Atomstreit Ostasiens Furcht vor einem kollabierenden Nordkorea
Obwohl Pjöngjang mit Krieg droht, wollen seine Nachbarn vorerst nicht am Status quo rütteln: Es gibt Schlimmeres als eine Atommacht Nordkorea unter Diktator Kim

© JUNG YEON-JE/AFP/Getty Image
Unterdrückt sein Volk und provoziert die internationale Gemeinschaft: Nordkoreas Diktator Kim Jong Il
Diktator Kim Jong Il interessiert sich wenig für das Wohl der Menschen in seinem Land. Er lässt sich "geliebter Führer" nennen und hält sein Volk mit einem zynischen Personenkult in Schach. Kims ganze Konzentration ist nach außen gerichtet. Seit Jahren treibt er seine strategischen Spiele, die er mit dem simplen Satz auf den Punkt bringt: "Ohne Süßigkeiten kann man leben, ohne Waffen nicht."
Keiner Nation, keinem Regierungschef ist es bisher gelungen, den Mann, der sein Leben lang im Schatten seines großen Vaters stand, zur Vernunft zu bringen. Im Gegenteil, mit einem Atomtest am Montag, ein paar Raketenstarts und einer Kriegsdrohung gegen Südkorea hat er mal wieder die Weltöffentlichkeit alarmiert.
US-Präsident Georg W. Bush hatte Nordkorea seinerzeit erst gedroht und am Ende seiner Amtszeit eingelenkt. Sein Nachfolger Barack Obama hat Kim vor einigen Wochen direkte Gespräche auf hoher Ebene angeboten. Die Chinesen versuchen seit Jahren, Kim zu besänftigen: ein schwieriger Nachbar mit langer gemeinsamer Geschichte, doch am Ende weder Freund noch Feind. Die Südkoreaner wiederum haben es mit einem Gipfeltreffen in Pjöngjang probiert, das sie sich mit Wirtschaftshilfen in Millionenhöhe erkauft haben. Ohne Erfolg. Die Russen haben hinter den Kulissen agiert, und die Japaner wollen seit Jahren verhindern, dass sie das erste Opfer einer nordkoreanischen Aggression werden.
Es hat alles nicht funktioniert. Denn die gewaltige Portion Realismus, die in dem Diktator steckt, sagt ihm, dass er sich in einer vergleichsweise sicheren Lage befindet.
Dass der UN-Sicherheitsrat und die USA sein Vorgehen verurteilen, stört ihn wenig. Die scheinbare Einigkeit der Welt wird Kim weniger erschreckt haben, als wir uns das wünschen. Kim weiß es besser und die Regierungschefs seiner Nachbarn wohl auch. So groß ihre publizierte Beunruhigung auch sein mag, sie können sich durchaus noch unangenehmere Varianten vorstellen als eine Atommacht Nordkorea unter Kim.
Schlimmer wäre ein führungsloses Nordkorea, das womöglich kollabiert.
Das versucht vor allem Peking zu verhindern. Selbst wenn nach dem Zusammenbruch am Ende eine Wiedervereinigung stünde, wäre das einer großen Gruppe in der chinesischen Führung nicht recht. Denn dann würden amerikanische Truppen direkt an der chinesischen Grenze stehen. Auch für die Russen ist die gegenwärtige Lage das geringere Übel. Der russische Präsident Dimitrij Medwedew hat genug Unruhe an seinen langen Grenzen, und kein Interesse an implodierenden Nachbarn in seinem Hintergarten. Die wirtschaftlich geschwächten Japaner wollen ebenfalls kein starkes, gar wiedervereinigtes Korea.
- Datum 27.05.2009 - 17:43 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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in einem Beitrag gleich zwei grotesk ins Auge stechende Fehler:
1. Der Mann auf dem Foto ist definitiv nicht Kim Jong Il.
2. Putin ist nicht Präsident der Russischen Föderation.
Bitte korrigieren.
Der russische Präsident Wladimir Putin?
(Anmerkung: Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion/jk)
Was man nicht alles durch aufmersames Lesen von Bildunterschriften lernen kann: Da war der Diktator also im März in China - und so krank sieht er auf dem Foto gar nicht aus!
