Medien Und, wer bezahlt Journalismus?
Gute journalistische Recherche kostet oft viel Geld. Dass in der Krise weniger dafür ausgegeben wird, ist kein Phänomen der Onlinemedien allein.
Neulich haben zwei Polizisten in Seattle ein Mädchen in der Zelle verprügelt. Der Vorfall wurde von einer Sicherheitskamera aufgenommen, das Band aber blieb unter Verschluss. Bis eine Polizistin den Seattle Post Intelligencer informierte und die Zeitung eine Anfrage nach dem Freedom of Information Act einreichte, jenem Gesetz, das es den Bürgern erlaubt, Regierungsdokumente einzusehen. So kam es raus.
Zwei Wochen später wurde der Seattle Post Intelligencer eingestellt; es gibt ihn nur noch online, mit 20 Redakteuren. Haben die noch Zeit, FOIA-Anfragen zu stellen? Denn so was kann ganz schön aufwendig sein, wenn die Behörde behauptet, sie finde die Information nicht oder sie sei vertraulich. Und Onlinezeitungen haben nicht viel Geld. Denn Anzeigenkunden glauben, dass News-Seiten bestenfalls zwischen E-Mail-Checken und Frühstücksfernsehen überflogen werden, deshalb zahlen sie für eine Onlineanzeige nur zehn Prozent vom Printpreis.
Aber noch dramatischer ist, dass die Nachrichten "entbündelt" werden, wie es David Cohn nennt, der Gründer des Journalistenportals Spot.us. Bislang sind viele große Zeitschriften Wundertüten mit Witzseiten, Horoskop und Rezepten, die billig sind und gerne gelesen werden, mit Fotostrecken von Stars, die Geld bringen, weil dort Chanel, Rolex und Prada werben. Dazu kommen die politischen Hintergrundberichte.
Und dann gibt es noch den einen Artikel, für den ein Team wochenlang gearbeitet hat – über die Krise der Wall Street, einen spektakulären Kriminalfall, über Pillen, die krank machen. Diese Geschichte kostet viel mehr, als sie an Werbung bringt. Aber ihretwegen wird das Heft gekauft, und dann gucken die Leser auch auf die Anzeigen (theoretisch).
Im Internet funktioniert das nicht mehr. Wer lesen will, wie viel Geld Lobbyisten von AIG an den Kongress gegeben haben, klickt noch lange nicht auf die Fotostrecke mit Paris Hilton. Das ist der Kern der Krise.
Der letzte gut recherchierte Artikel aus Amerika in einem deutschen Blatt, an den ich mich erinnern kann, stand vor einem halben Jahr im Spiegel. Zwei Redakteure waren John McCain gefolgt, drei Wochen, durchs ganze Land. Aber derart originäre Texte sind teuer. Gefragt ist schnell und billig. Ich musste einmal, von einem Tag auf den anderen, ein Porträt von Wendi Murdoch schreiben, der dritten, chinesischen Frau von Rupert Murdoch. In der kurzen Zeit war es unmöglich, sie zu treffen. Aber kein Problem – über Wendi gab es mehr als 5000 Artikel im Internet. Originäre Recherchen waren davon: drei. Eine in der New York Times, eine im Wall Street Journal, neben der Times eines der wenigen Blätter, das sich noch große Redaktionen, auch im Ausland, leistet. Für eine Printausgabe.
- Datum 05.06.2009 - 07:14 Uhr
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Oh mein Gott, bettelt die Zeit etwa mit diesem Artikel nach Geld?
Nun, es gibt eine Loesung auf dieses Problem. Nennt sich objektive Presse! Pressefreiheit etc.....wie das helfen kann, nun, wenn man sowas wie eine Plattform aufbaut wo der Konsument/Leser Geld dafuer hergibt, dann werden die Journis davon leben koennen.
Die Konsequenz daraus waere die Befreiung der Journalisten, sprich man haette keine Redaktionen mehr wie man sie kennt!
