Tod von Benno Ohnesorg "Die Stasi wollte die Proteste anheizen"

Wie müssen die neuen Erkenntnisse zu Ohnesorgs Tod bewertet werden? Historiker Knabe über den Einfluss der DDR-Spionage auf die Studentenbewegung.

Frage: Herr Knabe, wird sich etwas an der Beurteilung deutscher Geschichte ändern, weil der Todesschütze Benno Ohnesorgs für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet hat?

Hubertus Knabe: Zunächst macht dieser Fall deutlich, dass die Staatssicherheit im Westen sehr aktiv war, besonders in den Sicherheitsbehörden. Gerade die West-Berliner Polizei hat sie mit Agenten durchdrungen.

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Frage: Der Todesschütze Karl-Heinz Kurras bestreitet seine Mitarbeit bei der Stasi, was halten Sie davon?

Knabe: Die Stasi hat keine Märchenstunde veranstaltet, wenn sie ihr Akten geschrieben hat. Es besteht deshalb kein Grund zur Annahme, dass es nicht so gewesen ist.

Frage: Wie groß war der Einfluss der Stasi in der Bundesrepublik wirklich?

Knabe: Informationen aus dem Sicherheitsregime waren für die DDR von großem Interesse, zum einen für Planungen für eine Besetzung West-Berlins, aber auch zur Sicherung der eigenen Agenten. Für die Studentenbewegung ist noch ein anderer Aspekt von Bedeutung: In der Außerparlamentarischen Opposition hatte die Stasi eine ganze Reihe von Agenten. Die sollten helfen, die Proteste anzuheizen, insbesondere die Anti-Springer-Kampagne.

Frage: Was hätten damals die Folgen sein können, wenn Kurras’ Hintergrund bekannt geworden wäre?

Knabe: Die Feindbilder der 68er hätten so nicht funktioniert. Die Proteste zogen eine wesentliche Kraft daraus, dass hier ein unschuldiger Student von der Polizei des Klassenstaats kaltblütig erschossen wurde. Für diese Interpretation wäre kein Platz mehr gewesen. Das Leben im geteilten Berlin war eben sehr viel komplizierter, als die 68er dachten.

Frage: Was hätte das für die Sicht auf die DDR bedeutet?

Knabe: Vielleicht hätte es zum Eindruck geführt, dass die DDR dahinter steckt, um die Proteste anzuheizen – wie übrigens beim Anschlag auf Rudi Dutschke, den ein ehemaliger DDR-Bürger verübt hatte. Der Tod Ohnesorgs wurde von der DDR propagandistisch massiv ausgeschlachtet. Als sein Leichnam nach Westdeutschland überführt wurde, stand die FDJ Spalier. Trotzdem ist eine direkte Einwirkung der Stasi unwahrscheinlich, weil das Ereignis kaum planbar war. Kurras wusste am Morgen sicher noch nicht, dass er am Abend einen Studenten erschießen würde.

Frage: Was rückt der Fall Kurras nun zurecht?

Knabe: Ohnesorgs Tod ist für viele 68er bis heute ein Mythos, ein Schüsselerlebnis. Das steht nun in einem anderen Licht da. Erhebliche Teile der westdeutschen Linken haben zudem geglaubt, die DDR sei der bessere deutsche Staat und ignoriert, dass es sich um eine brutale Diktatur handelte.

Frage: Warum kommt der Fall nun erst ans Licht?

Knabe: Mich irritiert, dass diese Akten offenbar zufällig gefunden wurden. Das dürfte so lange nach Gründung der Birthler-Behörde nicht passieren. Und es ist sicher nicht der letzte Zufallsfund. Es gibt noch 16 000 Säcke mit zerrissenen Akten, die nicht zusammengesetzt werden, obwohl die Technik da ist. Die Akten der Spionageauswertung sind aber größtenteils vernichtet worden. Viele wichtige Vorgänge sind deshalb unwiederbringlich verloren.

Frage: Was ist dadurch verpasst worden?

Knabe: Man hätte das Thema Stasi gesamtdeutscher diskutiert, wenn die Akten von soundsovielen Bundestagsabgeordneten, Gewerkschaftsfunktionären oder Kirchenleuten nicht vernichtet worden wären. Und wir hätten mehr Prozesse gehabt, weil es im Westen eine Straftat war, für die Stasi zu arbeiten. Es gab und gibt jedoch eine große Neigung im Westen, die Vergangenheit ruhen zu lassen. 90 Prozent aller Verfahren gegen westdeutsche Stasi-IMs sind eingestellt worden.

