Autobau Regierung will sich auf Opel-Favoriten festlegen

Insolvenz oder Übernahme? Heute soll über das Schicksal von Opel entschieden werden. Laut Betriebsrat ist eine Trennung vom Mutterkonzern GM bereits unterschriftsreif

Auf einem Spitzentreffen der Bundesregierung geht es unmittelbar vor der drohenden Insolvenz der Opel-Mutter General Motors (GM) unter anderem um die Bewertung der Konzepte der drei Interessenten Fiat, Magna und Ripplewood. Bisher überzeugen die Angebote Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) jedoch noch nicht. Der Minister fordert Nachbesserungen, andernfalls sei auch eine Insolvenz von Opel möglich. Auch ein chinesischer Interessent hat sich gemeldet. Dabei handelt es sich nach Medienberichten um die Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC).

Zudem will die deutsche Seite GM und die US-Regierung dazu bringen, den deutschen Hersteller aus dem Konzern herauszulösen und an einen Treuhänder zu übertragen. Auch die geplante und von Bund und Ländern verbürgte Brückenfinanzierung über 1,5 Milliarden Euro soll festgezurrt werden. Damit soll Opel im Falle der erwarteten GM-Insolvenz genügend Liquidität bekommen, um die Zeit bis zum Abschluss der Investorensuche zu überstehen.

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An dem Treffen im Kanzleramt nehmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Guttenberg auch die Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten, GM-Europachef Carl-Peter Forster und ein Vertreter des US-Finanzministeriums teil. Bei den Gesprächen sollen zudem die Manager der Interessenten getrennt voneinander Rede und Antwort stehen. Bereits am Vormittag ist eine weitere Ministerrunde im Kanzleramt zu Opel geplant.

Wenige Stunden vor dem Treffen bei der Kanzlerin sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz, die Trennung der beiden Unternehmen GM und Opel sei praktisch unterschriftsreif. Er habe das Dokument selbst gesehen, "das sieht sehr gut aus und läuft alles in die richtige Richtung", so Franz im ZDF-heutejournal. Wichtig sei, dass die Hängepartie bei Opel beendet werde.

Der Frankfurter IG-Metall Bezirksleiter Armin Schild sagte der Berliner Zeitung, die IG Metall habe vor übereilten Entscheidungen bei der Auswahl eines Bieters für den angeschlagenen Opel-Konzern gewarnt. "Uns zwingt niemand, Opel jetzt zu verscherbeln für Konzepte, die kein Mensch tatsächlich zum jetzigen Zeitpunkt zuverlässig prüfen kann, und von denen niemand genau weiß, ob sie langfristig tragen."

Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt, plädierte für ein Überbrückungsmodell mit staatlicher Beteiligung. "Es würde sich niemand einen Zacken aus der Krone brechen, wer auch immer sich eine Krone aufsetzen will, wenn man jetzt sagen würde, wir bauen eine Überbrückungslösung mit einer mittelbaren oder unmittelbaren Staatsbeteiligung, die so konstruiert ist, dass sie im Zweifel auch ein paar Monate halten kann."

Schild kritisierte scharf die Art des bisherigen Bieterverfahrens. "Bei dem Prozess wurden viel zu früh die Türen zugemacht", sagte er. "Würde man den Prozess weniger populistisch und solider gestalten, würden sich noch weitere Interessenten finden. In der industriellen Welt gibt es strategische Investoren, die sich erst mit der Sache beschäftigen wollen, bevor sie in der Tagesschau genannt werden. Denen hat man gar keine Chance gelassen."

Leser-Kommentare
    • Seckel
    • 27.05.2009 um 9:23 Uhr

    Parallelen zu entwickeln zwischen den Abstimmungen der Gläubigerversammlungen bei Märklin und der General Motors springen zu kurz. Der für Märklin bestellte Insolvenzverwalter bewegte sich lediglich in der betriebswirtschaftlichen und juristischen Dimension ohne die ihm angebotenen notwendigen Anstalten auch nur zu ergreifen, zusätzlich andere Dimensionen nutzen zu können. General Motors sollte daher klüger sein und diese Anstalten nicht prosaisch als Strohhalme stigmatisieren. Immerhin frönt der CEO der General Motors Corp. nicht den schriftstellerischen Tätigkeiten, Gedichte zu schreiben. Die Gläubiger der General Motors Corp. täten sich also einen großen Gefallen, diese Tatsache für ihre Abstimmung mindestens zu Kenntnis genommen zu haben, weil dann ein Verfahren gemäß des Chapter 11 entfällt und sich das auch von einem Leiter eines IG Metall-Bezirks zitierte weite Feld dadurch erst betreten lässt.

    • peto1
    • 27.05.2009 um 10:17 Uhr

    Mit Magna und BAIC zusammen würde sich ein Riesiger markt im Asien sich für opel öfnen.

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