Übernahme Opel steht vor harten Einschnitten

Sämtliche Übernahme-Bewerber planen deutlichen Stellenabbau. Zugleich wollen sie Milliardengarantien vom Staat. Belegschaft und Händler rüsten sich für den Notfall

Wollen im Notfall selbst bieten: Opel-Mitarbeiter

Sollte die Übernahme des geschwächten Rüsselsheimer Autobauers durch den italienischen Autohersteller Fiat, den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna oder den amerikanischen Finanzinvestor Ripplewood/RHJ scheitern, wollen die Beschäftigten sich mit den Autohäusern zusammentun: "Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Betriebsratschef Klaus Franz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Summe könnte demnach bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Davon entfielen eine Milliarde Euro auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten. Weitere 500 Millionen Euro kämen aus dem Rettungsfonds, den die 4000 Opel-Händler bereits beschlossen haben. Sie hatten sich bereiterklärt, ein Fünftel des Unternehmens zu kaufen, um eine Pleite zu verhindern.

Laut Franz wurde eine solche Offerte bereits unter Einbeziehung von Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern vorbereitet. Es sei keine Mehrheitsübernahme der Arbeitnehmer geplant. Vielmehr solle die Mehrheit des Eigentümers General Motors (GM) auch im Aufsichtsrat erhalten bleiben. Grundsätzlich favorisiert wird jedoch der Einstieg eines Investors von Außen.

Doch ohne den Staat wird die Übernahme nicht gelingen: Nach Informationen der Bild-Zeitung verlangt Magna Bürgschaften von rund fünf Milliarden Euro, Ripplewood taxiere den abzudeckenden Kreditbedarf auf unter fünf Milliarden Euro; die höchsten Staatsgarantien verlange Fiat mit rund sieben Milliarden Euro. Um Stellenstreichungen wird Opel wohl in keinem Fall herumkommen: Fiat will der Zeitung zufolge im Falle eines Einstiegs europaweit insgesamt 18.000 Stellen streichen, auch in Fiat-Werken. Magna plane den Abbau von rund 10.000 Stellen. Auch das Ripplewood-Konzept sehe Stellenstreichungen in der Größenordnung vor.

Trotzdem die Unternehmen Staatshilfe wollen, garantieren sie keine Arbeitsplätze. Laut Spiegel Online will Fiat-Chef Sergio Marchionne im Falle einer Übernahme in allen vier deutschen Opel-Werken Stellen streichen. "Wir müssen die Produktionskapazitäten in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen aus Fiat und den europäischen GM-Töchtern um 20 Prozent reduzieren", sagte er. Das bedeute nicht, dass die Stellenzahl um 20 Prozent sinken müsse. Zugleich betonte er, alle vier deutschen Standorte sollten erhalten bleiben.

Am Mittwochabend waren bei der Bundesregierung und bei GM die Konzepte der drei Opel-Interessenten eingegangen. Neben Fiat und Magna hatte sich unerwartet auch der US-Finanzinvestor Ripplewood mit seiner europäischen Tochter RHJ International beworben. Derzeit prüft die Regierung die Konzepte. Bereits am Freitag wollten sich die zuständigen Minister sowie die Ministerpräsidenten der vier Bundesländer mit Opel-Standorten, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie Thüringen, im Bundeskanzleramt treffen. 

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Magna, das im Verbund mit dem russischen Hersteller Gaz bietet, soll der Favorit von GM sein. Auf Platz zwei liege der amerikanische Finanzinvestor Ripplewood und auf Rang drei der italienische Autobauer Fiat, berichtete Spiegel Online. Für Magna spreche, dass der Autozulieferer im Ruf stehe, selbst über Spitzentechnologie zu verfügen. Fiat hingegen lande auf dem letzten Platz, weil die Italiener beim Konkurrenten Chrysler einsteigen wollen und zudem eine frühere Partnerschaft mit GM unglücklich geendet sei. Bevor GM entscheide, wolle der Konzern jedoch das Urteil der Bundesregierung abwarten.