Frage: Ist der Fall Kurras ein guter Anlass, um neu zu diskutieren?

Knabe: Nicht nur, um zu diskutieren, sondern um diese Dinge endlich aufzuarbeiten. Mir ist keine Studie zur Durchdringung der westdeutschen Gewerkschaften durch die Stasi bekannt. Der Bundestag weigert sich nach wie vor, seine Vergangenheit zu beleuchten. Ich habe den Fraktionschefs vorgeschlagen, die Stasi-Einflussnahmen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Doch aus der großen Koalition erhielt ich ablehnende Antworten mit nicht nachvollziehbaren juristischen Argumenten.

Frage: Was erwarten Sie von einer Aufarbeitung?

Knabe: Es wäre doch interessant, was sich zum Beispiel in der SPD an Agenten getummelt hat. Da sind bei Parteitagen ganze Anträge von der Stasi initiiert worden, etwa gegen die Nachrüstung. Oder die Rolle der Stasi bei der Ostpolitik. Durch sie bekam die DDR-Führung doch die ersehnte Anerkennung für ihre Diktatur. Da haben Agenten eine wichtige Rolle gespielt. Vielleicht ist die Zeit jetzt reif, diese Zusammenhänge genauer zu erforschen.

Das Gespräch führte Friedhard Teuffel.

Hubertus Knabe, geboren 1959 in Unna, ist Historiker und Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Bekannt wurde er durch Veröffentlichungen zur Arbeit der Stasi im Westen.

 
Leser-Kommentare
  1. ...Herr Köhler schön in seine aktuelle Rede einbauen können.

  2. ...es wäre einmal interessant, was die Stasi so von den Kanther-Wittgenstein-Kohl'schen Schwarzgeldkonten der sogenannten 'Stiftung Zaunkönig' in Liechtenstein wusste und inwiefern dies alles im Zusammenhang mit den Strauss'schen Milliardenzahlungen ohne offizielle Gegenleistung an die DDR-Führung steht. War die Regierung Kohl in den 80er Jahren nicht nur erpressbar, sondern wurde von der DDR erpresst? Es wurde immer beteuert, nur die innere Kreis - also Leisler-Kiep, Helmut Kohl, Manfred Kanther und von Wittgenstein hätten davon gewusst; ich gehe aber einmal davon aus, dass genau diese Herren sehr intensiv von der Stasi abgehört und ausgespäht wurden. Und man wird fein gezahlt haben, denn eine von der Stasi in den Westmedien lancierte Kampagne hätte für alle - inklusive Franz-Josef Strauß das Ende bedeutet.

  3. ...keine Wahlkampfthemen mehr,
    ...keine Schuldigen am Versagen deutscher Innen- und Außenpolitik in den 60-er Jahren,
    ...keine Mauertoten,
    ...keine Unfalltoten,
    ...keine umfassende Geschichtsaufbearbeitung nach 1945

    und schon gar keine deutsche Einheit(?).

    Ja, die Stasi mit ihren Repressalien war es doch, die die Menschen aus dem Osten vertrieben hat - nicht die D-Mark(?).

    Die Stasi ist auch daran Schuld, dass es heute so viele Arbeitslose im Osten gibt(?).

    Also wenn Sie mich fragen, dieses ganze "Affentheater" der geschichtlichen Aufarbeitung hängt dem Otto-Normalbürger aus dem Osten schon lange zum Halse heraus.
    Die Jugend, die kurz vor der Wende und danach geboren wurde, interessiert dieses Theater überhaupt nicht mehr.
    Die haben ganz andere Sorgen - nämlich die Sorge um den Arbeitsplatz und die Sorge darum, dass in Deutschland jeder "Neonazi" unter "Artenschutz" gestellt wird.

    Ich denke, der Vorfall ist nicht erst seit heute bekannt, sondern wurde bewusst zurück gehalten und auf die aktuellen Ereignisse abgestimmt.

    Es werden wieder Hypothesen aufgestellt, Zeugen vernommen, indes der neu aufgerollte Prozess wegen Verhandlungsunfähigkeit des bereits rechtskräftig verurteilten Mörders eingestellt wird.

    Hauptsache es wird erst mal wieder kräftig auf den Putz geklopft!

    Wieso stellen wir uns nicht einfach die Frage:

    Warum wurde damals soviel von Seiten der bundesdeutschen Justizorgane vertuscht, falsch oder unvollständig ermittelt?

