Klinsmann-Interview Angriff auf die Alphatiere

Bemerkenswert, wie der geschasste Trainer Klinsmann den FC Bayern kritisiert. Doch er macht es sich zu leicht: Klinsmann war zu naiv, als er in München seinen Job begann

Jürgen Klinsmann, eigentlich schon gegangen, taucht durch die Hintertür wieder auf

Jürgen Klinsmann musste einige Angriffe über sich ergehen lassen. Als Bayern-Trainer und, noch mehr, als Nationaltrainer. Doch diesmal hat er sich gewehrt. Wenn auch diplomatisch verpackt und ohne persönlich zu werden, hat er Günther Jauch in Stern TV ein bemerkenswertes Interview gegeben.
Er komme an Grenzen, wenn er es mit Leuten zu tun habe, "die sich nicht weiterentwickeln wollen und die nur auf Besitztümer fixiert sind“, sagt Klinsmann. Eine unverhohlene Kritik an seinen ehemaligen Arbeitgeber. Wer könnte mit dieser Bezichtigung des Konservatismus anders gemeint sein als Beckenbauer, Rummenigge, Hoeneß und Breitner? Also die "Alphatiere, die ihren Platz haben möchten".

Auch den schlechten Stil der Alphatiere kritisiert Klinsmann. Sein Nachfolger Jupp Heynckes war schon am Wochenende vor der Entlassung im Stadion. Dass Uli Hoeneß das als Zufall zu deklarieren versucht. "Nein, das kann man nicht glauben", entgegnet er.

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Bemerkenswert deutlich distanziert sich der Trainer von der Aufgeregtheit, von der sich der FC Bayern anstecken lasse. "Die Stimmung an der Säbener Straße", blickt er zurück, "ist immer sehr abhängig vom letzten Ergebnis". Klarer muss man nicht werden, wenn man wissen lassen will, dass der Vereinsführung Geduld und Weitsicht fehlen. Seine eigene "mediale Unabhängigkeit" werde ihm geneidet, ergänzt er. "Das wurde mir auch klar kommuniziert." Noch so ein Treffer!

Zur Wehr setzt sich Klinsmann gegen das Establishment, etwa Günter Netzer, Udo Lattek oder auch Felix Magath. Da existierten "nicht nur inhaltliche Differenzen", sondern auch welche "in Fragen des Lebensstils". So abstrakt das formuliert ist, so bemerkenswert substanziell ist der Vorwurf: Ein deutscher Fußballtrainer werde nicht nur an seiner Arbeit gemessen, sondern auch an seinem Privatleben. Sich von seinen Kritikern absetzend, sagt Klinsmann: "Ich respektiere die Menschen, so wie sie sind.“

Bemerkenswert auch, dass Klinsmann weiterhin seine Rolle als "Vorreiter" vertritt, die er als Nationaltrainer gespielt habe. Heute sei die Arbeit mit Psychologen, Scouts und Fitnesstrainern etabliert. "Wir haben uns damals die Beulen geholt." Diesen Selbstzuspruch überließ Klinsmann bisher seinen Fürsprechern.
Doch nicht in allen Punkten kann man Klinsmanns Verteidigungsrede teilen. Sehr einfach macht er es sich, indem er behauptet, er wäre mit Bayern noch in dieser Saison Meister geworden. Seit sein Nachfolger Jupp Heynckes tätig ist, hat der FCB drei von vier Spielen gewonnen. Und selbst wenn Klinsmann die komplette Punktebeute eingefahren hätte: Der VfL Wolfsburg läge wahrscheinlich noch immer auf Platz 1. Den Rückstand auf den VfL hat Klinsmann selbst zu mitzuverantworten. Und viele schlechte Leistungen seiner Elf.

