Terror in Iran Radikale Belutschen bomben gegen Ahmadineschad

Irans strenges Mullah-Regime galt bislang als Garant für innere Sicherheit. Nun haben sunnitische Separatisten kurz vor der Wahl tödliche Anschläge gegen Schiiten verübt

Die Bombenexplosion in einer iranischen Moschee Ende Mai war der schwerste Terroranschlag in Iran seit 20 Jahren. Und kurz darauf schlugen die Radikalen erneut zu: Mitten in der heißen Phase des iranischen Wahlkampfes erschütterten mehrere Anschläge die Provinz Sistan-Belutschistan. In dieser Region im Südosten Irans führen sunnitische Terroristen einen Kampf gegen die schiitische Regierung in Teheran. Sistan-Belutschistan grenzt an Afghanistan und an die pakistanische Provinz Belutschistan, in der ebenfalls Terrorgruppen für mehr Autonomie kämpfen.

Die Anschläge erhöhen den Druck auf den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, der sich am 12. Juni zur Wiederwahl stellt. Er steht wegen seiner umstrittenen Wirtschaftspolitik in der Kritik. Sein Versprechen, die Armut drastisch zu senken, hat er nicht erfüllt. Ahmadineschad versucht nun, Stärke nach außen zu zeigen, um von inneren Spannungen abzulenken. So lehnt er immer noch ab, über die iranische Urananreicherung zu verhandeln und ließ eine neue Mittelstreckenrakete testen.

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Die jüngsten Terroranschläge zeigen nun, dass die iranischen Sicherheitskräfte die Kontrolle in der Grenzregion Sistan-Belutschistan verlieren. Dort liefern sich Schmugglerbanden und Kämpfer der Drogenbarone häufig Gefechte mit den iranischen Streitkräften. Lokale Stämme haben in Teilen von Sistan-Belutschistan mehr zu sagen, als die Regierung in Teheran.

Auf der pakistanischen Seite der Grenze sieht es nicht anderes aus. Dort stellen illegale Drogenlabore mit Schlafmohn aus Afghanistan Heroin her. Die Droge gelangt über Iran in die Türkei und wird von dort aus nach Europa geschmuggelt – auch nach Deutschland.

Al-Qaida und andere Terrorgruppen sollen am Heroinhandel beteiligt sein und mit den Einnahmen Waffen und Sprengstoff kaufen. Im Mai trafen sich Ahmadineschad und die Präsidenten Pakistans, Asif Ali Zardari, und Afghanistans, Hamid Karsai, in Teheran. Sie vereinbarten ein gemeinsames Vorgehen gegen Drogenhandel und Terrorismus.

Im Kampf gegen den Terror spielt Teheran jedoch ein doppeltes Spiel: Iran steht international in der Kritik, weil das Land offen Hisbollah im Libanon und versteckt Hamas im Gaza-Streifen mit Geld und mit Waffen unterstützt. Ahmadineschad beschuldigte die US-Regierung, durch ihre verfehlte Politik in der Region die Extremisten zu fördern.

Anfang Juni gaben mehrere iranische Politiker und auch Geistliche Washington die Schuld an den Anschlägen in einer Moschee und den Brandanschlag auf eine Bank am Montag. “Der große Satan USA“ stecke hinter den Terrorakten, sagte der Vize-Gouverneur von Sistan-Belutschistan.

Die Widerstandsgruppen in Iran wurden bis vor wenigen Jahren tatsächlich von den USA unterstützt – radikale Belutschen sollen im regelmäßigen Kontakt mit amerikanischen Geheimdienstagenten gestanden haben. Mit dem Krieg gegen den Terror 2001 stellte die USA aber die Unterstützung ein. Die radikalen sunnitischen Gruppen die im Dreiländereck für Autonomie für Belutschistan und gegen Schiiten kämpfen, gelten heute als anti-amerikanisch.

Mit ihren Anschlägen versuchen die Terroristen die Region zu destabilisieren und den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten anzuheizen. Ende Mai starben bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Frauenabteilung der Amir-al-Momenin-Moschee in der Provinzhauptstadt Sahedan 25 Menschen, rund 150 wurden verletzt. In dem Gotteshaus sollen sich radikale Schiiten treffen, die in Sahedan eine Minderheit sind.

Am Montag verübten Terroristen einen Brandanschlag auf eine Bank, fünf Menschen starben dabei. Außerdem griffen Bewaffnete ein Wahlkampfbüro von Ahmadineschad an und verletzten drei Anhänger des Präsidenten.

Ein größerer Anschlag konnte am vergangenen Wochenende im letzten Augenblick vereitelt werden. Nach dem Start eines Passagierflugzeuges mit 130 Menschen an Bord entdeckte die Besatzung einen Sprengsatz. Die Maschine kehrte zum Flughafen zurück und Spezialisten entschärften die Bombe.

In der Region hat es in den vergangenen Jahren häufiger schwere Anschläge gegeben. Bei der Explosion einer Bombe starben im Februar 2007 zwölf Mitglieder der Revolutionären Garde. Hinter den Attentaten steckt die Organisation „Jundallah“ (Soldaten Gottes), die sich vor Kurzem in „Volks-Widerstandsbewegung des Irans“ umbenannte. Der Anführer ist einer der meistgesuchten Männer Irans, bislang verlief die Fahndung der Sicherheitsbehörden nach dem 24-jährigen Belutschen Abdulmanlak Rigi jedoch ergebnislos.

Rigi kämpft gegen den Gottesstaat und den “Genozid an den Belutschen“, wie er die Benachteiligung an seiner Volksgruppe nennt. Ein “Groß-Belutschistan“ fordert er im Gegensatz zu Gruppen in Pakistan und Afghanistan nicht. Die radikalen Belutschen gehen in Iran immer brutaler vor. Die Regierung in Teheran wirft Rigi vor, er unterhalte enge Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida. Beweise hat Teheran dafür bislang nicht vorgelegt. Die Regierung reagiert mit drakonischen Strafen auf die Anschläge. Zwei Tage nach der Explosion in der Moschee in Sehedan wurden drei Männer in der Nähe des beschädigten Gotteshauses öffentlich gehängt. Die Terroristen kündigten daraufhin Vergeltung an – noch vor der Wahl werde es weitere Anschläge geben.

 
Leser-Kommentare
  1. radikale belutschen bomben gegen ahmadineschad

    vielleicht hätten Sie da etwas anders formulieren können ;-DDD

    • Anonym
    • 05.06.2009 um 10:23 Uhr

    ... bomben mit himbeergeschmack ;-)

  2. Darüber schweigt sich der Artikel leider aus - wie fast immer in solchen Fällen.

    Die USA wie Israel haben sicherlich größtes Interesse an einer Destabilisierung des Iran, die sie versuchen in ihrem eigenen Sinne zu nutzen.

    Irgendwann kommt raus, wer und was wirklich dahinter steckt.

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