Partnerwahl Rollentausch mit Folgen

Frauen seien viel wählerischer als Männer, wurde lange Zeit behauptet. Alles Unsinn, haben amerikanische Forscher nun festgestellt. Es kommt nur auf die Perspektive an

Teilnehmer an einem Speed-Dating-Abend in New York

Teilnehmer an einem Speed-Dating-Abend in New York

Acht Frauen, acht Männer, acht mal vier Minuten an einem Tisch: Das ist die Konstellation eines typischen Speed-Dating-Abends. Am Ende einer solchen Veranstaltung müssen beide Seiten auf einem Fragebogen ankreuzen, welche der Beteiligten sie gerne wiedersehen möchten. Wie mehrere Studien ergeben haben, bekundeten die Männer grundsätzlich Interesse an mehreren Frauen, während Frauen bei ihrer Wahl deutlich engere Maßstäbe anlegten.

Ähnliche Ergebnisse liefern Studien aus dem Bereich des Online-Datings: Demnach schicken Männer anderthalbmal so häufig Kennenlernmails an Frauen als umgekehrt. Diese Zurückhaltung bei der Partnerwahl liege eben in der Natur der Frau, lautete die bisherige Ansicht der Psychologie. Schließlich trügen Frauen die weit größere Last bei der Fortpflanzung. Kein Wunder also, dass sie bei der Wahl des potenziellen Kindsvaters und Erbgutträgers auch genauer hinschauten.

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Alles Unsinn, behauptet nun eine Studie der Northwestern University in Illinois, die in Kürze in der Fachzeitschrift Psychological Science erscheint. Man muss die Frauen nur selbst wählen lassen.

Die beiden amerikanischen Forscher Eli J. Finkel und Paul W. Eastwick, die sich bereits in früheren Studien mit dem Thema Partnerwahl beschäftigt haben, werteten 15 Speed-Dating-Veranstaltungen aus, an denen insgesamt 350 Studenten teilnahmen. In der ersten Runde blieben die Frauen, wie bei solchen Treffen üblich, auf ihren Plätzen sitzen, die Männer wechselten nach den besagten vier Minuten zur nächsten Kandidatin. In dieser Konstellation fanden Männer mehr Frauen attraktiv als Frauen Männer – so wie in den bisherigen Studien.

Als jedoch die Rollen vertauscht wurden und die Frauen um den Tisch rotierten, änderte sich das Resultat plötzlich. Auf einmal waren die Frauen weit weniger wählerisch, während die Männer nun strengere Maßstäbe ansetzten. Im Ergebnis zeigte sich, dass die "Wanderer" - unabhängig vom Geschlecht - mehr Begeisterung für die "Sitzenden" entwickelten als umgekehrt. Sie gaben mit knapp 48 Prozent auch häufiger an, die potenziellen Partner in Zukunft gerne wiedersehen zu wollen. Bei den "Sitzenden" waren es nur 43 Prozent.

Leser-Kommentare
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    • 04.06.2009 um 15:03 Uhr

    Wir Zweibeiner lieben Stereotype, wie die imer wieder diskutierten aber ewig mysteriösen Gegensätze zwischen Frau und Mann, weil unser Verstand nun mal mit einfachen Unterscheidungsmerkmalen viel besser zurecht kommt. Die Diskussion lebt auch von Wertungen, das zeigt sich in allen Witzen zum Thema Geschlechter.
    Gerade in den letzten Jahrzehnten, wo es keine klar definierten Rollenbilder mehr gibt, wo die Männer in Mutterschaftsurlaub gehen, und Homosexualität beiderseits offen ausgelebt wird, sehnen wir uns immer noch nach einer klar definierten "Ordnung", die letztlich auch unser Dasein und Tun erklären könnte. Scheinbar wird aber alles noch unendlich komplexer... wie beim Mandelbrot-Fraktal.
    Sollte es jetzt auf die Perspektive ankommen, so erinnert das doch stark an die Quantenphysik, wo das Ergebnis ebenfalls entscheidend vom Blickwinkel abhängt: das Welle-Teilchen-Paradoxon, obwohl kaum zu verstehen, wird inzwischen unangefochten als"wahr" (,weil bewiesen,) betrachtet - und weil wir alle aus diesen kleinsten Teilchen bestehen... ..kommt es vielleicht auch hier, da die Unterschiede hinreichend klein sein mögen, eben immer auf die Perspektive der Betrachtung an.
    Damit sollten wir ganz gut leben können, denn wäre es nicht bald langweilig, wenn man das Handeln des Gegenübers schon aufgrund seines Geschlechtes vorhersehen könnte?

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    Wir Zweibeiner lieben Stereotype, ...

    guter anfang ;-)

    Wir Zweibeiner lieben Stereotype, ...

    guter anfang ;-)

  1. ich finds lustig, dass dieses den Versuch auch mal andersherum anwenden nicht zum standard Vorgehen gehört.

  2. 3. ;-)

    Wir Zweibeiner lieben Stereotype, ...

    guter anfang ;-)

  3. Eine Differenz von 48% zu 43% ist bei der bescheidenen Probandenzahl aber hart am statistischen Rauschen.

    Daher sollte man vorsichtig sein, voreilig daraus Schlüsse zu ziehen. Das fehlt noch die Bestätigung durch weitere Experimente unter gleichen Bedingungen.

    Im übrigen ist es abseits von Speed-Dating und Online-Dating in der Konstellation "Beide sind sich total fremd" eher nicht so, das der Mann den ersten Schritt macht.

    Vielmehr signalisiert die Frau dann durch direkten Augenkontakt ihren Wunsch angesprochen zu werden. Ignoriert Mann das, hat er sich den Korb schon fast sicher abgeholt.

    In der Regel vermeidet Frau bei der Partnersuche allerdings das Fremde und sucht bevorzugt an der Peripherie des eigenen sozialen Umfelds (Freund des Bruders der besten Freundin etc) wo sie entsprechend vorfühlen kann und sich sozial abgesicherte Kontakte leichter herstellen lassen.

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