Kindertagesstätten Ver.di will Streik-Strategie ändern
Die Erzieher und Sozialarbeiter kommunaler Kindertagesstätten streiken auch heute wieder. Bei Eltern wächst langsam der Frust. Ver.di will darauf Rücksicht nehmen.
Mehr als 16.000 Kita-Beschäftigte befinden sich im Ausstand. Schwerpunkt der Aktionen war erneut Nordrhein-Westfalen, wo laut ver.di rund 10.000 Beschäftigte streikten. Landesweit waren 400 Kitas betroffen. Gestreikt wurde nach Gewerkschaftsangaben auch in Hamburg, Niedersachsen, Bremen sowie in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Die Streiks sollen am Donnerstag weitergehen. Nordrhein-Westfalen soll dann erneut im Zentrum des Arbeitskampfs stehen. Um betroffene Eltern zu entlasten, solle der Streik im bevölkerungsreichsten Bundesland dann aber langsam zurückgefahren werden, teilte ver.di weiter mit. Gestreikt werden soll am Donnerstag in NRW, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.
Doch in der dritten Woche der bundesweiten Kita-Streiks schwindet bei vielen Eltern langsam das Verständnis für den Arbeitskampf. "Unsere Solidarität mit den Erzieherinnen kostet unsere Arbeitsplätze", befürchtet Claudia Jansen, die auch am Mittwoch wieder vor verschlossene Kita-Türen in Köln stand und freinehmen musste. "Ich habe schon meinen Sommerurlaub gekürzt, weil ich jetzt kurzfristig wegen der Streiks den Urlaub brauche", klagt auch die Alleinerziehende Bettina Schmoll bei einer Protestaktion im Kölner Rathaus. Ver.di-Landessprecher Uwe Reepen sieht zwar noch die "überwiegende Mehrheit" hinter den Erziehern, kündigt aber an: "Wir werden unsere Streik-Strategie in der nächsten Woche ändern und nicht mehr möglichst flächendeckend, sondern mit Schwerpunkten in einzelnen Regionen streiken, um Eltern zu entlasten."
Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit rund 220.000 kommunalen Kita-Angestellten unter anderem einen tarifrechtlich geregelten Gesundheitsschutz. Gespräche zwischen den Tarifparteien waren in der vergangenen Woche gescheitert.
- Datum 03.06.2009 - 13:06 Uhr
- Serie News
- Quelle ZEIT ONLINE, sp, dpa
- Kommentare 6
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Als Mutter eines Kindergartenkindes möchte ich mich ausdrücklich von Ihrer Aussage distanzieren, dass bei Eltern der Frust wächst.
Wir Eltern haben im Gegenteil großes Verständnis für das Anliegen der Erzieherinnen und Sozialarbeiter und unterstützen die Streikenden. Würde der Streik jetzt abgebrochen, wäre nichts erreicht.
Frust wächst bei den Eltern allenfalls über die Uneinsichtigkeit der Arbeitgeber, die berechtigten Forderungen der Erzieherinnen anzuerkennen.
Zudem betrifft Ihre Behauptung, dass Eltern angeblich überraschend vor verschlossenen KiTA-Türen stünden, höchstens einen Einzelfall.
Die Regel der streikenden KiTAs ist die, dass die Erzieherinnen alles tun, um trotz Streik berufstätigen Eltern das Arbeiten zu ermöglichen. Sie kündigen die Streiktage immer rechtzeitig an und bieten Notbetreuung an.
Es wäre schön, wenn Sie auch darüber berichten würden.
Mit freundlichen Grüßen
Eva Engelken
...Frau Engelken, "Als Mutter eines Kindergartenkindes", Sie vertreten also "die" Eltern. Ts, ts, ts.
...Frau Engelken, "Als Mutter eines Kindergartenkindes", Sie vertreten also "die" Eltern. Ts, ts, ts.
