NetzsperrenMehr als 90 Prozent gegen Sperrungen im InternetSeite 2/2

Klingt etwas anders. Suggeriert es doch, dass die Sperren zwar wirksam sein mögen, die Inhalte aber immer noch im Netz sind. Das Ergebnis: Nur fünf Prozent der insgesamt 1000 Befragten sind für eine solche Lösung, mehr als 90 Prozent also lehnen Netzsperren ab.

"Die Ergebnisse der Umfrage widerlegen den Eindruck der Regierung, die Mitzeichner der Petition (und damit Gegner der Sperren, Anm. d. Red.) wären in der Minderheit", sagt Christian Bahls.

Nächste Frage Mogis: "Internetseiten mit Kinderpornographie sollten konsequent gelöscht und die Betreiber strafrechtlich verfolgt werden." Zustimmende Urteile kamen von 92 Prozent. Bei der etwas anders formulierten Kinderhilfe-Umfrage waren es, siehe unten, nur 84 Prozent.

Letzte Frage von Mogis: "Internetseiten mit Kinderpornographie sollten im Internet frei zugänglich sein, es muss jeder selbst wissen, was er sich anschaut." Ergebnis:  Nur zwei Prozent sind für diese völlige Freiheit.

Ein ähnlicher Wert fällt bei der Umfrage der Kinderhilfe viel höher aus. Die Frage dort: "Was für ein Internet bevorzugen Sie persönlich? Eines, das völlig frei ist von staatlicher Kontrolle – und damit auch kinderpornographische Inhalte enthält – oder eines, in dem vom Staat bestimmte strafbare Inhalte auch kontrolliert und gesperrt werden können?" 84 Prozent waren für Kontrolle und Sperrung, neun Prozent unterstützten die völlige Freiheit und damit indirekt auch die Verbreitung von Kinderpornografie.

Was heißt das? In erster Linie, dass suggestive Fragen nur die Meinung abbilden, die sich der Frager wünscht – nicht die, die tatsächlich existiert. So etwas kann nützlich sein, ist es aber nicht, wenn es darum geht, die Wahrheit zu finden. Die Deutsche Kinderhilfe war offensichtlich nicht an einem realistischen Meinungsbild interessiert, wie die Mogis-Umfrage belegt.

Hilfreich ist das nicht. Und bei einem so wichtigen Thema wie dem Kampf gegen Kindesmissbrauch ist Suggestion nicht nur ärgerlich. Sie kann sogar zu einem Missbrauch der Missbrauchten führen. Bahls findet außerdem, dass die Bundesregierung das Ergebnis zum Anlass nehmen sollte, "ihr Handeln zu überdenken": "Ich denke nicht, dass über eine Änderung des Telemediengesetzes das gewünschte Ziel, die Verringerung der Missbrauchszahlen, erreicht werden kann."

Update: Infratest verteidigt sich: Geschäftsführer Richard Hilmer hält die Umfragen nicht für widersprüchlich und suggestiv. Im Gegenteil, sie ergänzten sich, sagt er im Interview mit ZEIT ONLINE.

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Leserkommentare
  1. Respekt,
    hier sieht man doch mal wieder, wie unreflektiert manche Massenmedien Pressemitteilungen abdrucken.
    Danke, dass hier differenzierter berichtet wird. Es geht ja eigentlich bei dieser Umfrage auch gar nicht um das Ergebnis, sondern um den Beweis, dass ich der Bevölkerung eine Meinung aufpressen kann, wenn ich sie nur in passende Fragen verpacke.

    Ich hoffe, dass diese Ergebnisse jetzt nicht nur hier in ZeitOnline auftauchen, sondern ebenso in den Medien, die zuvor so gehorsam ein Ergebnis abgedruckt haben, ohne nach dem beauftragenden Verein zu sehen und was für Hintergründe es für diese Umfrage gibt.

    Wir müssen endlich wieder beginnen, mündige Bürger zu sein und nicht bei jedem Blödsinn unreflektiert unsere Meinung abzugeben.

    Eines habe ich schon früh gelernt. Eine Umfrage ist in den seltensten Fällen dazu da, die Meinung des Volkes zu erfragen, sondern einer bestimmten Lobby eine Zustimmung in der Bevölkerung zu verschaffen.

    "Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben."

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    Man fragt sich, wie jemand derart an einer eigentlich simplen Wirklichkeit vorbeischreiben kann - es gibt weder eine Unreflektiertheit in den Massenmedien noch gibt es irgendwelche Suggestivfragen. Und nur, weil die Zeit dies behauptet, unintelligenterweise jedoch in ihrer eigenen Darstellung das Gegenteil beweist, plappert ihr Deppen das jetzt alle nach!

    Die Ausgangsfragestellung ist völlig klar, eindeutig, unsuggestiv und korrekt. Das Ergebnis ist es ebenfalls. Die Alternativ-"Fragen" könnte man hingegen als albern bezeichnen, tatsächlich sind sie aber mit Blick auf die faschistoide Denunziation der bürgerlichen Gesellschaft, die ja das wahr Ziel dieser Faschismuswarner-Bewegung ist, kriminell.

