PR-Skandal Bahn entlässt Marketing-Chef

Die Deutsche Bahn hat ihren Generalbevollmächtigten für Marketing und Kommunikation entlassen. Hintergrund sind 1,3 Millionen Euro, die für versteckte Werbung in Medien gezahlt wurde.

Ralf Klein-Bölting ist "mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden worden", teilte ein Bahnsprecher mit. Mit vorproduzierten Medienbeiträgen, bestellten Leserbriefen und Meinungsumfragen, deren Urheberschaft nicht ersichtlich war, sollte zum Beispiel im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL Stimmung für die Bahn gemacht werden. Knapp 1,3 Millionen Euro sollen 2007 in die "verdeckte Beeinflussung der Öffentlichkeit" geflossen sein.

Das Magazin Spiegel hatte den Fall öffentlich gemacht. Wie die Bahn dann bestätigte, machte die Initiative LobbyControl Grube am 19. Mai auf die umstrittenen Methoden der Öffentlichkeitsarbeit aufmerksam. Am 20. Mai habe der Bahn-Vorstandschef die Prüfgesellschaft KPMG beauftragt, den Sachverhalt aufzuklären. Diese habe eine Woche später, am Mittwoch, Grube mündlich informiert.

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Der Verein LobbyControl berichtete, den Auftrag über 1,3 Millionen Euro habe damals die Lobbyagentur EPPA erhalten, die wiederum der Agentur Berlinpolis Aufträge für PR-Aktionen erteilt habe. Berlinpolis habe unter anderem Meinungsumfragen zur Bahn-Teilprivatisierung und zum Lokführerstreik mit bahnfreundlichen Ergebnissen publiziert.

Die Beratungsagentur Berlinpolis hat inzwischen bestritten, die Öffentlichkeit im Auftrag der Deutsche Bahn bewusst irregeführt zu haben. "Von Berlinpolis in Auftrag gegebene Meinungsumfragen beruhen auf von Berlinpolis selbst erstellten Fragen", teilte der Geschäftsführer der Agentur, Daniel Dettling, mit. Diese seien von der Deutschen Bahn nicht vorgegeben worden. Berlinpolis teilte mit, zur Bahn keine Vertragsbeziehung gehabt zu haben. Ob Berlinpolis aber über die Agentur EPPA indirekt PR-Aufträge der Bahn erhalten hat, ließ Dettling in seiner schriftlichen Stellungnahme offen.

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 29.05.2009 um 15:32 Uhr

    Jetzt wissen wir alle, warum die Bahn sich beinahe täglich verspätet. Sie muss all ihre Züge durch ein riesiges Sumpfgebiet manövrieren!

    • Olly66
    • 29.05.2009 um 15:49 Uhr

    von wievielen ähnlichen Missbräuchen und Meinungsmanipulationen haben wir nicht den blassesten Schimmer?
    Soll noch einer behaupten, Marktwirtschaft fördere die Freiheit...

  1. ... der Spruch "Ich glaube nur der Statistik, die ich selber gefälscht habe."

  2. Laut ihrer Satzung ist das keine Agentur, sondern ein gemeinütziger Verein (s. hier).

    Schon toll, wie die so zur "Förderung des Dialogs und des
    Informationsaustausches vorrangig zwischen den Bereichen Politik, Wirtschaft
    und Gesellschaft mittels neuer Technologien
    " alles machen.

    Da bleibt nur zu sagen: Weiter so! Das schafft Vertrauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

  3. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

    Da ist wohl einer zu viel Bahn gefahren???

  4. Sehr geehrte Benutzer,
    ein wichtiger Hinweis: Die EPPA Brüssel bittet uns, darauf hinzuweisen, dass sie mit der EPPA Berlin nichts zu tun hat.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

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