Jauch über das Klinsmann-Interview "Bei Bayern werden nun einige nervös"
Günther Jauch erklärt, wieso er Klinsmann für den "Obama des deutschen Fußballs" hält und zu welchen Bedingungen Klinsmann in seine Sendung kam. Ein Interview
© Patrick Stollarz/Getty Images Entertainment

Günther Jauch
ZEIT ONLINE: Herr Jauch, warum ist Jürgen Klinsmann zu Ihnen gekommen, zu Stern TV und nicht in eine Sportsendung?
Günther Jauch: Wir kennen uns schon sehr lange, schon zu Zeiten, als er Spieler war. Wir verstehen uns gut und sehen uns alle zwei bis drei Jahre. Zwischendurch bleiben wir über E-Mail in Kontakt. Klinsmann ist ein Typ, der im Fernsehen nicht nur Fußballer interessiert, sondern beispielsweise auch viele Frauen – die zwei Drittel unserer Zuschauer ausmachen. Und bei uns, einer Mittwochssendung, konnte er unabhängig von direktem Einfluss von Spielergebnissen reden. Zudem ist die Figur Klinsmann gesellschaftlich relevant.
ZEIT ONLINE: Inwiefern?
Jauch: Seine Durchsetzungskraft und seinen Reformwillen hat er beim DFB bewiesen, und das Gleiche wollte er im Verein vollziehen. Für mich ist Klinsmann der Obama des deutschen Fußballs. Aber er ist zum Opfer der Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Fraktion geworden. Im Gespräch nach der Sendung habe ich auch gemerkt, dass er ein Problem mit der Mentalität der heutigen Spielergeneration hat. Vielen fehlt der Hunger, auf Messi-Niveau zu kommen.
ZEIT ONLINE: Ist Klinsmann überhaupt jemand, der Spieler auf Messi-Niveau bringen kann? Ob er ein guter Vereinstrainer ist, hat er noch nicht beantwortet?
Jauch: Er ist nicht der erste Trainer, der in frühen Jahren geschasst wurde. Aber er ist nachdenklich geworden. Viele Spieler geben sich seiner Meinung nach zu früh zufrieden. Sowohl wirtschaftlich als auch das Prestige betreffend. Entbehrungen wollen die wenigsten auf sich nehmen.
ZEIT ONLINE: Uli Hoeneß hat nach der Entlassung von Klinsmann auffällig oft verlangt, "keine schmutzige Wäsche zu waschen". Hat Klinsmann das gestern getan?
Jauch: Nein, er ist diskret. Er weiß viel mehr als er sagt. Beim FC Bayern werden nun einige nervös sein. Aber sein Vertrag verlangt vereinskonformes Verhalten von Klinsmann.
ZEIT ONLINE: Könnte noch was nachkommen?
Jauch: Sicher, aber das können die Kollegen lösen.
ZEIT ONLINE: Hätten Sie nicht nachhaken und Klinsmann vehementer auf seine Fehler ansprechen können?
Jauch: Wir sind Stern TV. Die Sendung wird nicht in die Fernsehgeschichte eingehen. Aber die Tür ist einen Spalt aufgegangen.
ZEIT ONLINE: Hat Ihnen Klinsmann vor dem Gespräch inhaltliche oder andere Bedingungen gestellt?
Jauch: Nein.
Die Fragen stellte Oliver Fritsch.
- Datum 08.10.2009 - 11:51 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich habe kein Ahnung warum ich nach wie vor von Jürgen Klinsmann überzeugt bin. Aber ich schätze an Jürgen Klinsmann seine Intelligenz und besonders seine Leidenschaft, denn Fussball ist Leidenschaft.
Er wird wahrscheinlich noch etwas Zeit brauchen um klar zu sehen, um klar seine Fehler umreißen zu können. Aber, ich bin mir sicher er wird gestärkt daraus hervorgehen.
