Rotes Kreuz "Die Lage in Sri Lanka ist besorgniserregend"Seite 2/2

Hahn: Das ist eine der wichtigsten Fragen, die das Rote Kreuz versucht mit der Regierung in Colombo zu klären. Die Menschen in den Flüchtlingslagern brauchen eine Perspektive. Viele Häuser wurden im Nordosten der Insel zerstört und es sind dort Anti-Personen-Minen ausgelegt. Eine schnelle Rückkehr scheint ausgeschlossen zu sein.

ZEIT ONLINE: Die Länder der Europäischen Union haben versprochen, Hilfsgelder für die Flüchtlinge auf Sri Lanka bereit zu stellen. Deutschland will mehr als fünf Millionen Euro geben. Reicht die Hilfe aus dem Westen für die Versorgung der Menschen aus?

Hahn: Ob das Geld reicht, werden wir in den nächsten Tagen sehen. Die Hilfsorganisationen brauchen beträchtliche Mittel, um die rund 250.000 Flüchtlinge zu versorgen. Das Deutsche Rote Kreuz will der Bundesregierung mehrere Projekte für eine Förderung vorschlagen, mit denen auf Sri Lanka den Vertriebenen geholfen werden kann.

ZEIT ONLINE: Welche Projekte sind das?

Hahn: Wir wollen eine spezielle Unterstützung für Schwangere aufbauen – viele Frauen in den Lagern werden in der nächsten Zeit Kinder bekommen. In den Lagern fehlt es außerdem an sanitären Anlagen, wir wollen mobile Toiletten aufstellen. Und wir planen, Freiwillige in unsere Projekte einzubeziehen. Sie können in Krankenhäusern etwa den Patienten helfen und die Pfleger unterstützen.

ZEIT ONLINE: Viele Kinder wurden auf der Flucht von ihren Eltern getrennt. Wird den Familien geholfen?

Hahn: Sobald die Menschen sich als Flüchtling registriert haben, kann das Rote Kreuz mit seinem Suchdienst bei der Familienzusammenführung helfen. Einige Familien wurden bereits vor Monaten bei Kämpfen zwischen Armee und Tamilen getrennt.

ZEIT ONLINE: Wie lange werden die Flüchtlinge auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen sein?

Hahn: Die Menschen wollen wieder zurück in ihre Häuser, aber unsere Hilfe wird noch eine lange Zeit erforderlich sein. Wir rechnen bei diesen Projekt nicht in Wochen, sondern in Monaten.

Die Fragen stellte Hauke Friederichs

Martin Hahn koordiniert die Hilfslieferungen des Deutschen Roten Kreuzes für die Flüchtlinge auf Sri Lanka. Er besuchte ein Lager in einer Region, in die sonst keine ausländischen Helfer oder Journalisten kommen. Der Leiter des Auslandshilfe koordinierte bereits in zahlreichen Ländern die Hilfsaktionen – er half unter anderem Cholera-Kranken in Simbabwe.  

 
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