Hessischer Kulturpreis Kritik an Koch wächst
Die SPD wirft Hessens Ministerpräsident "religiöse Überheblichkeit" vor. Auch in der CDU rumort es. Koch selbst schweigt dazu – und attackiert stattdessen Gesine Schwan
Der Generalsekretär der hessischen SPD, Michael Roth, reibt sich schadenfroh die Hände. Roland Koch ist schon seit über einem Jahrzehnt der Lieblingsgegner der hessischen Sozialdemokratie. Leidenschaftlich und routiniert zugleich arbeitet sich Roths Partei an ihm ab. Ganz gleich, ob es um Skandale der CDU geht, um umstrittene Äußerungen des Ministerpräsidenten oder um anstößige Wahlkämpfe – die hessische SPD registriert und kommentiert alles, was von Koch kommt.
Kein Wunder, dass die SPD nicht lange brauchte, um in der neusten Debatte, die in Hessen losgetreten worden ist und nun die Feuilletons der Republik beschäftigt, die Hauptschuld beim hessischen Landesvater zu suchen. "Koch ist heillos überfordert", sagt Roth im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Und weiter: "Koch zeigt eine religiöse Überheblichkeit", die unangemessen sei.
Es geht um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises. Der Preis zeichnet Religionsvertreter aus, die sich um den kulturellen Dialog verdient gemacht haben. Koch ist Vorsitzender des Kuratoriums, das am Montag entschied, vorerst überhaupt keinen Preis zu verleihen. Die Zeremonie, die ursprünglich für den 5. Juli vorgesehen war, ist auf ein unbestimmtes Datum im Herbst verschoben worden.
Nötig geworden war die Verschiebung, weil es plötzlich an Preisträgern mangelte. Eigentlich sollten vier Vertreter vier verschiedener Glaubensrichtungen geehrt werden, die sich für die interreligiöse Kooperation engagieren. Nämlich: der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, der frühere evangelische Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, Peter Steinacker, der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Salomon Korn - und: der deutsch-iranische Publizist Navid Kermani als muslimischer Vertreter.
Nur leider verhielt sich dieses interreligiöse Quartett wenig friedlich untereinander. Lehmann und Steinacker weigerten sich alsbald, gemeinsam mit Kermani ausgezeichnet zu werden. Dieser hatte sich in einem österlichen Essay in der Neuen Zürcher Zeitung abfällig über die christliche Theologie geäußert. Das Symbol des Kreuzes und die Überhöhung des Schmerzes im Christentum bezeichnete Kermani als "barbarisch". Später in dem Text äußerte er jedoch auch Verständnis für die Idee des Leidens Jesu für die gesamte Menschheit.
Die christlichen Spitzenvertreter waren dennoch pikiert. Steinacker sagt: "Noch nie hat mir ein Muslim gesagt, dass das Zentrum meines Glaubens Gotteslästerung ist."
Das Kuratorium beschloss also laut Landesregierung zunächst, in diesem Jahr von einem muslimischen Preisträger abzusehen – und löste damit einen Proteststurm aus. Der Zentralrat der Muslime bezeichnete die Reaktion der Kirchenmänner als "unreif und kindisch". Der interreligiöse Dialog werde mit Füßen getreten, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek. So funktioniere aber kein belebender, konstruktiv-kritischer Dialog.
Schließlich zog das Kuratorium am Montag die Reißleine und entschloss sich dazu, den Preis erst im Herbst zu verleihen. Zuvor solle versucht werden, die drei christlichen und jüdischen Preisträger und den muslimischen Autor Kermani zu einem Dialog zu bringen, hieß es.
Die Hauptschuld an dieser "Staatsposse" – so bezeichnet Bundestagspräsident Norbert Lammert (ebenfalls CDU) die Vorgänge in Hessen – weist die SPD nun Koch zu. "Koch hat gekuscht und Kermani düpert", sagt Roth. Kermani habe demnach erst aus den Medien erfahren, dass ihm der Preis einstweilen aberkannt worden ist. Und Koch hatte "nicht die Statur, sich den Forderungen der Kirche entgegenzustellen", sagt Roth, der selbst engagiert ist in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
- Datum 22.05.2009 - 18:22 Uhr
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Wie in den meisten Artikeln zu diesem Thema wurde wieder verschwiegen, dass statt Kermani eigentlich Fuat Sezgin für den Preis vorgesehen war - nur wollte der nicht gemeinsam mit Salomon Korn auf einer Bühne stehen. Nun möchten also Lehmann und Steinacker nicht mit Kermani zusammen den Preis verliehen bekommen - so what? Aber ehrlicher wäre es gewesen, wenn die beiden zurückgetreten wären, anstatt Kermanis Ausladung zu fordern.
Der erste Teil dieser Bänkelballade hat überhaupt nicht in den Kontext der hiesigen Rhetorik gepasst. Da der Jude, dem vorgeworfen wird, in der Öffentlichkeit zu sehr den Krieg Israels gegen die Palästinenser zu beklatschen und der natürlich nicht kritisiert werden darf. Auf der anderen Seite der Vorzeige-Muslim, der nicht mit dem Vertreter des Zentralrates auf einer Bühne stehen möchte. Oh weh, oh Schreck, zwei Lieblingskinder der liberalen Presse, die ja so etwas wie hoheitliche Deutungsrechte in Sachen Moral und Anstand ausüben möchte, können sich nicht riechen. Bis hierher schweigt man die Sache tot; kein Wort des Skandals bei der Meinungsführerschaft.
Aber dann! Was für ein Glück, dass sich der Kardinal geäußert hat. Lautes Gebrüll und Wehklagen bricht los. Egal ob ZEIT, SD, FAZ usw., plötzlich sind die Schuldigen ausgemacht: die intolerante Kirche und der MP von Hessen. Aus dem drittklassigen Aufsatz des relativ unbedeutenden Nachrückers wird plötzlich ein „kühner Artikel“, ein moralisches Feigenblatt für die Blamage.
Im Prinzip ist die Sache aber völlig ohne Bedeutung und der Kulturpreis ist auch bereits an bedeutendere Personen verliehen worden.
Der erste Teil dieser Bänkelballade hat überhaupt nicht in den Kontext der hiesigen Rhetorik gepasst. Da der Jude, dem vorgeworfen wird, in der Öffentlichkeit zu sehr den Krieg Israels gegen die Palästinenser zu beklatschen und der natürlich nicht kritisiert werden darf. Auf der anderen Seite der Vorzeige-Muslim, der nicht mit dem Vertreter des Zentralrates auf einer Bühne stehen möchte. Oh weh, oh Schreck, zwei Lieblingskinder der liberalen Presse, die ja so etwas wie hoheitliche Deutungsrechte in Sachen Moral und Anstand ausüben möchte, können sich nicht riechen. Bis hierher schweigt man die Sache tot; kein Wort des Skandals bei der Meinungsführerschaft.
Aber dann! Was für ein Glück, dass sich der Kardinal geäußert hat. Lautes Gebrüll und Wehklagen bricht los. Egal ob ZEIT, SD, FAZ usw., plötzlich sind die Schuldigen ausgemacht: die intolerante Kirche und der MP von Hessen. Aus dem drittklassigen Aufsatz des relativ unbedeutenden Nachrückers wird plötzlich ein „kühner Artikel“, ein moralisches Feigenblatt für die Blamage.
Im Prinzip ist die Sache aber völlig ohne Bedeutung und der Kulturpreis ist auch bereits an bedeutendere Personen verliehen worden.
Man kan sich eigentlich darauf verlassen, daß Roland Koch bei solchen Themen sich selbst treu bleibt, indem er nicht als gütiger, einender Landesvater, sondern als Stein des Anstoßes in Erscheinung tritt. Wie lange sich die hessische CDU noch den Luxus leisten mag, an der Spitze ein in seiner Zuverlässigkeit als Fettnapfsuchgerät unkalkulierbares Risiko zu ertragen ist noch unklar, aber Kochs Macht erodiert zusehends. Diese unsägliche Affäre ist selbst den katholischsten CDUlern nämlich einfach nur peinlich.
fällt mir schwer, Posse, Schwank, Farce, Vaudeville, wie will man diese Veranstaltung eigentlich bezeichnen? es fängt an, daß ein prädestinierter Preisträger, Sezgin, es nicht aushalten kann mit einem Frankfurter Juden im selben Raum zu sein, der die HAMAS nicht für eine Widerstandsbewegung, sondern für eine feige Bande hält, die sich wie Nagetiere beim ersten Zeichen für Gefahr in Erdlöcher verschlurft. Daraufhin fragt man sich nicht etwa ob der Preis für Toleranz und Weltläufigkeit, oder so , völlig verfehlt ist, sondern schaut sich nach dem nächsten Adabei um. Und da ist ja noch Kermani, der füllt immer mal Zeitungsspalten, also muß dös a was für den Dialog der Kulturen sein. Dummerweise hat der sich nun gerade so ausgelassen über den christlichen Glauben, wie es die so empfindsamen Mohammedaner nie ertragen würden und darauf wird die Ablehnug von Lehmann &Co. zum gräßlichen Affront gegen das "multikulturelle Zusammenleben" im Lande.