Jürgen Klinsmann ist eigentlich dafür bekannt sehr konsequent seine Ziele zu verfolgen. Ich frage mich warum er bei der Auswahl der Spieler so inkonsequent war. Wenn er den Spieler vorwirft, sie seien nicht hungrig genug, warum er sie nicht ausgetauscht hat. Felix Magath hat in Wolfsburg solange Spieler ausgetauscht bis er die perfekte Mannschaft zusammen hatte, insgesamt 30! Spieler. Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, alles talentierte Spieler, begnügen sich mit einigen wenigen Lichtblicken pro Saison. Mit einer solchen Berufsauffassung hat man in einem Spitzenteam nichts zu suchen.
Mein Kommentar zu einem entsprechenden FAZ-Bericht zum Interview-Klinsmann: "Irrtümer" von Christian Kamp:
Die angeberischen, motivationalen Suggestionen
Wenn ein Männe Schach spielen (oder: PC -mit allen plus/mnus- Diktaten und Abwägbarkeiten oder gewollten Zufällen...) spielen will, soll er daran erfreuen; hat er aber (pro forma und mit Millionen-Einträgen und dollen medizin. Nutzlosigkeiten) ein Fußballspiel - mit meistens 2x 45 Minuten - vom Fußballfeldrand zu begutachten und wegzustecken (im Triumpf oder im Stimmungssumpf) ... - sollte er nicht mehr von S p i e l und Sport oder Spielkunst sprechen, sondern von Kampf- oder Krampfmomenten, die er nicht mehr gestalten oder bewältigen kann; im besten Fall - wenn die Torergebnisse durch Zufall eben high sind und nicht durch seine motivationalen Suggestionen und die herrlichen Matadoren - soll er dankbar sein, und abhauen, bevor er von der Bank gekickt wird.
Jubel oder Geschrei auf den Rängen oder in den Vorstandsetagen sind Trara-Trara im Deppendaddel oder im Dreck - Blut - und Selbstwertverlust. - Da braucht der Trainer den Psychologen.
Die anderen pöhlen weiter!
P.S.:
Ergänzung hier, in der ZEIT:
Jauch ist natürlich ein empathischer Seelenheld, wie bei den Frauen, die er gnädiglich etwas höher ziehen will zu "Millionärs-Gnaden".
[...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
[...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
Glaube kaum, dass die Oberen des FCB nervös werden.
Die sind froh, dass sie den Träumer los sind.
Klinsmann ist kein Trainer, ihm fehlt im die Menschenführung (dauerhaft), die Autorität und der Sinn für Taktik.
Der könnte gut auf Seminaren ein paar theoretische Ansätze verkaufen.
Das haben die Bayern erkannt und die Notbremse gezogen.
Glaube kaum, dass es noch einen Verein gibt, der ihm ein vergleichbares Angebot machen würde. Auch die haben das jetzt erkannt.
Hab da einen lesenswerten Leserkommentar aus der FAZ gefunden.
(Darf man das eigentlich so zitieren? Die Zensoren der Zeit werdens ja wissen.)
.... die eigentliche Arbeit eines Fußballtrainers, i.e. die taktische Analyse und deren operative Anwendung auf die Mannschaft und die einzelnen Spiele ....
dann wäre festzustellen, dass JK mit einem Trainer so viel zu tun hat wie ein Regenmacher mit einem Meteorologen. Jede Wette: JK würde weder den Wuppertaler Sportverein in der Dritten Liga halten, ........
Vielmehr würde er alle diese Mannschaften, auf ihrem jeweiligen Niveau und in ihrer jeweiligen Welt, mit seinem Endlosprozessbetrieb ziemlich schnell meschugge machen. Am Ende dieses Prozesses gleichen sie Flugzeugen, in denen ein Wellnessvertreter permanent auf den Piloten einquasselt .........
[...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
was Jauch über Klinsmann sagt???
Freier Journalismus sieht anders aus. Jauch sollte sich eine größere Distanz verschaffen zu den Themen/Personen, über die er berichtet.
Was Klinsmann verzapft hat, ist üble Nachtreterei an der Grenze dessen, was er als Noch-Bayern-Angestellter sagen darf.