    Es ist natürlich schlimm für euch, zu erkennen, dass ihr jetzt von den Normalos einfach mit dem Päderasten in einen Topf geschmissen werdet, aber ich weiß ja nicht, wer euch erzählt hat, dass ihr das ausgerechnet dadurch ändert, indem ihr einfach immer weitermacht. Ihr müsst aufhören, diese Maßnahmen der Bundesregierung zu denunzieren, sie wie die Wahnsinnigen zu bekämpfen, denn sie sind kein "Deckmäntelchen", sie sollen nicht perfekt, sondern lediglich ein Signal sein, die Bundesregierung will die Kindervergewaltigung und -tötung weder befördern noch beschönigen, eine Frau von der Leyen benutzt keine vergewaltigten und getöteten Kinder, um ihren Totalitarismusphantasien freien Lauf zu geben - das ist einfach nur alles völlig krank! Und nun eben auch noch mit Unterstützung der Zeit!

  2. für ihre differenzierte Betrachtung von Zusammenhängen und Umständen. Dem Gros aus Politik und Journalismus dürften derlei Spitzfindigkeiten leider bereits zu kompliziert und umständlich sein.

  3. [Gelöscht, bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. /Die Redaktion pt.]

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    ich wurde zensiert, liebe Redaktion, so abseitig fand ich meinen Kommentar eigentlich garnicht, er richtete sich nur gegen goldige kleine Hundchen und Herrn Schäuble.

    • Spider
    • 20. Mai 2009 13:04 Uhr

    Dass die Art der Fragestellung das Ergebnis beeinflusst, ist in der Markt- und Meinungsforschung tatsächlich ein alter Hut. Es gibt zahlreiche Experimente zu diesem Thema, unter anderem mit Fragen zur Wiedereinführung der Todesstrafe.

    Seriöse Marktforscher stellen Fragen daher immer neutral, seriöse Medien veröffentlichen die Fragestellung (und die Stichprobengröße) immer mit.

    Übrigens zu meinem Vorkommentator:

    Per Fragestellung "erwünschte" Antworten zu generieren entspricht nicht dem internationalen Verhaltenskodex der Branche (ESOMAR-Richtlinien), die da in Artikel 1 sagen:

    "Marktforschung muss legal, redlich, wahrheitsgemäß und objektiv sein und in Übereinstimmung mit angemessenen wissenschaftlichen Prinzipien durchgeführt werden"

    http://www.esomar.org/upl...

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    ...und sagen. sowas weiß jedes kind. ich ich denke auch dass keine frage (auch nicht von forsa oder emnid etc) völlig neutral ist.

  4. Ein großes Dankeschön an MOGIS für die Aktion und an die ZEIT für die Berichterstattung darüber. Wir haben in der Vergangenheit leider lernen müssen, dass das nicht selbstverständlich ist. Es ist entlarvend, mit welchen plumpen Methoden die Regierung hier vorgeht. Jeder der sich mit dem Thema auskennt weiß: der Vorwand es ginge um die Bekämpfung von Kinderpornografie ist schlicht nie haltbar gewesen. Es geht um die Sperrung anderer Seiten. Glücksspiel, Urheberrechtsverletzungen, politischer Extremismus. Nur hätten die Leute bei den Themen gefragt warum denn eine Netzsperre sein muss.

    www.netreaper.net

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    Hallo NerReaper,

    wenn jemand meint, eine Familienministerin mit fünf Kindern wolle mit den hier in Rede stehenden Maßnahmen vergewaltigte und getötete Kinder nicht bekämpfen, sondern stattdessen quasi benutzen, um den Totalitarismus Vorschub zu leisten, dann ist eine solche Weltsicht schlicht krank.

    Wenn Sie das ernst meinen gehören Sie meines Erachtens ganz demokratisch und rechtsstaatlich unter die Beobachtung des Verfassungschutzes.

    Beste Grüße
    P.

    • ohopp
    • 20. Mai 2009 13:12 Uhr

    der auch Infos von sich nicht den Mainstream anbiedernden Gruppen beinhaltet.

    Ich hoffe, die Zeit findet zu alter Ausgewogenheit und Regierungsferne zurück, dann keimt vielleicht wieder das Kaufargument.

  5. ...dass das hier endlich zu einem Konsens wird und alle sich freuen. aber wer liest ZEIT Online? Hauptsächlich die "Internetgemeinde". In der ZEIT habe ich so einen Artikel noch nicht gesehen, aber dort sollte er hingehören. Print ist immer noch das wichtigere Medium - damit lassen sich Massen erreichen. Also wieso wird sowas nicht gedruckt? Stattdessen druckt man irgend einen Unsinn der völlig belanglos ist.

  6. ...und sagen. sowas weiß jedes kind. ich ich denke auch dass keine frage (auch nicht von forsa oder emnid etc) völlig neutral ist.

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