Mini-Jubiläum Raumwagen und RennwunderSeite 2/2
Zumal der Fußballstar im britischen Kleinwagen nicht notwendigerweise langsam unterwegs sein musste. Dass man mit dem Mini gut um die Ecken kam, war Kundigen schnell aufgefallen. Und ab 1961 war dann auch die nötige Leistung verfügbar: Rennfahrer und Rennstallbesitzer John Cooper lieh seinen Namen und verhalf, dem Mini zuerst zu 55, dann 70 und später 73 PS (und kassierte Gerüchten zufolge für die Namensrechte zwei britische Pfund pro verkauftem Auto).
Außerdem war der Mini mit gut 600 Kilogramm selbst für die damalige Zeit ein Leichtgewicht. An der Ampel reichte die Leistung deshalb meistens, um auch größeren, stärkeren Konkurrenten den Auspuff zu zeigen.
Auf der Rennstrecke reichte es sogar noch zu viel mehr: Zwar wurden Experimente mit einem 170-PS-Mini, der einen zweiten Motor im Heck trug, schnell wieder eingestellt, weil sich der Wagen als nahezu unfahrbar erwies. Aber bei der Rallye Monte Carlo waren die Sechziger das Jahrzehnt des Minis. Mit der bis zu 95 PS starken Rennversion sprangen drei Gesamtsiege gegen die teils doppelt so starke Konkurrenz heraus.
Ein vierter Erfolg wurde den Briten nur deshalb aberkannt, weil sich in den Scheinwerfern angeblich regelwidrige Birnchen befanden. Mini-Fans zählen den Sieg deshalb bis heute einfach mit. Selbst Mitte der neunziger Jahre waren die hochbetagten Minis zumindest gegen andere kleine Wagen immer noch konkurrenzfähig – 1994 reichte es bei der Rallye immerhin noch zu Platz drei in der eigenen Hubraumklasse.
Dabei war der Mini technisch nie ein perfektes Auto. Besitzer berichten von Startschwierigkeiten nach feuchten Nächten genauso wie von Sitzen, die nie wirklich das Prädikat "gesäßschmeichelnd" verdienten. Die innovative "Whiskey-Soda-Federung", in der Wasser und Alkohol Stöße abmildern sollten, nahmen die Mini-Bauer sogar wieder aus dem Programm und stiegen auf die Gummikegel um.
Doch all das konnte den Erfolg nicht bremsen. Das schafften erst die Jahre und die Krise der britischen Autoindustrie in den Siebzigern und Achtzigern. Die überstand der Mini zwar als Auto sogar noch vergleichsweise gut, doch das Image litt deutlich – bis zu dem Punkt, an dem man Minis in Deutschland im Supermarkt kaufen konnte.
Trotzdem blieb der Wagen lange genug im Programm, um zum Klassiker ab Werk zu werden. Erst im Jahr 2000 war nach 41 Jahren Schluss für das Original, womit der kleine Brite in einer Reihe mit Ikonen wie der Ente, dem Käfer oder dem Land Rover steht.
Den Look erbte BMWs neuer Mini. Und wer ein Original haben will, hat noch viel Auswahl: Ein Wrack zum Schrauben gibt es für ein paar hundert Euro. Wer einen der besten will, kann auch deutlich mehr als 20.000 Euro ausgeben. Denn der Wagen ist gesucht. Und am Ende ist der Mini auch mit 50 noch nicht.
- Datum 05.09.2009 - 18:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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