Ich möchte mich ausdrücklich von der Aussage distanzieren, dass die Eltern nach wie vor hinter dem Streik stehen. Ich stehe hinter den Erzieherinnen und ihrem Ansinnen nach besseren Arbeitsbedingungen, aber hinter diesem Streik kann ich nicht stehen. Ein Warnstreik von 2-3 Tage ist in meinen Augen ok. Aber wir haben jetzt die dritte Woche! Zwei Wochen davon war zum Glück Notbetreuung in unserem Kindergarten, aber das ist wirklich Notbetreuung, das ist kein normales Programm, das ist eher Verwahrung. Da hat man ein schlechtes Gefühl sein Kind abzugeben. Gerade die kleineren Kinder leiden sehr darunter, viele nässen wieder ein oder haben Schlafstörungen. Und der Frust der Elternschaft wächst von Tag zu Tag. Gerade auch weil die Informationspolitik sehr zu wünschen übrig lässt. Da steht man dann vielleicht nicht unbedingt vor einer verschlossenen Kindergartentür, aber man ist vielleicht erstaunt, dass plötzlich völlig unbekanntes Personal am Ort ist und das eigene Kind natürlich nicht bei Fremden bleiben mag.
So berechtigt das Anliegen der ErzieherInnen auch sein mag - es wird im Moment ausschließlich auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen. Das hierbei kein Frust entstehen soll ist naiv.
Es wäre schön, wenn darüber mehr berichtet würde und auch, was verhindert, dass die Parteien sich endlich zusammen setzen und eine Lösung finden.
Ich stehe voll und ganz hinter den Forderungen der Erzieher und Erzieherinnen. Es geht hier endlich um eine Qualitätsverbesserung, nachdem in den letzten Monaten und Jahren – endlich! – über die Quantität an Betreuung diskutiert wurde. Dass der Augenblick, kurz vor der Wahl, von Verdi geschickt gewählt ist, spricht nicht gegen die Forderungen.
Warum schreien die Eltern nicht auf?! Gehen wir doch mit unseren Kindern auf die Straße! Die geforderten Verbesserungen für Erzieher (Gesundheitsschutz und bessere Bezahlung) sind in unserer aller Interesse. Wir brauchen GUTE Betreuung für unsere Kinder, kleinere Gruppen, mehr Erzieherinnen. Wer will diesen Beruf unter den aktuellen Bedingungen noch ergreifen? Schon jetzt haben wir massive Nachwuchsprobleme, zu wenig Erzieherinnen.
Wir reden nach PISA über Bildungsaufträge der Kindergärten, in der Diskussion über mehr Krippenplätze geht es um "Krippe = gut" oder "Krippe = schlecht", nie um die Unterschiedlichkeiten dieser und die deren Qualität!
Auch bin bin ziemlich genervt von der Situation: Unsere 4. Tochter besucht eine städtische Krippe. Die Situation ist für berufstätige Eltern sehr belastend und die Geduld von deren Arbeitsgebern schwindet.
Eltern, schreit doch endlich mal auf, damit alle mitbekommen, worum es geht!
Nora Göbel, Wiesbaden
fangen Sie einfach an:
"Warum schreien die Eltern nicht auf?! Gehen wir doch mit unseren Kindern auf die Straße!"
fangen Sie einfach an:
"Warum schreien die Eltern nicht auf?! Gehen wir doch mit unseren Kindern auf die Straße!"
...Frau Engelken, "Als Mutter eines Kindergartenkindes", Sie vertreten also "die" Eltern. Ts, ts, ts.
fangen Sie einfach an:
"Warum schreien die Eltern nicht auf?! Gehen wir doch mit unseren Kindern auf die Straße!"
wird selig sagt man ja so schön. Verdi nimmt auf nichts und niemanden Rücksicht. Jetzt wird bis in den Herbst gestreikt. Instrumentalisiert werden die Kinder und Eltern, sie sollen der gesellschaftliche Hebel sein.
Es gibt sie schon, die Kollateralschäden dieses Streiks. Das sind bspw. alleinerziehende (meistens) Frauen, denen ihr Arbeitgeber bereits zu verstehen gegeben hat, dass es ja jetzt langsam genug sei. Das sind bspw. die Kinder, die nicht wissen woran sie sind und für die das Gezerre in erster Linie Stress ist.
Was machen die Arbeitgeber? Die freuen sich. Die freuen sich, weil sie Geld sparen und einem anderen die Schuld an der Situation gegeben werden kann.
Solange beide Streikparteien von der Situation profitieren, wird sich nichts ändern.
Jetzt könnte man fragen: Warum machen denn die Eltern nichts? Die müssten auf die Barrikaden gehen! Müssten müssten Sie schon, allein: Sie haben keine Zeit. Sie müssen ihren Alltag organisieren - und dazu gehört derzeit leider, dass das Kind heute hier und morgen dort ist.
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