Oder sollte es sich dabei doch nicht um Kim Jong-il, den "geliebten Führer", sondern um Kim Yong-il, den Premier Nordkoreas gehandelt haben? Aber eine so eklatante Verwechslung kann der ZEIT doch nicht unterlaufen sein...
auch die Zeitredaktion muss sparen. Ein paar minderbezahlte Journalismusstudenten auf Praktikantenbasis als Schreiberlinge beschäftigen ist ja eigentlich nichts verwerfliches, die Industrie macht es seit Jahren mit diplomierten Akademikern ja nicht anders. Allerdings könnte man es nochmal prüfen...vor der Veröffentlichung :-).
One world, one love!
Liebe Leserinnen und Leser, Nordkoreas Staatschef Kim war 2006 in China, der zuvor gezeigte war jedoch Nordkoreas Premier Kim drei Jahre später in Peking. Das Foto ist ausgetauscht, Vielen Dank für die Hinweise! Herzlich, Steffen Richter, ZEIT ONLINE
Und zwar zur Gänze.....denke kaum, daß die Machtverhältnisse und Gleichgewichtsüberlegungen so sind, wie sie dargestellt werden.
wenn Sie "implodieren" schreiben ? Die DDR ist 1989/90 auch "implodiert" - und wenn das Ausland angeblich jetzt schon 1/3 der Bevölkerung Nordkoreas auf Dauer ernährt, dann wird man wohl auch den Rest für eine nach der Befreiung begrenzte Zeit ernähren können - wenn man sich damit das Verschwinden eines militärischen Brandherdes erkauft.
"Realist" wäre Kim Jong-Il. wenn er versuchte, sein Land durch die notwendigen und unausweichlichen Reformen zu stabilisieren, anstatt den Kollaps immer weiter hinauszuzögern, so dass er nur immer schlimmer werden kann nach dem Motto: "nach uns die Sindflut".
So ist er nur ein "Realist" vom Typ der Honecker, Krenz usw.
Hinterher freilich - denn auch dieses Regime wird scheitern - wird man wieder den moralischen Zeigefinger erheben, die Geschichte "aufarbeiten" und jeden beschuldigen, der in irgendeiner Form mit dem Regime zusammengearbeitet hat ...
"Die wirtschaftlich geschwächten Japaner wollen ebenfalls kein starkes, gar wiedervereinigtes Korea.
Und selbst die Südkoreaner befürchten, dass sie sich eine Wiedervereinigung nicht leisten können und die Last die gesamte koreanische Halbinsel in Schwierigkeiten bringt."
Ehm? Was soll das denn? Japan fuerchtet ein erstarktes Korea, wenn sich die beiden Teile wiedervereinen? Der Autor hat doch (einen Satz spaeter!) selbst erkannt, welche eklatanten Kosten dann auf Nordkorea zukaemen. Nein, Korea wuerde auf mittelfristige Sicht sicher nicht staerker werden. Wir reden hier von einem Zusammenschluss eines Dritte-Welt-Landes mit einem Erste-Welt-Land.
Ich denke, einen der wichtigsten Gruende, warum vor allem China und Suedkorea stillhalten, konstituieren die, auch im Text am Rande angesprochenen, zu erwartenden Fluechtlingsheere, mit denen sich vor allem China nicht belasten will. Diesen Punkt haette man staerker gewichten sollen.
Schoene Gruesse aus Tokyo,
Lori
Japan und China fürchten zurecht ein erstarktes Korea, wenn sich die beiden Staaten Koreas wiedervereinen.
Im Gegensatz zu Mitteleuropa, wo der Nationalismus eher aus der Mode gekommen ist, erlebt der Nationalismus in Ostasien gerade eine Renaissance.Und man darf annehmen, dass ein Erstarken des nationalen Selbstbewusstseins der Koreaner durch die Wiedervereinigung den koreanischen Nationalismus nur stärken würde.
Das dürfte Japan sehr beunruhigen, denn seit jeher gibt es da heftige Grenzstreitigkeiten zwischen Südkorea und Japan um die Liancourt-Felsen.Südkorea allein ist schon eine Militärmacht in Ostasien, geschweige denn ein wiedervereinigtes Korea.Auf lange Sicht könnte die koreanische Wirtschaft von der Wiedervereinigung viel profitieren.Eine Wiedereinigung hat nun mal langfristige Wirkungen auf die koreanische Nation.
