Warenhaus-Krise Wirtschaftsprüfer gegen Staatshilfe für Arcandor

Die Bedingungen für Hilfen vom Staat seien nicht erfüllt. So lautet das Urteil von PriceWaterhouseCoopers über den Touristik- und Warenhauskonzern Arcandor

Wie das Wirtschaftsportal manager-magazin unter Berufung auf Kreise des Essener Konzerns berichtete, kam die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers, die von der Bundesregierung eingesetzt worden sei, zu dem Schluss, dass die Bürgschaftsübernahme mit erheblichen Risiken verbunden sei. Der Konzern verfüge mittlerweile praktisch über keine freie Substanz mehr. Beteiligungsverkäufe könnten zudem zu erheblichen Buchverlusten führen. Die Prüfer widersprächen auch der Behauptung des Unternehmens, es sei durch die Finanzkrise in die derzeit schwierige Lage geraten.

Die Aktie von Arcandor reagierte mit deutlichen Kursverlusten auf den Bericht und lag am Abend 12 Prozent im Minus.

Konzernchef Karl-Gerhard Eick hatte sich am Freitag nach einem Treffen mit dem Bürgschaftsausschuss am Donnerstag in Berlin optimistisch gezeigt, die Staatshilfe zu erhalten. "Wir werden diese Gespräche nächste Woche fortsetzen, und dann hoffe ich, dass wir letztlich auch diese Bürgschaftsunterstützung bekommen", sagte Eick der ARD.

Die Vermieter der Karstadt-Immobilien lassen laut Spiegel inzwischen sämtliche Szenarien durchspielen, die dem angeschlagenen Warenhauskonzern in den nächsten Wochen und Monaten drohen könnten. Die Planspiele reichten von der Reduzierung des Portfolios auf die rentablen Häuser über eine Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof bis hin zu einer möglichen Pleite des Konzerns. Die Berater sollen deshalb auch mögliche Interessenten für den Verkauf größerer Tranchen an Karstadt-Häusern finden.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Das Gutachten der PwC ist nur bedingt aussagekräftig, da sich zumindest die These, dass Arcandor "praktisch über keine freie Substanz mehr verfüge" naturgemäß nur auf den Zeitpunkt der Gutachtenerstellung beziehen kann. Gestern hat sich die Situation aber insofern entscheidend gewandelt, als nunmehr sowohl der Hauptaktionär Sal. Oppenheim als auch die italienische Mediobanca zusätzliches Eigen- wie Fremdkapital bereitstellen wollen. Zudem haben Kreditgeber, Vermieter und Lieferanten - zumindest für den Fall einer Staatsbürgschaft - ebenfalls Entgegenkommen signalisiert.

    Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass PwC nur EINE von mehreren von der Bundesregierung mit der Begutachtung von Arcandor beauftragten Wirtschaftsprüfergesellschaften ist. Durchaus möglich, dass die anderen das ganz anders sehen. Es bleibt also spannend ...

  2. Das Gutachten hat sich jetzt im Nachhinwein wohl doch als richtig erwiesen.

    www.konlus.de

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