DFB in Asien Dorthin, woher die Stimmen für die WM 2006 kamen

Über den sportpolitischen Hintergrund der Asienreise, die morgige Aufstellung gegen die Arabischen Emirate und Thomas Hitzlspergers Lektüre. Notizen von der Pressekonferenz

In sportpolitischer Mission unterwegs: Wolfgang Niersbach (links) mit Nan Yong, dem Vize-Präsidenten des Chinesischen Fußballverbands

Großes deutete sich an vor der letzten Pressekonferenz auf der Asienreise der deutschen Nationalmannschaft. Im Saal "Al Ameera" im Hotel Grand Hyatt eingefunden hatten sich: Yousuf Abdallah, Generalsekretär des Fußball-Verbandes der Vereinigten Arabischen Emirate, Wolfgang Niersbach, in gleicher Funktion beim DFB beschäftigt, Joachim Löw, Bundestrainer, Thomas Hitzlsperger, dank seiner Mehrsprachigkeit und Eloquenz so etwas wie der inoffizielle Aktiven-Botschafter des deutschen Fußballs im Ausland sowie Johannes B. Kerner, in Shorts – und damit als einziger in den Außentemperaturen angemessener Bekleidung.

Zu unterzeichnen war von den Generalsekretären ein Kooperationsvertrag zwischen dem DFB und dem Verband der Emirate. Weniger wichtig schien allen Beteiligten dabei der Inhalt (über ihn wurde kein einziges Wort verloren), vielmehr gab die Vertragsunterzeichnung unausgesprochen einen zarten Hinweis auf den Ursprung der gesamten Asienreise: "Inzwischen wissen wir ja, woher die Stimmen kamen, mit der wir die WM 2006 nach Deutschland geholt haben. Es waren acht europäische und vier asiatische", sagte Niersbach. Ausdrücklich nicht sagte Niersbach, dass die Reise in irgendeinem direkten, sagen wir: dankbaren Zusammenhang mit dem Stimmverhalten der asiatischen Verbände stünde. Ausdrücklich sagte er jedoch, dass "wir die vor der WM in Deutschland begonnene internationale Lobbyarbeit fortsetzen wollen und müssen".

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Zu dieser Zeit hatte Löw fast alle Ergebnisse der mannschaftsinternen Lobbyarbeit, was die Aufstellung für das Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am Dienstagabend (20 Uhr MEZ) betrifft, bekanntgegeben. Manuel Neuer wird im Tor beginnen und ("das kann gut sein") wohl durchspielen. Sein Kollege Heiko Westermann von Schalke 04 wird in der Innenverteidigung, Andreas Hinkel als Rechtsverteidiger zum Einsatz kommen, Philipp Lahm rückt somit wieder auf die linke Seite. Weitere Details wurden nicht preisgegeben, nur so viel: Alle Feldspieler werden zum Einsatz kommen, so dass möglicherweise das durch den Wechsel von Mario Gomez nach München im nationalen Bereich gesprengte einstige Stuttgarter Stürmerduo Gomez/Cacao möglicherweise die Chance auf internationale Bewährung bekommt. In jedem Fall wird, nach dem 4:2:3:1-System, in dem Gomez als einzige Spitze etwas verloren schien, gegen die Emirate wieder das bewährte 4:4:2 gespielt.

Unaufgefordert ging Löw noch einmal auf die Leistung seiner Mannschaft gegen China ein: "Ich konnte mit keinem der Mannschaftsteile zufrieden sein. Ich erwarte eine klare Steigerung gegen einen Gegner, der aus meiner Einschätzung stärker ist als die Chinesen", sagte Löw. Seine Spieler, die sich in einer fast eineinhalbstünden Trainingseinheit gestern am frühen Abend erstmals mit den klimatischen Verhältnissen vertraut gemacht hatten, seien hoch motiviert, sich mit einem Sieg nach einer langen Saison in den Urlaub zu verabschieden.

Zum Thema Urlaub hatte Hitzlsperger auch mehreres beizusteuern. Zum einen sei "in der Mannschaft bisher auf dieser Reise noch keinerlei Urlaubsstimmung aufgekommen. Er muss es wissen, wie sich das anfühlen würde, in Dubai, Urlaubsstimmung, schließlich hat er hier, neben drei Trainingslagern mit dem VfB Stuttgart auch schon privat Ferien gemacht. Das reicht, um innerhalb des Teams als "Dubai-Experte" geführt zu werden. Die Freizeiterfahrungen schienen die anwesenden Pressevertreter dann noch mehr zu interessieren, als das nach eineinhalb Tagen in vielfacher Hinsicht erschöpfend behandelt Thema Witterung. Und so empfahl der Kapitän des VfB Stuttgart, souverän hin- und herspringend zwischen der deutschen und – fließend – der englischen Sprache: "Gehen Sie auf den Goldmarkt und schauen Sie sich das Hotel Burj al Arab an – sonst, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen, bleiben Sie in den klimatisierten Räumen."

Gewiss nicht als explizite Empfehlung gemeint, verriet Hitzlsperger, der sich vor kurzem als passionierter Leser der Süddeutschen Zeitung geoutet hatte, auf gezielte Nachfrage auch, womit er sich selbst in eben jenen klimatisierten Räumen beschäftigt: Gestern Abend habe er mit der Lektüre von Jürgen Neffes Buch über Albert Einstein begonnen. Zu spät kam dieser Hinweis für Joachim Löw und Johannes B. Kerner. Sie hatten die Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt bereits wieder verlassen.

 
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