Die Modebloggerinnen Julia Knolle (li.) und Jessica Weiß von "Les Mads"

ZEIT ONLINE: Im letzten Monat hat euer Mode-Blog Les Mads mehr als 900.000 Page Impression verzeichnet. Wie waren eure Anfänge?

Julia Knolle: Als wir im Frühjahr 2007 angefangen haben zu bloggen, gab es nur wenige Modeblogs: den Satorialist , den Facehunter , Stylebubble – und in Deutschland pudri und f&art . Über StudiVZ habe ich jemanden gesucht, der mit mir zusammen ein Blog aufzieht. Dabei bin ich auf Jessie gestoßen, weil mir ihre Fotos so gut gefallen haben. Sie wusste erst nicht, was ich genau von ihr wollte. Dann haben wir uns schließlich getroffen, an einem Samstag um 12 Uhr. Um 17 Uhr haben wir das erste Mal wieder auf die Uhr geschaut und dachten: Wir müssen das machen!

ZEIT ONLINE:Les Mads ist in der Reihe der deutschen Mode-Blogs eine Ausnahme. Ihr hattet gleich von Anfang an den Burda-Verlag als Partner an eurer Seite.

Knolle: Der Online-Koordinator des Burda-Verlags hatte mir damals signalisiert, wir könnten unseren Blog auch bei ihnen machen. Er gab uns eine zweimonatige Probezeit auf einem Blogspot-Account, danach sind wir mit einem neuen Design "umgezogen" zu Burda . Es war immer klar: Die Inhalte sind von uns, das Hosting liegt beim Verlag.

ZEIT ONLINE: Wann habt ihr gemerkt, dass ihr gelesen werdet?

Knolle: Die ersten Tage haben uns nur unsere Mamas und Freundinnen gelesen, nach vier Wochen waren es plötzlich 60 Leser am Tag und dann, nach drei Monaten, mit dem Besuch der ersten Berlin Fashion Week im Juli 2007, wurden es um die 240. Seitdem kommen täglich neue Besucher dazu. Anfang 2008 bekam ich das Angebot, die deutsche Seite des Frauen-Netzwerks Glam zu leiten, an dem Burda beteiligt ist. Ab dem Zeitpunkt ging auch die Vermarktung los.

ZEIT ONLINE: Und auch die Kritik aus der Mode-Blogger-Szene. Man hat euch angekreidet, das Engagement des Burda-Verlags sei nicht von Anfang an transparent gewesen.

Knolle: Ja, das war aber auch von Burda so gewollt – Les Mads sollten ja gerade kein typisches Verlagsprodukt sein. Sondern ein Online-Projekt, das ohne seine Hilfe funktioniert. Die Unterstützung lag auch vor allem auf der technischen Ebene. Die Pressearbeit haben wir ganz allein gemacht und hätten uns manchmal gewünscht, mit auf den Presseverteiler der etablierten Print-Publikationen aufspringen zu können.

ZEIT ONLINE: Dennoch arbeitet ihr unter anderen Bedingungen als Bloggerinnen, die keinen Partner im Rücken haben.

Knolle: Natürlich haben wir den Vorteil, dass der Verlag zum Beispiel unsere Reisen bezahlt. Aber wir empfinden die Vorwürfe trotzdem als ungerecht, denn es steckt wirklich harte Arbeit hinter dem, was wir tun. Jessie sitzt in Köln jeden Tag von 9.00 Uhr morgens bis 12.00 Uhr nachts vor dem Computer und ich schreibe vor, zwischen und nach meinem Arbeitstag bei Glam auch weiter für Les Mads .

ZEIT ONLINE: Was hat ein großer Verlag davon, dass er euch als relativ unabhängige Mode-Bloggerinnen "unter seine Fittiche nimmt"?

Knolle: Es war ein Experiment: Inwiefern man Modejournalismus ohne ausgebildete Redakteurinnen an einer Zielgruppe orientieren kann, die man mit Print-Titeln nicht abdeckt. Und wie man aus "Nichts" auf einmal Reichweite erzielen kann.