All die Burkinibefürworter sehen jetzt das finstere Mittelalter wiederauferstehen und der so tolerante Zentralrat der Muslime hält den interreligiösen Dialog für gefährdet. Dieser funktioniert ja auch von Batavia bis Casblanca ausgezeichnet, ist nur gefährdet durch christliche Fanatiker....
Der erste Teil dieser Bänkelballade hat überhaupt nicht in den Kontext der hiesigen Rhetorik gepasst. Da der Jude, dem vorgeworfen wird, in der Öffentlichkeit zu sehr den Krieg Israels gegen die Palästinenser zu beklatschen und der natürlich nicht kritisiert werden darf. Auf der anderen Seite der Vorzeige-Muslim, der nicht mit dem Vertreter des Zentralrates auf einer Bühne stehen möchte. Oh weh, oh Schreck, zwei Lieblingskinder der liberalen Presse, die ja so etwas wie hoheitliche Deutungsrechte in Sachen Moral und Anstand ausüben möchte, können sich nicht riechen. Bis hierher schweigt man die Sache tot; kein Wort des Skandals bei der Meinungsführerschaft.
Aber dann! Was für ein Glück, dass sich der Kardinal geäußert hat. Lautes Gebrüll und Wehklagen bricht los. Egal ob ZEIT, SD, FAZ usw., plötzlich sind die Schuldigen ausgemacht: die intolerante Kirche und der MP von Hessen. Aus dem drittklassigen Aufsatz des relativ unbedeutenden Nachrückers wird plötzlich ein „kühner Artikel“, ein moralisches Feigenblatt für die Blamage.
Im Prinzip ist die Sache aber völlig ohne Bedeutung und der Kulturpreis ist auch bereits an bedeutendere Personen verliehen worden.
"Der Preis zeichnet Religionsvertreter aus, die sich um den kulturellen Dialog verdient gemacht haben."
Da sollte doch der Preis an die Verfasser des Berichts über sexuellen Missbrauch und Gewalt an Kindern in (katholischen) Kinderheimen vergeben werden.
Nicht wegen des Berichtes allein, sondern weil sie damit erneut nachgewisen haben, dass Kindern in der Nähe katholischer Institutionen offensichtlich ein deutlich erhöhtes Risiko haben, sexuell missbraucht zu werden.
Die zunehmende Gewissheit untermauert zu haben, dass katholische Priester [...] ist ein wichtiger Beitrag zum kulturellen Dialog.
[Gekürzt, bitte diskutieren Sie sachlich. Wir möchten Sie außerdem bitten, auf beleidigende Pauschalaussagen zu verzichten. Danke. /Die Redaktion pt.]
Die zunehmende Gewissheit untermauert zu haben, dass katholische Priester [...] als andere Berufsgruppen, ist ein wichtiger Beitrag zum kulturellen Dialog.
Ohh ja, dabei könnte die kath. Kirche es doch so leicht haben . Sie bräuchte lediglich Kinder zu heiratsfähigen Personen erklären, den Frauen die Rechte nehmen und das ganze dann 'Kultur' nennen und schon wäre Pädophilie kein Problem mehr.
[Da der Beitrag, den Sie hier zitieren, inzwischen moderiert wurde, haben wir auch den entsprechenden Satzteil im angeführten Zitat entfernt. Wir möchten an dieser Stelle alle User bitten, zu einer sachlichen Diskussionsebene zurückzufinden. Danke. /Die Redaktion pt.]
mehr ist dazu nicht zu sagen !