Sicher wird es im Falle eines Zusammenbruchs des nordkoreanischen Regimes Flüchtlingsheere geben.Falls dies geschieht, wird Südkorea die Kontrolle über Nordkorea übernehmen.Wenn die Wiedervereinigung Koreas dann zustande käme, würde der nordkoreanische Flüchtlingsstrom nach China aufhören. Wahrscheinlich werden die vielen hunderttausenden nordkoreanischen Flüchtlinge in China nach Korea zurückkehren.Es ist ein schlimmes Leben, welches die nordkoreanischen Flüchtlinge in China führen.Viele mussten Sklavenarbeit für die Chinesen verrichten [1] und ständig mussten sie sich davor fürchten von den chinesischen Behörden entdeckt und nach Nordkorea zurückgeschickt zu werden.Die chinesischen Behörden kennen diesbezüglich keine Hemmungen.Bereits viele nordkoreanische Flüchtlinge sind auf diese Weise zu Tode gekommen.[2]
China will auf jeden Fall das nordkoreanische Regime aufrechterhalten.China, welches die USA und deren Verbündeten in Ostasien als potentielle Gegner sieht, will eine Pufferzone vor seiner Grenze haben.Das wird nicht nur die Südkoreanische Militärmacht und die ameriknaischen Truppen auf der Halbinsel eingrenzen, sondern auch China ein wirkungsvolles Verhandlungsmittel verschaffen, die USA davor abzuhalten, weiter hochwertige Waffen an Taiwan zu verkaufen, zumal Amerika China bei der Korea-Frage dringend braucht.
[1]
http://www.voanews.com/en...
[2]
http://lateline.muzi.net/...
Japan und China fürchten zurecht ein erstarktes Korea, wenn sich die beiden Staaten Koreas wiedervereinen.
Im Gegensatz zu Mitteleuropa, wo der Nationalismus eher aus der Mode gekommen ist, erlebt der Nationalismus in Ostasien gerade eine Renaissance.Und man darf annehmen, dass ein Erstarken des nationalen Selbstbewusstseins der Koreaner durch die Wiedervereinigung den koreanischen Nationalismus nur stärken würde.
Das dürfte Japan sehr beunruhigen, denn seit jeher gibt es da heftige Grenzstreitigkeiten zwischen Südkorea und Japan um die Liancourt-Felsen.Südkorea allein ist schon eine Militärmacht in Ostasien, geschweige denn ein wiedervereinigtes Korea.Auf lange Sicht könnte die koreanische Wirtschaft von der Wiedervereinigung viel profitieren.Eine Wiedereinigung hat nun mal langfristige Wirkungen auf die koreanische Nation.
Sicher wird es im Falle eines Zusammenbruchs des nordkoreanischen Regimes Flüchtlingsheere geben.Falls dies geschieht, wird Südkorea die Kontrolle über Nordkorea übernehmen.Wenn die Wiedervereinigung Koreas dann zustande käme, würde der nordkoreanische Flüchtlingsstrom nach China aufhören. Wahrscheinlich werden die vielen hunderttausenden nordkoreanischen Flüchtlinge in China nach Korea zurückkehren.Es ist ein schlimmes Leben, welches die nordkoreanischen Flüchtlinge in China führen.Viele mussten Sklavenarbeit für die Chinesen verrichten [1] und ständig mussten sie sich davor fürchten von den chinesischen Behörden entdeckt und nach Nordkorea zurückgeschickt zu werden.Die chinesischen Behörden kennen diesbezüglich keine Hemmungen.Bereits viele nordkoreanische Flüchtlinge sind auf diese Weise zu Tode gekommen.[2]
China will auf jeden Fall das nordkoreanische Regime aufrechterhalten.China, welches die USA und deren Verbündeten in Ostasien als potentielle Gegner sieht, will eine Pufferzone vor seiner Grenze haben.Das wird nicht nur die Südkoreanische Militärmacht und die ameriknaischen Truppen auf der Halbinsel eingrenzen, sondern auch China ein wirkungsvolles Verhandlungsmittel verschaffen, die USA davor abzuhalten, weiter hochwertige Waffen an Taiwan zu verkaufen, zumal Amerika China bei der Korea-Frage dringend braucht.
[1]
http://www.voanews.com/en...
[2]
http://lateline.muzi.net/...
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