Eltern Mehr Zeit für die Familie

Die Familienministerin will den "Familienzeitkredit" zum Wahlkampfthema machen. Teilzeitarbeit soll attraktiver werden, und das Elterngeld soll flexibler werden

Beruf und die Organisation des Alltags rauben Eltern die Zeit, die sie lieber mit ihren Kindern verbringen würden. Experten haben im Auftrag von Ursula von der Leyen Ideen entwickelt, wie Familien mehr Zeit füreinander finden könnten, vor allem Eltern für ihre Kinder, aber auch Menschen, die für pflegebedürftige Angehörige sorgen wollen. Die Analyse und die Ratschläge des Bundesfamilienministeriums sind heute als Memorandum Zeit für Familie  vorgestellt worden.

Familienforscherin Katharina Spieß von der Humboldt-Universität berichtete während der Präsentation, dass 34 Prozent der Eltern mit jüngeren Kindern gerne mehr Zeit mit der Familie verbringen würden. Besonders betroffen sind allein erziehende Mütter. 50 Prozent von ihnen sind unzufrieden mit der Zeit, die sie für ihr Kind haben.

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Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will in Zukunft Eltern, die aus familiären Gründen vorübergehend aus dem Beruf aussteigen, mit staatlich verbürgten Krediten helfen - mit einem sogenannten "Familienzeitkredit". "Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir nicht nur über Bürgschaften an Unternehmen sprechen, sondern dass wir auch über Bürgschaften für Menschen sprechen", sagte die Ministerin.

Wenn zum Beispiel berufstätige Familien Kinder mit Schulproblemen haben oder Familienangehörige in der Pflege, sollen sie einen solchen Kredit beantragen können. Er soll ähnlich wie der Bildungskredit geregelt werden. Eltern sollen einen langfristigen, sehr zinsgünstigen Kredit erhalten, der Staat würde die Bürgschaft übernehmen. Die Höhe würde sich in etwa an dem Elterngeld orientieren, das maximal 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens beträgt. Die Forderung soll Bestandteil des CDU-Wahlprogramms werden, sagte von der Leyen.

Für die Ministerin wird außerdem das Thema Teilzeit in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen. "Teilzeit in Deutschland ist nach wie vor sehr starr, fast ausschließlich weiblich, 50 Prozent sehen keine Karriere, keine Perspektive", sagte sie. Allerdings müssten familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, die nicht automatisch zum Karriere-Killer werden sollen, "in den Kernbereichen der Unternehmen ansetzen", wie die Experten in ihrem Bericht es formulieren - in der Arbeitsorganisation und der Gestaltung von Arbeitsabläufen. Sozialpartner, die Mitarbeiter und ihre Chefs auf allen Ebenen sind gefragt, flexible Lösungen zu finden.

Darüber hinaus soll das Elterngeld flexibler vergeben werden können. Sodass nach der Geburt ein langsamer Wiedereinstieg in den Beruf in Teilzeit möglich wird und die Aufteilung der Elternzeit unter Müttern und Vätern gerechter gestaltet werden kann. Statt 14 volle Monatsbeträge zu erhalten, soll man in Zukunft bis zu 28 halbe Monatsbeträge oder eine Kombination aus vollen und halben Beträgen nutzen können. Diese Regelung könnten natürlich auch Alleinerziehende nutzen.

Auch im Bildungssystem gäbe es einiges zu tun, meinen die Autoren des Memorandums. Im Leben vieler Menschen gibt es in Deutschland nur eine kurze Zeitspanne, in der sie Kinder planen, nach einer langen Ausbildung und der Qualifizierung im Beruf, aber noch vor der biologischen Altersgrenze. Deshalb wünschen sich die Autoren flexiblere Strukturen im Bildungssystem, sodass junge Menschen auch während der Ausbildung schon Kinder bekommen wollen. Wer dann ausgesetzt hat, sollte auch auf bessere Weiterbildungsangebote zurückgreifen können.

 
Leser-Kommentare
    • Zel
    • 03.06.2009 um 17:18 Uhr

    Das ist wieder ganz großes Kino, was Zensursula da aufführt.

    Zwar hat man dann kurzfristig mehr Zeit für die Kinder, danach dann aber gar keine mehr, denn der Kredit muss ja wieder abbezahlt werden. Ob das nun was nützt?

    Vielleicht sollte man einfach alle Eltern automatisch zu Bundestagsabgeordneten machen? Da fließen die Diäten in Strömen und Anwesenheitspflicht besteht auch nicht-ergo, mehr Kohle und mehr Zeit!

  1. noch herauskommen?