Vielleicht machte Klinsmann seinen größten Fehler gleich am Anfang: Es wäre entgegen seinen Behauptungen besser gewesen, eine Nummer kleiner angefangen zu haben als bei Deutschlands wichtigstem Klub. Bayern München ist sicher keine Adresse, wo man in aller Ruhe das kleine Trainer-Einmaleins erlernt – und der Beweis steht noch aus, dass Klinsmann das überhaupt beherrscht. Zudem muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er naiv gewesen ist. Er hätte es aus seiner Zeit als Nationaltrainer und als Bayern-Spieler wissen müssen: Ein Zusammenstoßen mit den Groß-Egos Hoeneß und Co. war abzusehen.

Wie man Klinsmanns Äußerungen auch interpretieren mag, diesem Interview mit Günther Jauch wird sicher ein Nachspiel folgen. Nach den höflich gesprochenen, aber deutlich kritischen Aussagen Klinsmanns darf man auf die Reaktion von Uli Hoeneß gespannt sein. Das wird der Manager des größten deutschen Fußballklubs nicht auf sich sitzen lassen. Klinsmann hingegen dürfte mit seinem Auftritt seine Gegner bestätigt haben. Sie werden ihm es als Nachtreten auslegen, zumal er ein Tabu bricht: Ein deutscher Fußballtrainer hat zu schweigen, wenn er entlassen wird.

Das Video zum Interview

 
Leser-Kommentare
  1. Seit Klinsi ist es für mich der FCBoris Becker.

  2. Fest steht das sich halb Fussballdeutschland freut wenn Bayern mal nicht Meister wird. Und das liegt nicht zuletzt an den [...] Bayernmanagern allen vorran Ulli Hoeneß.
    Wenn Bayern auch noch aus der Championsleage rausfliegt zahle ich gerne 2,- Euro zusätzliche GEZ Gebühr direkt an die Säbenerstraße !

    [Gekürzt, bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • Banksy
    • 22.05.2009 um 5:58 Uhr

    ..- diese Kontellation war wohl von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Fehler liegt dabei wohl auf beiden Seiten. Auf Seiten des FC Bayern entschied man sich aufgrund der Erkenntnis internationaler Chancenlosigkeit und wachsendem Identitäts- bzw. Selbstverständnisverlust für einen risikoreichen Neuanfang mit einem jungen. ehrgeizigen Trainer mit revolutionärem Konzept. Klinsmann seinerseits begab sich - scheinbar grenzenlos naiv - in das Haifischbecken München, und glaubte, trotz angekündigter Umstellungsschwierigkeiten, an ein nachhaltiges Vertrauen seitens Vereinsführung in seinen Weg. Offensichtlich ein Fehler! Die oft angestrengte mediale Floskel des "großen Missverständnisses" greift (leider) tatsächlich. Es bleibt ein Verdienst der Springerpresse, dass die Verantwortlichen der Vereinsführung scheinbar unbehelligt aus dieser "Affaire" hervorgehen. Ihre Entscheidung gegen Klinsmann bedeutet gleichzeitig eine Rückkehr zur Konzeptlosigkeit, zu eben Nicht-Altbewährtem, in eine Sackgasse. Dieses Scheitern ist eben nicht Klinsmanns alleinige Schuld, sondern auch Resultat der Feigheit, des Opportunismus und des Statusdenkens der Vereinsführung, die sich angesichts der medialen Hetzkampagne genötigt sah, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sicherlich erreichte der Trainer bis dato nicht die gewünschten Ergebnisse, sicherlich provozierte seine unaufgeregte, unbeeindruckt positive mediale Außendarstellung viele emotionalisierte, schlichte Gemüter. Vielleicht hätte er besser in bester Hoeneß'scher Cholerik verbal auf seine Spieler eingeprügelt, um den Fokus von seiner Person zu nehmen. Auch hätte er, wie von ihm selbst im Interview bemängelt, nicht durch Druck "von Oben", von seiner Spielphilosophie abrücken, sondern schon früher und nachdrücklicher von einer "Übergangssaison" sprechen sollen. Gescheitert ist aber nicht allein Jürgen Klinsmann, sondern gescheitert ist auch der FC Bayern München beim Versuch sich philosophisch neu auszurichten, sich nachhaltig zu verändern, um international an Profil zu gewinnen und langfristig sportlich im "Konzert der Großen" mitzuhalten. Ganz unabhängig davon, ob das "Konzept Klinsmann" langfristig gefruchtet hätte, haben Hoeneß, Rummenigge und Co. einen kurzen Atem und mangelndes Rückgrat bewiesen, als sie Klinsmann kurz vor Saisonende entließen. Mut und Entschlossenheit sehen anders aus! Der FC Barcelona hat Jahrzehnte unter Cruyff gebraucht, um eine eigene Spielphilosophie, die bis "runter" in die F-Jugend praktiziert wird, zu etablieren. Furgeson hat bei Manchester United sieben Jahre (!!) gebraucht, um den ersten Titel zu holen. Die "Gunners" schenken Arsène Wenger seit vielen Jahren das Vertrauen, obwohl die ganz großen Erfolge bisher ausbleiben. Umso unverständlicher erscheint vor diesem Hintergrund der Zeitpunkt der Entlassung Klinsmanns. In der Meisterschaft war noch nichts verloren, das Aus in der Championsleague gegen die gegenwärtig unbestritten beste Vereinsmannschaft der Welt war zu erwarten, die indiskutable Leistung in Barcelona mit auf das Fehlen wichtiger Stammspieler zurückzuführen. Klinsmann ist, wie er selbst zurecht feststellt, Opfer einer medialen Hetzkampagne geworden, deren Wirkung er selbst unterschätzt hat. Der Springer-Verlag setzte in offensichtlicher Art und Weise von Beginn an sämtliche Einflussmöglichkeiten ein, um Klinsmann gezielt zu diskreditieren, ja regelrecht zu demontieren. Jetzt, da er weg ist, bemängeln die Verantwortlichen plötzlich die Qualität des Kaders - zurecht!! Ob Klinsmann der richtige Mann für den FCB gewesen wäre, werden wir wohl nie erfahren. Die Zeit dies zu beweisen oder den Beweis schuldig zu bleiben, hat er nicht bekommen. 1-0 für Springer. Schade!