    Man könnte den Eindruck bekommen, die Stasi war Schuld, weil sie die Polizisten, Staatsanwaltschaft und Richter gleich mit "geschmiert" hat.

    Wenn das nicht der Fall war:
    Welches Desinteresse an der vollständigen Aufklärung dieses Mordes lag dann seitens der Bundesrepublik Deutschland vor - wo wir Deutschen doch sonst so gründlich sind - auch nach fast 50 Jahren!?!

    Mit Sicherheit werden mich jetzt einige Leser verteufeln. Denen möchte ich nur sagen, dass auch ich nicht gerade ein "linientreuer" DDR-Bürger war.
    Aber irgendwann muss doch endlich damit Schluss sein, die DDR-Vergangenheit zu Wahlkampfzwecken auszuschlachten. Das ist keine Geschichtsaufbearbeitung - das ist schlichtweg politische Dummheit, die ein Volk nur spaltet anstatt es zu vereinen.

    DER KALTE KRIEG IST LÄNGST VORBEI!!!

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    • ohopp
    • 23.05.2009 um 11:45 Uhr

    nur leider wird die Aufarbeitung tendenziös betrieben. Und das stört viele Ostdeutsche. Das systemstabilisierende Wirken von z.B. Merkel und Althaus wird ins Gegenteil verkehrt und wer im Osten gelebt hat, dem ist klar, dass es über beide umfangreiches Stasimaterial geben muss.

    • ohopp
    • 23.05.2009 um 11:45 Uhr

    nur leider wird die Aufarbeitung tendenziös betrieben. Und das stört viele Ostdeutsche. Das systemstabilisierende Wirken von z.B. Merkel und Althaus wird ins Gegenteil verkehrt und wer im Osten gelebt hat, dem ist klar, dass es über beide umfangreiches Stasimaterial geben muss.

    • ohopp
    • 23.05.2009 um 11:45 Uhr

    nur leider wird die Aufarbeitung tendenziös betrieben. Und das stört viele Ostdeutsche. Das systemstabilisierende Wirken von z.B. Merkel und Althaus wird ins Gegenteil verkehrt und wer im Osten gelebt hat, dem ist klar, dass es über beide umfangreiches Stasimaterial geben muss.

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    Sie stört nicht nur all jene Ost- und Westdeutschen, die nicht wöchentlich die verbalen "Schlammschlachten" von Schnitzler und Löwenthal in ihr geistiges Eigentum integrierten.

    Auch die West-Deutschen, die allein von sich aus bemüht sind, den Dialog mit den Ost-Deutschen zu führen, sind es Leid, dass dauernd nur die Deutsche Geschichte (Ost) mit ihren Fehlern analysiert wird - die Geschichtsschreiber darüber hinaus aber vergessen, dass in Deutschland (West) nach dem Krieg auch nicht alles aus Gold bestand, was da so glänzte.

    Ganz nach der Art der Siegermentalität wird der einst (politische) Gegner solange getreten bis er (vielleicht) endgültig besiegt ist.

    Den Schaden haben aber all jene, die wirklich vernünftig miteinander umgehen möchten, weil sie es wollen.
    Stattdessen wird weiter Hass und Irrglaube geschürt, nur um von den eigenen Problemen in diesem Land abzulenken.

    Oder finden Sie es alle normal, dass die Arbeitgeber ihre Angestellten schamlos ausspionieren können?

    Das Wort "Datenschutz" ist doch schon lange eine Lachnummer.

    Natürlich kann jeder in diesem Land "frei" seine Meinung äußern - auch im Internet.
    Aber wehe, der Chef bekommt das mit - dann ist Schluss mit lustig.

    Auf den Delinquenten wartet dann nicht "Bautzen" sondern "Hartz IV"!

    Sie stört nicht nur all jene Ost- und Westdeutschen, die nicht wöchentlich die verbalen "Schlammschlachten" von Schnitzler und Löwenthal in ihr geistiges Eigentum integrierten.

    Auch die West-Deutschen, die allein von sich aus bemüht sind, den Dialog mit den Ost-Deutschen zu führen, sind es Leid, dass dauernd nur die Deutsche Geschichte (Ost) mit ihren Fehlern analysiert wird - die Geschichtsschreiber darüber hinaus aber vergessen, dass in Deutschland (West) nach dem Krieg auch nicht alles aus Gold bestand, was da so glänzte.

    Ganz nach der Art der Siegermentalität wird der einst (politische) Gegner solange getreten bis er (vielleicht) endgültig besiegt ist.