Ich stelle mir das so vor:
Ich logge mich auf der Plattform an! Suche eine Stadt aus, nehmen wir mal Hamburg als Beispiel, dann habe ich so und soviele Journalisten die dort Artikel zu den Themen geschrieben haben, die sich um oder in Hamburg abspielen bzw. Ich finde Journalisten die ueber dies und das berichten. Ich klicke einen an.
Um mich einzuloggen habe ich ein Passwort. Ich zahle Betrag X auf das Konto dieser Plattform ein um dort lesen zu koennen. Die Journalisten welche die meisten Klicks haben, duerfen dann von dem Gesamtertrag auch am meisten abhaben....man kann auch eine Mindestentlohnung ausmachen...mir egal!
Die journalistische Arbeit wird gewuerdigt und koennte eventuell mehr Schub kriegen.
Was dazu noetig ist....jemanden mit Kenntnissen in Onlinebanking, Programmierer und mindestens zwei Journalisten! Kriegt ihr sowas nicht auf die Beine? Das koennte sogar mein 6 jaehriger Sohn programmieren. (Chines. Studenten sind auch sehr begabt)
Das waere dann sowas wie ne Art globale Informationsquelle! Natuerlich auch kopierbar!
Klingt doch super....klappt aber nicht...weil 2 die Journalisten untereinder der Konkurrenz ausgesetzt waeren, sprich sich ihr Geld erarbeiten muessten!
S.H.
Na, dann machen Sie das doch. Wenn so eine journalistische Plattform wirklich eine einfach zu betreibende garantierte Einnahmequelle ist, warum warten Sie darauf, dass jemand anders in Vorleistung geht?
Na, dann machen Sie das doch. Wenn so eine journalistische Plattform wirklich eine einfach zu betreibende garantierte Einnahmequelle ist, warum warten Sie darauf, dass jemand anders in Vorleistung geht?
und es sind einge interessante Fakten früher schon genannt worden,
z. B., dass die Käufer einer Printausgabe im Grunde nur Papier, Druckkosten und Versand ff zahlen,
das Budget der Journalisten finanziert sich über Werbung.
Nun zahlt ie Werbeindustrie angeblich nur 10% der Summen in Printausgaben, das mag sein, aber ist kein Grund, jetzt der Werbung hinterherzulaufen.
Was nämlich AUCH immer wieder deutlich wird ist, dass KEIN Kommentator in JEDER Diskussion im Prinzip ablehnt, für guten Journalismus auch gutes Geld zu zahlen.
Und natürlich auch etwas mehr, wenn auf lästige Werbung verzichtet wird.
Online-zeitungen sind rundum besser für wirklich interessierte Leser - wer in der U-Bahn oder auf dem Klo lesen muss, hat eine andere Lesart. Ich persönlich habe mir angewöhnt, gleiche Themen gleichzeitig in verschiedenen Zeitungen zu lesen und zu vergleichen, ich kopiere sehr oft interessante Artikel oder Teile davon usw.
All das ist bei Printausgaben nicht möglich.
Von der Umweltbelastung durch die verschwendeten Papierberge noch gar nicht zu reden!!
Also: Ein vernünftiger Preis (der ja wirklich minimal ist, da macht es die Menge der Leser),
nach Bedarf etwas mehr, wenn man Werbung nicht möchte (technisch ist das überhaupt kein Problem)
keine Umweltverschwendung und -verschmutzung,
und ich (und IMHO alle Anderen!) zahlen gern für gute Recherchen.
Aber bitte kein Jammern über die achsoschlimmen Zeiten des online-Journalismus!
Oder gar Einreden von "schlechtem Gewissen"!
So etwas zu liefern ist immer noch genau so freiwillig, wie es das Lesen der Artikel ist!
Sehr gut, dass wir mal offen darüber reden. Vielen Dank für diese Offenheit!
