Europawahl David gegen den EU-GoliathSeite 2/2

Sind die Newropeans rechts oder links? „Das balanciert sich aus“, sagt Biancheri ausweichend. Traditionell linke Forderungen wie die nach einer integrationsorientierten Einwanderungspolitik stehen neben eher konservativen Positionen, zum Beispiel einer „privilegierte Nachbarschaft“ mit der Türkei statt einer Vollmitgliedschaft, ebenso aber auch grünen, etwa ein Verbot genmanipulierter Lebensmittel.

Unterstützt wird die Partei vor allem von Akademikern, die einen großen Teil der Parteiarbeit über das Internet erledigen. Auch um Spenden wirbt die Partei online und gelobt, jeden Cent offenzulegen. Die Zahl der Mitglieder ist allerdings äußerst bescheiden: Europaweit sind es gerade mal 500, in Deutschland nur 30. In Italien schaffte sie daher auch nicht die notwendige Zahl der Unterschriften für eine Kandidatur.

Dass auch das Publikum bei den Wahlkampfauftritten an einer Hand abzuzählen ist, schreckt Biancheri nicht. Die etablierten Parteien betrieben schließlich erst gar keinen richtigen EU-Wahlkampf. Er selbst sieht sich als David, der gegen Goliath kämpft: „Das Brüsseler System ist stark, weil es noch nie herausgefordert wurde.“

Dass die Newropeans jedoch Abgeordnete nach Brüssel schicken können, um diesen Kampf endlich aufzunehmen, ist allerdings höchst unwahrscheinlich. In Deutschland dürften sie klar an der Fünfprozenthürde scheitern.

Dagegen wollen sie allerdings in Karlsruhe klagen: Seit das Bundesverfassungsgericht 1979 die Sperrklausel bei der EU-Wahl billigte, habe sich die Struktur der EU schließlich deutlich verändert. Und für Kommunalwahlen sei die Fünfprozenthürde aufgehoben, weil dort keine Regierung bestimmt werde. Das aber, merkt Biancheri an, trifft auf die EU-Wahl auch zu. Zumindest so lange, bis er irgendwann seine Ziele verwirklicht hat.

 
Leser-Kommentare
    • NoG
    • 03.06.2009 um 9:39 Uhr

    "Sind die Newropeans rechts oder links?"

    ehrlich gesagt, finde ich solche schubladen ziemlich uninteressant und nicht sonderlich zeitgemaess. es kommt auf die inhalte an.

    wenn dann solche bewegungen wie diese hier ein ueberschaubares programm haben und fuer ihre 3-4 ziele standhaft einstehen, sind sie allemal berrechenbarer als die etablierte parteiensuppe welche mit ihren parteiprogrammen den anspruch erhebt die ganze welt zu verstehen und bei der erstbesten gelegenheit ihr halbes parteiprogramm mit dem programm ihres strategisches partners verschmelzt, so dass niemand mehr weiss wofuer diese verbindung dann eigentlich noch steht.

    "Demokratisierung der Union" klingt ja schon mal so gut, das man darueber nachdenken koennte hier sein kreuz zu machen.

    • HBogon
    • 03.06.2009 um 10:10 Uhr

    Hier scheint mir der Hinweis zu fehlen, dass Franck Biancheri auch für das GlobalEurope Anticipation Bulletin (GEAB) und für folgende Site verantwortlich zeichnet:

    http://www.leap2020.eu/GE...

    Die dort veröffentlichten Analysen zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sind z.T. sehr interessant und zumindest wichtige Beiträge im Spektrum der veröffentlichten Meinungen bzw. Analysen.

    Dass eine Demokratisierung der EU zwingend erforderlich und lange überfällig ist, sollte jedem politisch Interessierten klar sein. Derzeit hat die EU vornehmlich die antidemokratische Aufgabe, wirtschaftspolitische Vorgaben durchzusetzen, die die lokalen Regierungen nicht anpacken können oder wollen (Wählerstimmen etc.).

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    • tommo
    • 03.06.2009 um 10:26 Uhr

    Wobei zum letzten Absatz noch anzumerken ist, dass die Gesetze aus Brüssel häufig vorher im Ministerrat von der genau der Regierung beschlossen wurden, die hinterher sagt "Wir können nichts für das Gesetz. Das kommt ja aus Brüssel"

    Das ist auch der Hauptgrund für das schlechte Image der Union

    • tommo
    • 03.06.2009 um 10:26 Uhr

    Wobei zum letzten Absatz noch anzumerken ist, dass die Gesetze aus Brüssel häufig vorher im Ministerrat von der genau der Regierung beschlossen wurden, die hinterher sagt "Wir können nichts für das Gesetz. Das kommt ja aus Brüssel"

    Das ist auch der Hauptgrund für das schlechte Image der Union

    • tommo
    • 03.06.2009 um 10:26 Uhr

    Wobei zum letzten Absatz noch anzumerken ist, dass die Gesetze aus Brüssel häufig vorher im Ministerrat von der genau der Regierung beschlossen wurden, die hinterher sagt "Wir können nichts für das Gesetz. Das kommt ja aus Brüssel"

    Das ist auch der Hauptgrund für das schlechte Image der Union

    Antwort auf "Ergänzung"

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