    Den Schaden haben aber all jene, die wirklich vernünftig miteinander umgehen möchten, weil sie es wollen.
    Stattdessen wird weiter Hass und Irrglaube geschürt, nur um von den eigenen Problemen in diesem Land abzulenken.

    Oder finden Sie es alle normal, dass die Arbeitgeber ihre Angestellten schamlos ausspionieren können?

    Das Wort "Datenschutz" ist doch schon lange eine Lachnummer.

    Natürlich kann jeder in diesem Land "frei" seine Meinung äußern - auch im Internet.
    Aber wehe, der Chef bekommt das mit - dann ist Schluss mit lustig.

    Auf den Delinquenten wartet dann nicht "Bautzen" sondern "Hartz IV"!

  4. Soviel angst vor einer rot-rot-grünen mehrheit? Ja denn verwechselt weiter die staatskapitalistischenn statten des ehemaligen wp mit linker politik und fallt wie schon die ostmehrheit zu kohls zeiten auf bonzen und deren büttel rein-ihr werdet dafür bezahlen müssen...

  5. Wes Geistes Kind dieser Möchtegernhistoriker ist, beweist sein Aussage am Schluß dieses triefenden Interviews:

    Wie steht dort geschrieben?

    Frage: Was erwarten Sie von einer Aufarbeitung?

    Knabe: Es wäre doch interessant, was sich zum Beispiel in der SPD an Agenten getummelt hat. Da sind bei Parteitagen ganze Anträge von der Stasi initiiert worden, etwa gegen die Nachrüstung. Oder die Rolle der Stasi bei der Ostpolitik. Durch sie bekam die DDR-Führung doch die ersehnte Anerkennung für ihre Diktatur. Da haben Agenten eine wichtige Rolle gespielt. Vielleicht ist die Zeit jetzt reif, diese Zusammenhänge genauer zu erforschen.

    Nimmt diesen Schwachsinn wörtlich, gewichtet und wertet ihn, dann kommt man schlußendlich zu dem Ergebnis, die Stasi hat aktiv den Untergang der DDR und ihrer selbst betrieben. Denn gerade die Ostpolitik leitete ja den schleichenden Untergang des Ostblocks, einschließlich der DDR ein.

    Solch eine steile These muss man erst einmal unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaftlichkeit herausposaunen.

    Folgt man dieser These aber weiter, dann allerdings müßte hinter dieser "Friedlichen Revolution 89" folgerichtig auch die Stasi gestanden haben, weil sie erkannt hatte, so kann es in der DDR nicht weitergehen und sie ihr zersetzendes Werk nur in einem vereinigten Deutschland fortsetzen und zum Erfolg führen könne. Fei nach dem Motto - "WENN ES IM KLEINEN NICHT GELINGT, DANN ABER IM GROßEN UND GANZEN DEUTSCHLAND" -

    Nur so lassen sich einige Bücher dieses Herren Knabe erklären.

    Übrigens, läßt man noch einmal die Präsentation dieser Erkenntnis durch diesen anderen Historiker - speziell die zur Schau gestellte Erschrockenheit - auf sich wirken, müßten einem gewisse Ähnlichkeiten mit der Präsentation der "Hitler-Tagebücher" aufgefallen sein.

    Also kurzum. Hier will jemand die Ostpolitik der "sozial/liberalen Koalition", der Regierung Brandt/Scheel/Bahr/Flach diskreditieren, desavouieren.

    Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Es reicht die Sozialdemokraten mit der Stasi in Verbindung zu bringen, als deren Handlanger darzustellen und schon ist der Ring zur LINKEN geschlossen.

    Und darum geht es doch wohl in dieser Zeit der großen Krise eines so überlegenen Systems!

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    eigentlich von der Sache selbst her, vom Ausplaudern einer gedankenverbrecherisch tabuisierten Wahrheit (daß nämlich für die Ränder gilt: rot=braun) oder ist sie das notwendige Ergebnis des völlig gescheiterten Selbstbetrugsversuchs, an den eigenen, liebgewonenen Illusionen (SPD+Grüne+SED= per definitionem "gut") weiterhin festzuhalten?

    eigentlich von der Sache selbst her, vom Ausplaudern einer gedankenverbrecherisch tabuisierten Wahrheit (daß nämlich für die Ränder gilt: rot=braun) oder ist sie das notwendige Ergebnis des völlig gescheiterten Selbstbetrugsversuchs, an den eigenen, liebgewonenen Illusionen (SPD+Grüne+SED= per definitionem "gut") weiterhin festzuhalten?