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, will Fiat für den Fall einer Opel-Übernahme seine eigene Marke Lancia vom Markt nehmen. Fiat-Chef Marchionne sei außerdem bereit, zunächst den Erhalt aller Opel-Standorte zu garantieren. Mittelfristig sollte demnach aber das Werk der Opel-Schwester Vauxhall im britischen Luton geschlossen werden.          

Leser-Kommentare
  1. Klingt für mich am überzeugendsten, bei den gebotenen Alternativen.

    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

  2. Investoren brauchen staatliche Garantien in Mrd. Höhe?

    Seltsam, wo sind denn die Verfechter liberalisierter Märkte geblieben? Ah ja, das wird ja wie üblich Individualisiert oder mit anderen Worten, es wird auf den Schultern der Arbeiter und Angestellten ausgetragen...

    Seltsame Ideologie sich stets den schwächsten auszusuchen um die Theorien, in diesem Fall u.a. Oekonomische und Soziale, in der Praxis auf deren tauglichkeit zu testen.

    Sind bisher nicht auch Ankündigungen von Entlassungen an den Kapitalmärkten euphorisch begrüsst und beklatscht worden. Muss wohl so sein, betrachtet man sich die freudigen Gesichter der Beteiligten vor ihren Bildschirmen in den Handelsräumen.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    • Ijon
    • 22.05.2009 um 9:43 Uhr

    Unglaublich:

    Zwei Großkonzerne, davon einer (Fiat) schon mehrmals fast pleite, entblöden sich nicht, sich als "Retter" für einen Autohersteller aufzuspielen. Was heißt da denn Retter? Sie verlangen ja Bürgschaften! Soll heißen, sie pokern, und haben nichts zu verlieren (wenn es schief gehen sollte) , aber alles zu gewinnen (wenn es gut gehen sollte).

    Ein so freches Beispiel an Sozialisieren der Verluste und Einstecken der Gewinne hat es in der BRD überhaupt noch nie gegeben.

    Aus den großzügigen Geldströmen, die die Staaten letztlich an die falschen (nämlich die, die schon reich sind) verschenkt haben, haben sie nämlich sofort gelernt: Die da unten, die sind ja schon so hilflos, dass sie glauben, sie bräuchten uns wirklich zum Leben! Deshalb scheuen sie sich auch nicht, sich als Retter hinzustellen, und gleichzeitig obszön hohe Garantien zu verlangen.

    Die Krise wurde nicht, wie so oft propagiert, als Chance genutzt, sonder im Gegenteil dazu verwendet, die soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit weiter zu verstärken.

  3. Das eigentliche Problem wird von niemandem angsprochen: Es gibt einfach riesige Überkapazitäten in der Automobilfertigung, sowohl in Europa als auch weltweit, bedingt in erster Linie durch die längere Haltbarkeit von Autos und auch aus demographischen Gründen.

    Nüchtern und sachlich betrachtet wäre ein komplettes Verschwinden der Marke Opel vom Markt das Beste was dem Automarkt als solches passieren könnte und das einzige, was die Arbeitsplätze aller anderen Automobilarbeiter bei VW, Ford, BMW etc. etc. zumindest etwas sicherer machen könnte, denn der momentane Zwang die Autos zu verschleudern, um überhaupt noch vom Kunden beachtet zu werden, gefährdet früher oder später alle Autokonzerne und deren Arbeitsplätze.

    Aber ganz offensichtlich hat die Politik panische Angst vor dieser Wahrheit und setzt sich lieber medienwirksam für die künstliche Erhaltung von eigentlich überflüssigen Arbeitsplätzen ein, anstatt mal damit anzufangen, darüber nachzudenken, wie eine Gesellschaft mit weniger Arbeitsplätzen (dank Rationalisierung, technischem Fortschritt, längerer Produkthaltbarkeit etc.) für alle Menschen positiv gestaltet werden kann.

    Das eigentliche Problem im Fall Opel ist, dass insgesamt mehr Ware (Autos) hergestellt werden, als in den Markt hineingequetscht werden können!
    Ergebnis: Eine Abwrackprämie, die dazu führt, dass Fast-Neuwagen aus den Baujahren 1999/2000 verschrottet werden - eine Katastrophe für die Umwelt und den Steuerzahler.

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