Mesut Özil hielt es nicht mehr auf der Bank. Nervös tänzelte er am Spielfeldrand von einem Bein auf das andere und tippte immer wieder mit der rechten Hand auf sein linkes Handgelenk. Er signalisierte dem Schiedsrichter: Mensch, schau auf deine Uhr, pfeif endlich ab! Nach gut vier Minuten Nachspielzeit hatte der Unparteiische ein Einsehen. Özil, der drei Minuten vor Schluss ausgewechselt worden war, riss die Arme in die Höhe und rannte los.

Auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions tanzten, hüpften und sprangen sein Mitspieler wild durcheinander – Özil mitten unter ihnen. Soeben hatte Werder Bremen Bayer Leverkusen 1:0 besiegt und zum sechsten Mal den DFB-Pokal gewonnen. Özil war der entscheidende Spieler. Er hatte mit seinem Tor in der 58. Minute dafür gesorgt, dass Werder eine mäßige Saison wenigstens erträglich abschloss und nächstes Jahr in der Europa League spielen darf.

Vor dem Endspiel war über Werders Star Diego berichtet worden und wie gerne er sich nach drei Jahren an der Weser mit einem Titel zu Juventus Turin verabschieden würde. Dass ihm nun Özil diesen Wunsch erfüllte, hätte nicht schöner passen können. Die Bremer verpflichteten im vergangenen Jahr den deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln von Schalke 04, damit er eines Tages den Brasilianer als Spielmacher ablösen kann. Bislang stand der scheue Özil aber immer in Diegos Schatten. Doch gerade in dessen letztem Spiel zeigte Özil, dass er bereit ist, Diegos Rolle auszufüllen. "Ich denke, ich kann in Diegos Fußstapfen treten", sagte Özil selbstbewusst, der nach dem Spiel der gefragte Mann bei den Journalisten war.

Diego ließ sich tief unten im Bauch des Olympiastadions nicht bei den Medienvertretern blicken. Dafür war auf dem Feld um so mehr vom scheidenden Brasilianer zu sehen. Özils Tor bereitete er auf solch elegante Weise vor, die ihn zu einem der begehrtesten Spieler in Europa werden ließ. Den Ball eng am Fuß führend, dribbelte er auf zwei Leverkusener zu und passte im perfekten Moment auf Özil, der sich auf der linken Seite freigelaufen hatte. Aus spitzem Winkel zog er ab. Leverkusens Torwart René Adler tauchte nach links, doch der abgefälschte Schuss flog rechts an ihm vorbei.

"Ich hatte ein bisschen Glück", gestand Özil, der sich für die "super Vorlage von Diego" bedankte. Die Freude über das gewonnene Pokalfinale half ihm auch, über das verlorene Endspiel im Uefa-Cup vor zwei Wochen gegen Donezk hinwegzukommen. Es sollte sein Abend werden, in Istanbul, der Stadt, aus der seine Familie stammt. Er sollte den gesperrten Diego ersetzten und Werder zum Sieg führen, doch daraus wurde nichts. "Jetzt ist Istanbul abgehakt", sagte Özil.