagte Stefan Arndt, der mit seiner Berliner Firma X-Filme Das weiße Band produziert hat, nach der Preisverleihung. Offenbar sei das Interesse an deutschen Themen noch immer groß.
- Datum 25.05.2009 - 10:35 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 6
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Dass die Deutschen in ihren Medien für ihre Nation alles und alle beanspruchen und vereinnahmen, was deutschsprachig ist, halte ich für unangenehmen Kulturkolonialismus (so auch von Helmuth Karasek, der in der Welt in einem Artikel zur Bundesrepublik im Spiegel ihrer Bücher zu den drei deutschen Literaturnobelpreisträgern zuletzt auch Hermann Hesse und Elfriede Jelinek zählt). Wobei ich für genauso peinlich halte, wenn österreichische Medien Österreichbezüge herzustellen pflegen bei Personen, deren Großmutter auf der Durchfahrt bei St. Pölten einmal einen Apfelstrudel gegessen hat, was allerdings doch meist mit einem gewissen ironischen Beigeschmack daherkommt. Keine Ironie bei den Deutschen in solchen Dingen.
Dass nun Michael Hanekes Cannes-Preis-Film als deutscher Film bezeichnet wird, ist indes völlig legitim, insofern er eine in Norddeutschland spielende Geschichte mit durchwegs deutschen Darstellern erzählt (wobei allerdings typischerweise nur die Reaktion des deutschen Produzenten berichtet wird und die des österreichischen nicht und auch keine des französischen oder italienischen).
Warum allerdings in der dpa-Meldung Christoph Waltz als "gebürtiger Österreicher" bezeichnet wird (was alle Online-Feuilletons so übernommen haben), ist mir ganz und gar unverständlich. Hat er denn (er lebt, heißt es in der Wikipedia-Biographie, in London) eine andere Staatsbürgerschaft angenommen? Weil er im deutschen Fernsehen Karriere gemacht hat? Weil er, wenn er möchte, mit authentischerer norddeutscher Sprachfärbung zu reden imstande ist als jeder Norddeutsche?
Im Übrigen, was die dpa-Nationalisten wohl übersehen haben: der Österreicher Michael Haneke ist in München geboren und hat einen deutschen Vater. Gewiss nur deshalb ist er so außerordentlich tüchtig!
Mir, der ich zum Österreich-Nationalisten immer nur dann mutiere, wenn ich auf Deutschnationalismus in Bezug auf Österreich treffe, allerdings besonders unangenehm sind die Glückwunschadressen der österreichischen Politiker, die alle auf Haneke "stolz" zu sein scheinen, selbst der Kultursprecher (ich wusste gar nicht, dass die so etwas haben) des BZÖ (der von Jörg Haider gegründeten Rechtspartei). Aber gegen solchen lächerlichen und oft unappetitlichen "Stolz" ist halt niemand gefeit.
von Deutschen mit Deutschen in Deutschland produziert. Lediglich der Regisseur ist Österreicher. Davon abgesehen wird die Funktion der Regisseure traditionell generell immer vollkommen überwertet.
Hier irren Sie mehrfach:
1. Finanztechnisch ist der Film eine Koproduktion mehrerer Länder (F/A/D).
2. Praktisch der gesamte Produktionsstab ist von der Wega-Film, also österreichisch.
3. Das Buch stammt ebenfalls von Haneke - einem Österreicher.
4. Und schließlich bei der Überbewertung der Regisseure.
(pgr)
http://www.youtube.com/us...
Das Weiße Band ist eine internationale deutsch-österreichisch-französisch-italienische Koproduktion. Und Haneke ist nicht nur "lediglich" der Regisseur sondern zusätzlich noch unbedeutender Weise Drehbuchautor und wird bei seine Filmen "generell immer vollkommen überwertet."
- Schon mal einen Film von ihm gesehen?
Hier irren Sie mehrfach:
1. Finanztechnisch ist der Film eine Koproduktion mehrerer Länder (F/A/D).
2. Praktisch der gesamte Produktionsstab ist von der Wega-Film, also österreichisch.
3. Das Buch stammt ebenfalls von Haneke - einem Österreicher.
4. Und schließlich bei der Überbewertung der Regisseure.
(pgr)
http://www.youtube.com/us...
Das Weiße Band ist eine internationale deutsch-österreichisch-französisch-italienische Koproduktion. Und Haneke ist nicht nur "lediglich" der Regisseur sondern zusätzlich noch unbedeutender Weise Drehbuchautor und wird bei seine Filmen "generell immer vollkommen überwertet."
- Schon mal einen Film von ihm gesehen?
Hier irren Sie mehrfach:
1. Finanztechnisch ist der Film eine Koproduktion mehrerer Länder (F/A/D).
2. Praktisch der gesamte Produktionsstab ist von der Wega-Film, also österreichisch.
3. Das Buch stammt ebenfalls von Haneke - einem Österreicher.
4. Und schließlich bei der Überbewertung der Regisseure.
(pgr)
http://www.youtube.com/us...