  3. Ich habe Klinsmann für einen guten Fußballer gehalten. Ein guter Trainer beherrscht aber auch Taktik und Strategie. Psychologie ist nur dann ergänzend sinnvoll, wenn das mit der Taktik und Strategie stimmt.

    Klinsmann hat sich zu sehr darauf verlassen, dass es reicht, wenn er in "Psychologie" macht.

    Ich will nicht verhehlen, wenn vor dem Spiel die Vorgehensweise mit den Spielern festlegt wird, es dann aber der Qualität "des Spielermaterials" mangelt. Fußballsoldaten um sich zu scharen, die nur Befehlstaktik können und zur Auftragstaktik nicht in der Lage sind, ist ein Fehler desjenigen, der die Manpower einkauft. Was ich sagen will: Es gibt viele Väter des Erfolgs bzw. des Mißerfolgs.

    _______________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

  4. Könnte es sein, und fragen darf man ja mal, ob nicht unser Kaiser Franz beim Rauswurf von Klinsmann seine Hände im Spiel hatte ? Hat nicht Franz Beckenbauer einen Beratervertrag mit der Bildzeitung und die mochte Klinsmann nie ? Ist nun der Franz Deutscher oder Oesterreicher ? Kaiser würde ja mehr zu Oesterreicher passen. Ich habe nichts gegen unsere Nachbarn, außer gegen einen, aber der kam aus Braunau am Inn.
    Der DFB hat mir vor längerer Zeit schon bestätigt, dass man doch Beckenbauer wegen seiner großen Verdienste für den Fußball zubilligen solle, seine Lebensgestaltung, Klartext Steuerzahlung, ins Ausland zu verlegen. Steht an der Spitze des Deutschen Fußballbundes und des FC Bayern ein Oesterreicher, und der mag den Klinsmann nicht ? Oder ist es nur ein im Steuerparadies Oesterreich zahlender Präsident ?
    Beim Film "Sakrileg" protestierte der Vatikan, wer protesiert jetzt gegen meine Verschwörungstheorie. Nicht vergessen: "Ti houm"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • kw-muc
    • 24.05.2009 um 19:27 Uhr

    Aber wir sind doch großzügig, wir haben es doch,wir sind doch nicht wie viee andere Deutsche mit einem Neid-Komplex ausgestattet.....