Ich frage mich, wo die ganzen Geschichten sind, die Sie da beschreiben. Ich würde jede einzelne liebend gerne lesen. Wenn es ein leidlich bedeutendes Blatt gäbe, was solche Themen richtig anpackt, dafür würde ich sogar etwas bezahlen (und mein Internet hat keine Werbung).
Tatsächlich finden sich diese Geschichten aber fast ausschließlich in Blogs und anderen Orten im Internet. Zum Georgienkrieg gab es auf Zeit-Online gepflegte Desinformation aus dem Reuters-Channel. Die Berichterstattung zu aktuellen Krisen wie Pakistan spiegelt auch nicht wieder, was man dazu wissen und sagen könnte. Dafür muss man wirklich kein Geld bezahlen.
Ich sehe das etwas Realisticher, die Presse als Medium sollte von einem unabhängigem neu gegründetes Instutition zum Hoheits gebiet erklärt werden so das nur diese Nachrichten Agenturen als mitglieder unabhängige Nachrichten Berichten können, Um unabhängige Nachrichten zu Rescherchieren sollte ein System eine unabhängige Institution aufgebaut werden, ein system ähnlich wie bei den Krankenkassen, jedes Nachrichten Agentur als mitglied bezahlt einen beitrag in einem Topf und dieses geld würde dan für die Journalisten zur verfügung stehen, Ich denke das würde die Nachrichten agenturen und Journalisten erheblich entlasten und trotzdem unabhängig voneinander Nachrichten Recherschieren.
Dem Journalismus ist es egal, ob er geprintet oder virtuell online ist. Dadurch wird er weder besser noch schlechter. Online hat die Misere nur verschärft.
Wenn es denn überhaupt noch richtigen Journalismus gäbe. Aber im Heuschreckenzeitalter sind auch Redaktionen endgültig nur noch Profitcenter; und oben sitzen Befehlshaber, die heute Autos und morgen "Journalismus" und übermorgen High-Tech-Produkte verkaufen - immer mit null eigenem persönlichen Bezug zur Materie (deshalb ist ja auch Märklin kaputtgegangen; die Gelder flossen, soweit man es mitbekam, schnurstracks zu dubiosen U-Beratern, die sicher mit den neuen Investoren nicht schlecht bekannt waren, und von den Produkten und der Klientel nullkommanull Ahnung hatten).
Das scheint mir eines der Hauptkriterien für den Niedergang des Journalismus und ehemals renommierter Blätter: An ihren Spitzen stehen Leute, die kein Herzblut für das Metier haben. das MUSS schiefgehen. Null Idealismus ist für jede Branche tödlich, über kurz oder lang.
Was ist denn überhaupt Journalismus? Weiss doch eh keine S.... mehr, interessiert auch keinen mehr, die nachfolgenden heute aufwachsenden Menschen eh nimmer. Da ist es wie mit den echten Erdbeeren und echtem gutem Brot: Was ich nie kennen gelernt habe, vermisse ich nicht. Aber gut, soooo weit her wars "früher" mit dem echten kritischen Journalismus auch nicht. Deutschland war nicht eben die Wiege des investigativen Journalismus, wenn ich nicht irre.
Und zur Abhängigkeit von Anzeigen: Die Anzeigenkunden würden auch in kritischen Blättern inserieren, wenn man ihnen Rückgrat zeigt; aber eine breie funktionierende Phalanx gegen Einflussnahme gabs noch nie. Die gesamte Fachpresse ist sowieso fast 100% abhängig. Wenn die SZ mal trotz Anzeigenentzug durch Aldi heroisch standhaft blieb und über den Billigheimerladen weiter kritisch schrieb, und der dann doch wieder zurückkam mit seinem Anzeigenbudget, weil man ja seine Artikel kaufen soll, dann ist das leider, leider nur die Ausnahme, die den ganzen Rest der Kuscher bestätigt.
Das im Artikel beschriebene Problem sehe ich als das echte Problem an, das die Presse hat - und somit auch die Gesellschaft.