Schuld waren die anderen. Sein größter "Fehler", das Nicht-insistieren auf neue Spieler, ist eine billige Verklausulierung einer vermeintlichen Stärke, nämlich des Findens von Kompromissen. Das kennt man ja auch aus Vorstellungsgesprächen und bringt rein gar nichts.
Natürlich ist es einfach, sich über die Spieler zu echauffieren, aber von jemandem aus der Szene erwarte ich etwas mehr Differenziertheit als ein pauschales "satte Scheiß-Millionäre", wie ich es an jedem Stammtisch zu hören kriege. Hier werden Spieler noch nachträglich diskreditiert und verleumdet. Die Grenze zum Rufmord balanciert Klinsmann hier entlang.
Klinsmann hat es nicht geschafft, aus den Spielern das rauszuholen, was in ihnen drinsteckt. Und wer seine Äußerungen über einzelne Akteure verfolgt hat, der wird darüber nicht verwundert sein. Klinsmanns Motivationstalent halte ich für völlig überbewertet! Während der WM hat er die Spieler ach so gut motivieren können (die Tatsache, dass es die Heim-WM war, ist m.E. viel entscheidender gewesen), wieso klappte es diesmal mit vielen Spielern derselben Zeit nicht? Wieso kann Heynckes das plötzlich? Klinsmann hat sich von Anfang an unglaubwürdig gemacht, hat Vertrauen und Standing in der Mannschaft verloren, hat Abmachungen gebrochen. Das war nicht die Schuld der Spieler.
Man spricht Fußballern ja gerne die Intelligenz ab. Vielleicht war es aber gerade diese Bauernschläue, die ihnen geholfen hat, hinter die Fassade des Tschaka-Klinsi zu blicken und die konzeptionelle Leere zu sehen. Personifizierte Monitore in den Umkleiden helfen offensichtlich auch nicht, viele andere Neuerungen wurden schnell wieder abgeschafft.
Wie sagte Jauch, gegen die "Haben wir schon immer so gemacht"-Fraktion hatte er keine Chance? Dem halte ich entgegen, dass man nichts reparieren sollte, was nicht kaputt ist. Die Änderungen kamen verfrüht, Klinsmann hätte sich zunächst als Vereinstrainer etablieren sollen, ehe er zum großen Hausputz ansetzte.
Ich glaube, dass ein bodenständiger Mensch wie Hoeneß vielleicht erst spät durchschaut hat, dass er es möglicherweise mit einem Scharlatan zu tun hat. Und die Äußerungen des Herrn Klinsmann zeigen deutlich, dass es nicht Kompetenz ist, die ihn auszeichnet, sondern alleine sein Ruf, der ihm vorauseilt, den er bei Jauch reinwaschen wollte, und dem bald der nächste Club erliegen wird.
Übrigens hat der kommende Nationaltorhüter von Uli Hoeneß (aka Michael Rensing) Bayern die entscheidenden Punkte gekostet, falls es denn Samstag nicht doch noch zur Meisterschaft reichen sollte.
Aber sowohl die Bild-Zeitung als auch die Bayern-Fans (die Klinsmann angesichts der Kahn/Maier-Vorgeschichte selbst bei wiederholten Gewinn der Champions League höchsten geduldet hätten) hätten früher oder später ohnehin einen anderen Anlass gefunden, um ihn fertigzumachen.
Die primitiven Hasstiraden gegen Klinsmann, die sich oft auf polemische Anfeindungen ala "Klinsi-Grinsi" bzw. "schwäbischer Bäckergeselle" reduzieren, stammen zum grossen Teil von Personen, deren Artikulationsvermögen und Rechtschreibkenntnisse oft nur rudimentär ausgeprägt sind. Wenn dieser Pöbel im Stadion dann jedoch aus tausend Kehlen skandierend den Skalp des Trainers fordert, wird's natürlich kritisch. Dennoch lässt sich nicht abstreiten, dass Teile des Bayern-Managements immer wieder Öl auf das Feuer dieser Personalie geschüttet haben (Uli Hoeneß vielleicht noch am wenigsten).
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