    Wenn Herr Beckenbauer seine Steuern (deren Spitzensteuersatz Prominente mit dem Österreichischen Finanzamt aushandeln können) in Österreich zahlt, wollen wir doch bitte berücksichtigen, daß er doch nicht der einzige ist, der so asozial ist (Geld hier verdienen und die Steuern in Österreich zahlen).

    Da gibt es einen Herrn Schumacher, einen Boris Becker, es gab einen Herrn Flick, einen Yoghurt-Müller (oder was) ...

    eine Frau Schreinemakers fuhr jeden Tag von Belgien oder Frankreich aus nach Deutschland zum Arbeiten (Herr Weigel hat es ihr dann vermiest) ....

    und es gibt viele Kapitalisten, die wohnen nicht nur im Ausland und zahlen dort Steuern, die betreiben ganz schlimme Gewinnmaximierung indem sie Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. ...

    Aufregen tun sich darüber doch nur die Neo-Nazis, dieses rechtsradikale Gesindel. Und wer will dazu schon gehören.? Niemand, denn wir sind doch tolerant, großzügig, sehen das nicht so eng, ......

    • kw-muc
    • 24.05.2009 um 19:27 Uhr

    Aber wir sind doch großzügig, wir haben es doch,wir sind doch nicht wie viee andere Deutsche mit einem Neid-Komplex ausgestattet.....

    Wenn Herr Beckenbauer seine Steuern (deren Spitzensteuersatz Prominente mit dem Österreichischen Finanzamt aushandeln können) in Österreich zahlt, wollen wir doch bitte berücksichtigen, daß er doch nicht der einzige ist, der so asozial ist (Geld hier verdienen und die Steuern in Österreich zahlen).

    Da gibt es einen Herrn Schumacher, einen Boris Becker, es gab einen Herrn Flick, einen Yoghurt-Müller (oder was) ...

    eine Frau Schreinemakers fuhr jeden Tag von Belgien oder Frankreich aus nach Deutschland zum Arbeiten (Herr Weigel hat es ihr dann vermiest) ....

    und es gibt viele Kapitalisten, die wohnen nicht nur im Ausland und zahlen dort Steuern, die betreiben ganz schlimme Gewinnmaximierung indem sie Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. ...

    Aufregen tun sich darüber doch nur die Neo-Nazis, dieses rechtsradikale Gesindel. Und wer will dazu schon gehören.? Niemand, denn wir sind doch tolerant, großzügig, sehen das nicht so eng, ......

    • kw-muc
    • 24.05.2009 um 19:27 Uhr

    Aber wir sind doch großzügig, wir haben es doch,wir sind doch nicht wie viee andere Deutsche mit einem Neid-Komplex ausgestattet.....

    Wenn Herr Beckenbauer seine Steuern (deren Spitzensteuersatz Prominente mit dem Österreichischen Finanzamt aushandeln können) in Österreich zahlt, wollen wir doch bitte berücksichtigen, daß er doch nicht der einzige ist, der so asozial ist (Geld hier verdienen und die Steuern in Österreich zahlen).

    Da gibt es einen Herrn Schumacher, einen Boris Becker, es gab einen Herrn Flick, einen Yoghurt-Müller (oder was) ...

    eine Frau Schreinemakers fuhr jeden Tag von Belgien oder Frankreich aus nach Deutschland zum Arbeiten (Herr Weigel hat es ihr dann vermiest) ....

    und es gibt viele Kapitalisten, die wohnen nicht nur im Ausland und zahlen dort Steuern, die betreiben ganz schlimme Gewinnmaximierung indem sie Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. ...

    Aufregen tun sich darüber doch nur die Neo-Nazis, dieses rechtsradikale Gesindel. Und wer will dazu schon gehören.? Niemand, denn wir sind doch tolerant, großzügig, sehen das nicht so eng, ......

    Antwort auf "Sakrileg"

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