  6. eigentlich von der Sache selbst her, vom Ausplaudern einer gedankenverbrecherisch tabuisierten Wahrheit (daß nämlich für die Ränder gilt: rot=braun) oder ist sie das notwendige Ergebnis des völlig gescheiterten Selbstbetrugsversuchs, an den eigenen, liebgewonenen Illusionen (SPD+Grüne+SED= per definitionem "gut") weiterhin festzuhalten?

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    • inuit
    • 23.05.2009 um 15:27 Uhr

    ...für viele zeitgenossen, denn mit dreien fängt wohl die überforderung an.
    dieses möchte ich ihnen beileibe nicht unterstellen, ich traue ihnen sehr viel mehr zu.
    ich denke mal, dass auch ihnen die tatsache bewusst ist, nämlich der versuch politische gesinnung in einem zweipoligen schema darzustellen sehr sehr unbefriedigende ergebnisse liefert.

    nur mal am rande zu meiner person:
    in meiner damaligen abi-geschichtsklausur (1988) habe ich vehement gegen den sowjetimperialismus polemisiert, obwohl (oder eben drumm) ich damals als ziemlich linker anarchist galt.

    deshalb sei die frage erlaubt:

    rot=braun, ist diese gleichung der versuch, der guten mitte den wahrscheinlich bösen extremismus in einer einheit gegenüberzustellen?

    es mag ja sein, dass sich der stalinismus sehr wohl als totalitäres regime hervortat und damit in vielen dingen vergleichbar mit dem ns-regime war.
    man sollte aber auch bedenken, dass noch zu sowjetzeiten lange vor glasnost eine distanzierung zu diesem totalitarismus stattfand und nicht alle linken imwesten, ob rot oder schwarz (nicht das schwarz der union,-), waren auf moskaukurs.

    diese starke vereinfachung, alles an kritik jenseits der mitte in einen topf zu packen, erinnert mich irgendwie an wahlkampfpolemik....

    ohh, wir haben ja wieder wahlkampf!!!!!!

    • inuit
    • 23.05.2009 um 15:27 Uhr

    ...für viele zeitgenossen, denn mit dreien fängt wohl die überforderung an.
    dieses möchte ich ihnen beileibe nicht unterstellen, ich traue ihnen sehr viel mehr zu.
    ich denke mal, dass auch ihnen die tatsache bewusst ist, nämlich der versuch politische gesinnung in einem zweipoligen schema darzustellen sehr sehr unbefriedigende ergebnisse liefert.

    nur mal am rande zu meiner person:
    in meiner damaligen abi-geschichtsklausur (1988) habe ich vehement gegen den sowjetimperialismus polemisiert, obwohl (oder eben drumm) ich damals als ziemlich linker anarchist galt.

    deshalb sei die frage erlaubt:

    rot=braun, ist diese gleichung der versuch, der guten mitte den wahrscheinlich bösen extremismus in einer einheit gegenüberzustellen?

    es mag ja sein, dass sich der stalinismus sehr wohl als totalitäres regime hervortat und damit in vielen dingen vergleichbar mit dem ns-regime war.
    man sollte aber auch bedenken, dass noch zu sowjetzeiten lange vor glasnost eine distanzierung zu diesem totalitarismus stattfand und nicht alle linken imwesten, ob rot oder schwarz (nicht das schwarz der union,-), waren auf moskaukurs.

    diese starke vereinfachung, alles an kritik jenseits der mitte in einen topf zu packen, erinnert mich irgendwie an wahlkampfpolemik....

    ohh, wir haben ja wieder wahlkampf!!!!!!

  7. ist es, zu behaupten, die Proteste der 60ger Jahre wären praktisch von Provokateuren aus der Stasi gesteuert gewesen. Was die Leute damals bedenklich gemacht hat, war doch nicht so sehr der Tod von Ohnesorg, das eine Waffe versehentlich losgehen kann, sieht jeder ein, das wirklich gnadenlose Schauspiel war doch der zweifache Freispruch erster Klasse für Kurras, den bekennenden Revolverhelden, sogar von einer läppischen Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Möchte der begabte Herr Knabe vieleicht auch noch behaupten, das die Gerichte damals von der Stasi angestiftet wurden, eine Rechtsbeugung und Scheinprozesse hinzulegen, die jeder Bananenrepublik einschliesslich Pahlevis Terrorregime in Persien würdig gewesen wären ?

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