Beanstandet wurde unter anderem die mehrseitige Berichterstattung der Bild unter den Überschriften "Seid ihr immer noch nicht tot?" sowie "Wie wurde so ein netter Junge zum Amokschützen?". Ein ganzseitiges Bild zeige den Amokläufer mit gezogener Waffe in einem Kampfanzug. Diese Fotomontage verbunden mit der Überschrift "Seid ihr immer noch nicht tot?" ist nach Ansicht des Beschwerdeausschusses des Presserates unangemessen sensationell. Sie stelle den Amoktäter in einer Heldenpose dar.

Als unangemessen sensationell bewertet der Ausschuss auch die Grafik, die eine Situation in einem Klassenzimmer darstellen soll. Die Redaktion zeichne nach, wie der Amokläufer - wieder als Fotomontage im Kampfanzug - eine Lehrerin erschießt. Diese Darstellung der Tötung, gezeigt durch das Nach-Hinten-Überkippen der Lehrerin, hält der Ausschuss mit Blick auf die Hinterbliebenen der Getöteten für eine unangemessen sensationelle Darstellung.

Beanstandet hat der Beschwerdeausschuss auch einen Bericht im Internet. Bild-Online hatte unter der Überschrift "Diese jungen Leben hat er ausgelöscht" die vollen Vor- und Nachnamen mehrerer Opfer genannt. Der Ausschuss erkennt hierin einen Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen und Hinterbliebenen. Hierdurch seien die Opfer auch im erweiterten Umfeld erkennbar dargestellt.

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