    Vielleicht sollte Mdme v.d.Leyen an einer anderen Stelle den Ansatz machen, eine Möglichkeit für ein harmonisches Familienleben herzustellen.
    Da, wo alle Familien etwas davon haben und wo die Motive, eine Familie zu gründen nicht auf dem Hintergedanken einer finanziellen Absicherung entstehen. SO wird Deutschland auf jeden Fall noch asozialer, als es sowieso schon ist.

    Des Weiteren fördert dies (je nach Personenkreis der antragsberechtigten Empfänger - und ich kann mir nicht vorstellen, daß dies Hartz-IV-Empfänger mit einschließt) die Zerklüftung der Bürger in Müll und Wert.

  2. Diese Idee, die ich heute im Deutschlandfunk ausführlich erörtert bekam, ist wohl wieder nur etwas für die, die sie nicht benötigen.

    Zeit, wie sie dort geborgt werden soll, muss hinterher umso teurer bezahlt werden, denn wenn ich heute von voll auf halb gehe, müßte ich hinterher entweder mit lediglich einem Anteil mehr als bei halb auskommen oder mehr als voll arbeiten und beides ist für die meisten Familien nicht machbar.

    Es hieß in der Schilderung, man könne sich damit die Übergänge von der Kita in die Schule oder von der Grundschule in die nächste Schulform oder zur besseren Betreuung der Pubertierenden oder zur Pflege der Alten nutzen... alles schön und gut, doch meist benötigt man eigentlich all das und hat keine Möglichkeit von dem Vollzeitgehalt, das man nach einer Teilzeitphase wieder erwirtschaftet, hinterher etwas abzuzahlen.

    Ich höre mittlerweile von Mittelstandseltern, dass sie am Zahnersatz sparen oder anderem mehr, das zeigt, dass die Spielräume für die, die sie benötigen, nicht vorhanden sind.

    Meiner Meinung nach ist das ein neuer Schuss in den Ofen oder im besten Falle eine freundliche Form von Politik für die Menschen, die sich im Umfeld der Politikerin aufhalten. Aber nichts für Frau Ottilie N., die vollzeit arbeitet, weil sie als Alleinerziehende oder auch mit Ehemann auf das Gehalt angewiesen ist und nicht für "Spielgeld" arbeitet.

  3. In der Schweiz gibt es einen Gesundheitsclub (GCS), der seit 10 Jahren mit seinem engagierten Präsidenten Josef Rothenfluh erfolgreich versucht, für Gesundheit aufgewandte Zeit zu belohnen und dadurch ein neues Bewusstsein für den Nutzen eigener Achtsamkeit und Weiterentwicklung zu schaffen. Von solchen Beispielen kann jeder lernen und sich Anregungen holen. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  4. Gute Idee, den Familien Zeit zu geben für ihre Kinder. Läuft doch die Familienpolitik im Moment noch in die entgegengesetzte Richtung. Eltern sollen möglichst umfassend dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, dazu die Kinder schnell in Babykrippe, Ganztags-Kindergarten und Ganztags-Schule abschieben.
    Besser wäre es, die immense Leistung gesunder Ehen und Familien für die Gesellschaft durch ein Erziehungsgehalt zu fördern.
    Aber damit die Politik sich wirklich um die nächste Generation kümmert ist ein Familienwahlrecht unbedingt notwendig (d.h. jeder Mensch hat bei Wahlen eine Stimme, ab Geburt). Nur so wird auch an die Folgen der jetzigen Politik für unsere Kinder gedacht.

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    ...und mittel- wie später auch langfristig hinein in Transferleistungen. Wir alimentieren Eltern bereits in einer Weise, die viel Geld kostet und weder Eltern noch Kindern etwas bringt. Nun weiter zu gehen und in diese Schiene noch mehr Geld zu pumpen und vor allem die Frauen aus ihren Berufen zu holen, sehe ich als völlig falschen Weg für die einzelne Familie wie auch wirtschaftlich und auch gesellschaftlich.

    ...und mittel- wie später auch langfristig hinein in Transferleistungen. Wir alimentieren Eltern bereits in einer Weise, die viel Geld kostet und weder Eltern noch Kindern etwas bringt. Nun weiter zu gehen und in diese Schiene noch mehr Geld zu pumpen und vor allem die Frauen aus ihren Berufen zu holen, sehe ich als völlig falschen Weg für die einzelne Familie wie auch wirtschaftlich und auch gesellschaftlich.

  5. ...und mittel- wie später auch langfristig hinein in Transferleistungen. Wir alimentieren Eltern bereits in einer Weise, die viel Geld kostet und weder Eltern noch Kindern etwas bringt. Nun weiter zu gehen und in diese Schiene noch mehr Geld zu pumpen und vor allem die Frauen aus ihren Berufen zu holen, sehe ich als völlig falschen Weg für die einzelne Familie wie auch wirtschaftlich und auch gesellschaftlich.

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