Opel-Sanierung Rüttgers lehnt Magna-Plan ab
Lange hieß es, Bund und Länder seien sich einig: Der Zulieferer mache das Rennen als Opel-Retter. Doch der NRW-Chef stellt sich quer - aus Angst vor zu großen Opfern
Nordrhein-Westfalen lehnt den Übernahmeplan des Autozulieferers Magna für Opel ab. Der österreichisch-kanadische Zulieferer hatte angekündigt, in Deutschland 2600 Stellen zu streichen. Davon entfielen allein 2200 auf das Werk in Bochum – für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers ist das inakzeptabel.
"Das ist so nicht in Ordnung", sagte er nach einem Spitzentreffen zum Thema Opel-Sanierung im Kanzleramt. "Das Magna-Konzept ist zwar das Konkreteste. Aber wir können dem unter den bisherigen Bedingungen nicht zustimmen". Er erwarte aber, dass Magna in den weiteren Gesprächen die Vorstellungen zum Stellenabbau noch verändere. Alle vier Ministerpräsidenten mit Opel-Standorten seien sich einig, dass es bei der Rettung des Autobauers "keine einseitige Lastenverteilung" geben dürfe. Dies sehe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel so.
Magnas Pläne für einen deutlichen Arbeitsplatzabbau in Europa stoßen auch auf massiven Widerstand der Belegschaft. "Wir werden das nicht akzeptieren und dagegen vorgehen", sagte der stellvertretende GM-Europa-Betriebsratsvorsitzende, Rudi Kennes. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte, unter diesen Bedingungen könne in dem Werk nur noch eine Modellreihe vom Band laufen. "Ich würde das als Sterben auf Raten bezeichnen." Er werde die Pläne nicht akzeptieren und kündigte Protestmaßnahmen an, sollte Magna den Zuschlag für Opel bekommen und es bei den Plänen bleiben. "Dann werden wir uns in geeigneter kreativer Form zu Wort melden."
Noch am Nachmittag hatte es geheißen, die Bundesregierung und die Bundesländer mit Opel-Standorten hätten sich für Verhandlungen primär mit dem Magna-Konzern ausgesprochen. "Das Unternehmen hat das interessanteste Übernahmeangebot vorgelegt", sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). In dieser Einschätzung gebe es Konsens zwischen den Ländern und der Regierung.
Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte, es gebe einen "gemeinsamen Willen", die Verhandlungen mit Schwerpunkt Magna fortzuführen. Dabei sollen jedoch die anderen beiden Angebote nicht als aussichtslos eingeordnet werden. Es sei heute keine Tür zugeschlagen worden. Entscheidend sei, dass die vier Opel-Standorte und eine maximale Zahl von Arbeitsplätzen erhalten blieben. Becks Parteikollege, Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier, hat die Pläne des Autozulieferers ebenfalls als "sehr tragfähig" bezeichnet. Zwar sei in der Sache noch keine abschließende Entscheidung gefallen, es solle nun aber "insbesondere das Magna-Konzept auf die noch offenen Fragen hin" geprüft werden.
Magna-International-Geschäftsführer Wolf bezeichnete die Favoritenrolle als "eine großartige Nachricht". Jetzt hieß es, "die Ärmel hochkrempeln, mit der Arbeit zu beginnen und sich mit den Opel-Mitarbeitern zusammenzusetzen." Dabei sei die Unterstützung des deutschen Staates ganz wichtig. "Aber die letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen", mahnte Wolf und weiß sich da im Einklang mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Demnach hat sich die Regierung noch nicht auf Magna als Käufer von Opel festgelegt. "Es wäre verwegen, jemanden abzuschreiben", sagte Guttenberg mit Blick auf die beiden anderen Interessenten, den italienischen Autobauer Fiat und den amerikanischen Investor Ripplewood, der den Deal über seine belgische Tochter RHJ abwickeln will. Konzepte könnten sich auch noch verändern.
- Datum 22.05.2009 - 19:34 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Weil es keinem ermöglicht ist, den angelsächsischen "Order"-Diskurs wegzudekretieren oder zu überspringen, ergibt es demnach auch keinen Sinn, ohne diesen Begriff industrielle Strukturen zu disputieren. Ein industrieller Ordinarius, oder industrial order (Herrigel), ist dabei keine Person, sondern ein Mechanismus, der in seinem Vollzug Nichtindustrielles aus der Wirklichkeit des Industriellen ausschließt. Demgegenüber indessen zu erwarten, Ministerpräsidenten der Länder oder die Bundesregierung seien im Gewand auch nur eines Ordinarius handlungsfähig und könnten konterkarieren, geht hingegen lediglich fehl.
Was für ein Gekasper ist das eigentlich momentan ? Mit 8 Milliarden Euro könnte man 160.000 (Einhundertsechzigtausend) Opel-Opfern jeweils 50.000.- Euro vom Staat überweisen, ein Sümmchen, mit dem im Hintergrund man schon mal über eine Zeitlang Lohnverzicht reden könnte, oder liegt die Freigiebigkeit etwa daran, das richtiges Geld einfach in der Familie bleiben soll, selbst wenn es ein formal zahlungsunfähiger russischer Autoschrauber oder eine Oligarchen-Bank oder Putins Pudelchen ist ? Das der deutsche Staat dermassen viel Geld in die Hand nehmen kann, um korrupte Elemente zu sponsoren, die bereits die nächste Finanzblase planen, ist nur noch als kriminell zu bezeichnen.
"5 Milliarden her, oder es wird Arbeitslose geben!"... und früher wurden Menschen erschossen weil der Staat auf seine Unerpressbarkeit beharrte.
die Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste. Auch Personalkosten sind letztendlich nur den Profit schmälernde Ausgaben.
Die Finanzindustrie denkt eben nur noch in Investitionsmodellen.
Weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit machen sich die Geier über die Autobahn her: http://www.a-modell-a5.de/
_______________________________________________________
Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
Wenn GM sich fuer eine Loesung fuer Opel entscheidet, wird es uns auf jeden Fall 5 Millairden kosten, und die Regierung wird in jedem Fall zahlen (ist ja nicht ihr Geld), - ob einem Herrn Ruettgers jetzt eine Loesung lieber ist als eine andere, spielt ueberhaupt keine Rolle!!
Wie gut das ist, zeigt sich schon daran, was er als Kriterium fuer eine gute wirtschaftliche Loesung anlegt : 2000 Arbeitsplaetze in NRW mehr oder weniger sollten bei einem solchen ohnehin fragwuerdigen Akt relevant sein!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren