Wenzel Storch, der Katholikenschreck und Independent-Filmer mit einem gewissen Hang zum Größenwahn, hat gerade die DVD-Fassung seine Acid-Märchens Die Reise ins Glück erscheinen lassen. Jetzt legt er sein "gesamtes schriftstellerisches Werk" nach. Der Bulldozer Gottes (Ventil Verlag) ist ein Konvolut aus Filzstift-Zeichnungen, Endreimgedichten, absurder Kurzprosa und mit allerlei Bildmaterial illustrierten Essays.

ZEIT ONLINE: Herr Storch, Ihr Der Bulldozer Gottes geht entschieden in Richtung Gesamtkunstwerk. Sehen Sie sich so?

Wenzel Storch: Ich hab’s nicht so mit der Selbstexegese. Bei "Gesamtkunstwerk" zucke ich allerdings zusammen. Dass hier einiges durcheinanderpurzelt, ist natürlich gewollt – ich hab für das Buch eben einfach zusammengefegt, was bei mir so rumlag. Die Leute denken ja immer: Man ist bis ans Ende seines Lebens Filmemacher, bloß weil man drei Filme gemacht hat, aber in die Filmwelt bin ich ja auch nur so hineingerutscht. Ich habe nebenher immer andere Sachen gemacht. Bilder gemalt oder auch mal eine Bastelarbeit, irgendwelche Klebebildchen aus Buntpapier, aus Stoffresten und Klinkertapete, oder mal ein Gedicht. Die Sachen kennt nur keiner, weil ich die bislang nicht vorgezeigt habe.

ZEIT ONLINE: Dass Sie sich in der Popkultur auskennen, bei Petzi, Karl May, im franko-belgischen Abenteuercomic, Teeny-Pop-Zeitschriften, das hat man erwartet. Aber jetzt wird auf einmal Kenntnis der Literaturgeschichte suggeriert. Sind das bloße Google-Girlanden, oder was steckt dahinter?

Storch: Dahinter steckt eigentlich nur, dass ich am Tag 40 oder 50 Seiten lesen muss. In den Achtzigern hab ich mir immer montags den Spiegel gekauft, aber davon wird man ja erst recht schwermütig. Dann hatte ich vor einigen Jahren einen schlimmen Rückfall in Sachen Karl May. Als sich die Rechnungen immer höher stapelten, da lag ich oft stundenlang wie ein Käfer auf dem Rücken. Völlig apathisch. In der Zeit habe ich rund 10.000 Seiten Karl May in mich reingestopft, den kompletten Orient-Zyklus, Old Surehand I bis III und noch ein paar andere dieser eigenartigen Reiseromane. Zum zweiten oder dritten Mal übrigens, die hatte ich ja bereits als Kind verschlungen.

ZEIT ONLINE: Und was kam nach Karl May?

Storch: Ich dachte, das kann so nicht weitergehen! Probier doch mal was ohne Trapper und Beduinen. Dann hab ich mir den Taugenichts von Eichendorff aus der Stadtbücherei geholt und fand den genauso gut wie Old Surehand. Vielleicht sogar noch einen Tick besser. Und eh man sich versieht, entwickelt man seine Vorlieben, das ist bei schöner Literatur nicht viel anders als beim Rauschgift.

ZEIT ONLINE: Woher kommt eigentlich ihre polemische Fixierung auf den Katholizismus?