Das Weiße Band ist eine internationale deutsch-österreichisch-französisch-italienische Koproduktion. Und Haneke ist nicht nur "lediglich" der Regisseur sondern zusätzlich noch unbedeutender Weise Drehbuchautor und wird bei seine Filmen "generell immer vollkommen überwertet."
- Schon mal einen Film von ihm gesehen?
nicht Haneke persönlich.
nicht Haneke persönlich.
Michael Haneke hat den Preis in Cannes gewonnen, weil sein Film offensichtlich sehr gut und tiefgreifend ist, weil er einen gewissen Nerv genau trifft und sein spezifischer Filmblick einfach unnachahmlich ist. Ob er Deutscher oder Österreicher ist, ob er Schweizer oder Elsässer sein könnte, ist völlig unwichtig, er ist ein europäisch agierender Mensch und Regisseur. Um es vorwegzunehman, Haneke ist gebürtiger Deutscher, der nach Österreich ging, den es dann nach Frankreich zog und der sicherlich noch viele Schauplätze in Europa finden wird, die seinem Denken, seinem gesellschaftspolitschen Weltbild und seiner Auffassung von Menschen- und Geschichtsdarstellung entspricht.
Filme werden heute nicht mehr, schon seit einiger Zeit übrigens, rein deutsch realisiert, sondern allein, wenn man sich die Finanziers anschaut, weiß man, dass da europäisch operiert wird. Hanekes Film spielt in einem Dorf in Norddeutschland, genauer in der Uckermark, was noch ein wenig östlicher liegt als das, was der Bundesbürger alter Prägung immer unter Norddeutschland versteht.
Eine Kindergeschichte aus Deutschland steht in der Subline und der Film zeigt ein deutsches Thema, was sicherlich überall in Europa verstanden wird und entsprechend adaptiert werden kann.
Die Protagonisten sind Deutsche, die Schauspieler, die sie spielen sind auch Deutsche und zwar von der ersten Garde: Bierbichler, Tukur, Klaußner, Lothar um nur einige zu nennen.
Ich habe in der Beschreibung der gesamten Crew und gerade unter den Schauspielern fast nur exzellente Namen gesehen. Die Kameracrew und die vielen Spezialisten der Postproduktion kommen sicher aus vielen Ländern - insgesamt wird der Stab, der diesen Film gemacht hat, vom Regisseur bis zum "Best Boy" aus vielen europäischen Ländern stammen. Und das ist gut so, denn der Film, auch wenn das Grundthema, welches in Deutschland kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges spielt, in seiner Thematik sicherlich Franzosen wie Engländer, Spanier wie Niederländer bewegen wird. Und vielleicht auch die Amerikaner. Wir müssen froh sein, dass der deutschsprachige Film einen solchen Meister der Filmkunst vorzeigen kann, der sich nie das eine oder andere nationale Etikett anhaften ließe.
Und wer behauptet, dass die Filme von Haneke, die er bisher gedreht hat, unbedeutend und überbewertet worden sind, hat schlicht und ergreifend wenig Ahnung vom Cinema, denn ein erstklassiger Kinofilm ist nicht wie ein schnell produziertes Fernsehfilmchen pure Unterhaltungskonsumware, sondern vermittelt in den Protagonisten und in der filmischen Erzählung psychologische, philosophische, sozialkritische, historische oder gesellschaftspolitische Aspekte, nicht nur die Schauspieler machen einen Film zum Film, sondern insbesondere das Drehbuch, die Kamera, die Beleuchtung oder der Schnitt. So wird ein Film zu einem Gesamtkunstwerk - anders als viele der Massenmachwerke, die aus den Produktionshallen Hollywoods en masse ausgespuckt werden und nichts zu sagen haben, nichts vermitteln, schnell vergessen sind - abgesehen von Filmen, die cineastische Künstler wie die Coen Brüder, Jim Jarmusch, Aronowski, Kaufmann oder Coppola, um nur ein paar zu nennen, gedreht haben.
Nicht umsonst hat Redford das Sundance-Festival ins Leben geerufen, um die Spreu vom Weizen zu trennen, um Filmkunst ein amerikanisches Qualitätsforum zu geben
Ich habe den Film noch nicht gesehen, wie denn auch, denn in Cannes war ich nicht eingeladen, aber ich kenne die anderen Werke von Haneke und bin stolz, dass in Europa neben Almodavar, Amenabar, Ozon, Jeunet, Loach, Frears, Daldry, Jensen, Scherfing oder den d`Árdennes und einigen anderen, zwar Kinofilme mit nationaler Prägung gemacht und gezeigt werden, aber es sind immer Streifen, die das Ziel, europäisch oder gar kosmopolitisch zu sein und zu wirken, nie aus den Augen verlieren. Wer das nicht versteht, sollte besser vor der Glotze bleiben und sich den alltäglichen medialen Schrott reinziehen. Auch wenn es im Fernsehen immer mehr gute Produktionen zu sehen gibt, aber die machen höchstens 10% der gesamten Flimmerzeit auf allen Knälen aus.
Ich gratuliere Haneke, ebenso all den anderen Gewinnern in Cannes. Und ich gespannt auf den Film, der wahrscheinlich erst im Oktober/November in die Kinos kommen wird.
Wolfgang Neisser
nicht Haneke persönlich.
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