Interkulturelle Kommunikation im KULTUR-Staat BRD zwischen Christen und Moslems funktioniert doch: Dass dem Orientalisten David KERMANI der Hessische Kulturpreis – ein mit 45.000 Euro dotierter Preis - in Aussicht gestellt und dann auf Intervention von Kirchenvertretern aber wieder aberkannt wurde, hat Schlagzeilen gemacht. Ein Katholik (Karl Kardinal LEHMANN), ein Protestant (Peter STEINACKER, der ehemalige Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau), ein Jude (Salomon KORN, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland) und ein Muslim (Faut SEZGIN - lehrt und forscht, auch nach seiner Emeritierung, am Frankfurter Institut für die Geschichte der Naturwissenschaften) sollten mit dem Hessischen KULTUR-Preis ausgezeichnet werden. Der hessische Ministerpräsident KOCH hatte erklärt, man würdige „das herausragende Engagement der vier Preisträger für den religionsübergreifenden Dialog in Deutschland. Seit vielen Jahren setzen sie sich für das friedliche Miteinander der drei großen abrahamitischen Weltreligionen - Christentum, Judentum und Islam - ein. Ihr Eintreten für einen respektvollen und toleranten Umgang zwischen den Glaubensgemeinschaften ist ein ermutigendes Beispiel, das weit über unsere Landesgrenzen hinaus als Vorbild dienen kann“.
Ursprünglich hatte das Kuratorium den in der Türkei geborenen Wissenschaftler Faut SEZGIN auszeichnen wollen. Dieser hat aber die Ehrung wegen angeblich einseitiger Äußerungen seines jüdischen Mitpreisträgers KORN über die Auseinandersetzung im Gaza-Streifen abgelehnt. Als SEZGIN den Preis ablehnte, hatten die Kirchenmänner LEHMANN & STEINACKER (angeblich Vorderleute einer liberalen Theologie des innerkirchlichen und interreligiösen „Dialogs“) EINSPRUCH gegen den neu ins Auge gefassten Preisträger David KERMANI erhoben. Eine Entschuldigung von Ministerpräsident Roland KOCH (CDU), der dem Preis-Kuratorium vorsteht, hatte die Opposition im Landtag gefordert, als es den beiden Kirchenmännern gelungen war, nicht zuletzt die Staatskanzlei in Wiesbaden zur Aberkennung des Preises an Kermani zu bewegen. Nach dem Kirchenmänner-Protest hatte das "Kuratorium" zunächst entschieden, den Preis nur an Lehmann, Steinacker und Korn "unter Verzicht auf Herrn Kermani zu verleihen".
Nun – nach einer Aussprache in Mainz - sind auf einmal doch alle dafür, dass auch der deutsch-iranische Schriftsteller David KERMANI den Hessischen Kulturpreis erhält. Ist damit eine skandalöse Geschichte im weitesten Sinne "glücklich" beendet?
Als die wegen eines Zeitungsartikels KERMANIs eine gemeinsame Verleihung ablehnenden LEHMANN & STEINACKER protestierten, hatte jedenfalls das Preis-Kuratorium, in dem die hessische Landesregierung vertreten ist, entschieden, KERMANI den Preis abzuerkennen. Anlass war ein Presse-Artikel von KERMANI über eine Darstellung von JESUS am Kreuz, in dem sich der Muslim negativ über das christliche Symbol des Kreuzes geäußert hat. LEHMANN & STEINACKER kritisierten eine Bildbeschreibung Kermanis, in der dieser ihrer Auffassung nach die Kreuzestheologie als "Gotteslästerung" ablehnte. Weil sich die Empörung über die Aberkennung des Preises an KERMANI nicht mehr legen wollte, verschob das Kuratorium die Vergabe schließlich auf den Herbst.
Der Hessische Kulturpreis 2009 sollte Verdienste um den Dialog zwischen den Religionen würdigen. Am Ende haben die vier (Mitpreisträger LEHMANN & STEINACKER & KORN zusammen mit KERMANI) doch einmal in Mainz im Bischofshaus miteinander sprechen können; in angeblich „sachlicher, offener und respektvoller Atmosphäre“, so in einer Erklärung. FRAGE nach der Kulturpreis-Affäre: Haben die vier Preisträger sich so den Preis auch verdient?
Die hessische Landesregierung begrüßte die Mainzer Erklärung der Preisträger am Freitag jedenfalls „außerordentlich“. „Das ist genau die Entwicklung, die wir uns erhofft hatten“, sagte ein CDU-Regierungssprecher der dpa.
Anmerkung
Siehe hierzu auch über die Kulturpreis-Staats-„POSSE“ in Hessen: http://www.myheimat.de/gl...
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