SPD-Antrag Bundestag erlaubt Heroin-Abgabe auf Rezept

Schwerstabhängige erhalten in Zukunft Diamorphin auf Rezept. Mit diesem Abstimmungsergebnis wird ein langer Streit zwischen CDU und SPD beendet

Den Ersatzstoff Diamorphin sollen Menschen in speziellen Einrichtungen unter staatlicher Aufsicht bekommen, wenn sie seit mindestens fünf Jahren opiatabhängig sind, mindestens zwei erfolglose Therapien hinter sich haben und mindestens 23 Jahre alt sind. Dazu wird Diamorphin als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft. Die Union scheiterte mit einem Antrag, zunächst weitere Studien durchzuführen.

Grundlage für die Entscheidung ist eine Studie in Bonn, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln und München von 2002 bis 2006. Mit dem Beschluss ist die Fortführung der nach Studienende weiter betriebenen Heroinabgabe in den sieben Modellstädten gesichert. Die Behandlung mit dem Ersatzstoff Methadon führte in der Untersuchung bei weniger Teilnehmern zu deutlichen Gesundheitsverbesserungen als mit Diamorphin.

Das Gesetz erhielt 349 Ja-Stimmen bei 198 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen. Der Entwurf wurde von Grünen, FDP und Linksfraktion unterstützt. Da sich Union und SPD zuvor nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten, hatten zwei konkurrierende Anträge vorgelegen.

Die Unionsfraktion lehnt die Diamorphin-Abgabe auf Kassenkosten ab und plädiert stattdessen für eine Fortsetzung der seit 2002 in sieben Großstädten laufenden Modellversuche. Allerdings hatten sich mehrere unionsregierte Bundesländer bereits 2007 dafür ausgesprochen, die kontrollierte Diamorphin-Abgabe auf ganz Deutschland auszuweiten.
 

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Leser-Kommentare
  1. Die Grenzen sind enorm niedrig angesetzt...

  2. Gehen die vielleicht leer aus?

    Da sollte doch der Arzt gleich mal "Klosterfrau Melissengeist" verschreiben oder noch besser:

    Warum nicht gleich unvergällten Alkohol - der ist gar nicht so teuer und man kann damit guten Schnaps aufsetzen.
    Schließlich wachsen Heidelbeeren, Brombeeren oder auch Kalmus immer noch auf "freier Wildbahn" - man muss sie nur suchen und finden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...erheblich mehr als wohldosiertes Diamorphin. Und wir wollen doch nicht schaden, sondern helfen, oder?

    ...erheblich mehr als wohldosiertes Diamorphin. Und wir wollen doch nicht schaden, sondern helfen, oder?

  3. ...erheblich mehr als wohldosiertes Diamorphin. Und wir wollen doch nicht schaden, sondern helfen, oder?

  4. ...erschl...en Sie zuerst ihren Arzt oder Apotheker!"

    Ob Drogen, Suff oder Nikotin - all das rafft die Menschheit hin.

    Egal, welche Art von "Gehirnerweichung" das Individuum bevorzugt:

    Es ist selbst daran schuld, wenn es nicht mehr davon los kommt. Die Sucht ist nur das Ergebnis von Reaktionen des Individuums auf seine Umwelt.

    Die Ursachen dafür liegen allein im Persönlichkeitsbild des einzelnen Menschen, dessen Verhältnis zu sich selbst und seiner Umwelt.

    Der Eine wird besser damit fertig - der Andere nicht.

    Die Arten und Weisen, wie man in solche Abhängigkeitsverhältnisse gerät, die sind so unterschiedlich und mannigfaltig, wie die Natur und Gesellschaft sie uns bietet.

    Der Weg zurück ist um so schwerer.
    Wer aber nicht bereit ist, diesen Weg konsequent zu gehen, der mus von der Gesellschaft eben dazu gebracht werden, clean zu werden.

    Wir drücken ja einem Mörder auch nicht wieder eine Waffe in die Hand, mit der Begründung, dass jetzt anstelle von 9 Patronen nur noch 1 Patrone im Lauf steckt, damit dieser so langsam "resozialisiert" wird.

    "Resozialisierung" beginnt nicht damit, die Leute weiter "geregelt vollzupumpen", sondern sie von diesem "Teufelszeug" zu befreien - auch wenn es die erste Zeit sehr unangenehm ist!
    Solange jedoch der Kopf nicht will, solange halten die Leute nur die Hand auf.
    Frei nach dem Motto: "Es wird schon irgendwie gehen!"

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