Die (polemische) Diskussion Online-Print wird vorübergehen und ist vor allem dadurch geprägt, dass der Wandel immer Machtstrukturen verändert und dies den Eingessenen natürlich nicht passt. Es ist müßig darüber zu diskutieren und verdeckt das wirkliche Problem: Die Presse ist nicht mehr die 4. Macht im Staat - man kann natürlich streiten, ob sie das je war ;)
Das korreliert mit dem Unvermögen und v.a. Unwillen der Medienkonzerne bzw. deren Besitzer, auf Geld zugunsten von echter journalistischer Arbeit zu verzichten. Und dieser Unwillen besteht nicht erst seit dem Siegeszug des Internets.
Daraus leitet sich die Frage ab, ob es alternative Organisationsformen gibt, die die Aufgabe übernehmen können, gut recherchierte Artikel zu schreiben. Im aktuellen Hype fällt da einem sofort der Blogger ein. Um es vorweg zu nehmen: Ich denke nicht, dass "der" Blogger das schaft. Es gibt hervorragende Blogger, scharfsinnig, objektiv, an Aufklärung interessiert, weit besser als der Durchschnitt von dem, was sich Journalist schimpft. Sie verstehen es auch gründlich zu recherchieren - mit einer Einschränkung: Im Internet.
Das reicht aber für eine Recherche nicht aus womit sich alles auf den schnöden Mammon reduziert. Geld wird benötigt, um zu recherchieren, sei es für die Arbeitszeit, für Flüge und Hotelaufenthalte oder für Abwehrschlachten gegen Einflussnahme von Politik/Unternehmen. Dies lässt sich nicht ehrenamtlich als Blogger erledigen.
Daher eine Bitte an alle, die das Thema diskutieren: Fokussiert euch nicht auf Online-Print oder Journalist-Blogger. Das sind Themen die ihren Treibstoff dadurch erhalten, dass die einen ihre Macht verlieren und die anderen ihre Chance wittern.
Wichtiger und sogar essentiell ist es Möglichkeiten zu finden, wie wir das Investigative und Objektive wiederbeleben und woher die Mittel dafür stammen.
Leider hat die Autorin recht, wenn sie schreibt "Wenn es möglich wäre, mit Recherchen im Internet Geld zu verdienen, täte es längst jemand"
Einflussnahme auf Medien läuft nicht aufs Geradewohl, sondern strategisch geplant ab. Es soll ja Medien geben, wo, so munkelt man, der entsprechende Industrievertreter right away in der Redaktion installiert wird, an leitender Stelle, und fortan etwa die staatliche Rente niederschreibt, wenn es sich um einen Versicherungs-"agenten" handelt, etwa. Oder Esoterikkreise sollen sich auch schon mal in renommierte, für kulturell hochstehend gehaltene Blätter einmischen. Munkelt man. Wenn man manchen gequirlten Sch... liest, kann man es kaum abstreiten. Kann natürlich auch alles gelogen sein. Weiss mans? Man weiss nix. Und was man weiss, sollte man besser weder sagen noch keinesfalls schreiben.
Die Presse deckt Einflussnahmen in der Politik auf, etwa - so munkelt man - wenn Industrievertreter right away Gesetze schreiben, die dann nur noch abgenickt werden. Aber wer deckt die Einflussnahmen auf die Presse auf? Kritische Fragen kommen hier von etlichen Bloggern. Vielleicht ist das die Daseinsberechtigung der nicht-trivialen Blogger - eine 5. Gewalt sogar, aber Moment: die 5. ist schon besetzt, allgemein bekannt als die Lobby. Wenn wir nun noch einen Schritt weitergehen, müssen wir uns fragen wer die Einflussnahmen auf die Blogger aufdeckt. Eventuell sogar wir Kommentatoren?
Vielleicht ist aber niemand an der Aufklärung interessiert. Die Art der Mediennutzung und die Art der Medien, die genutzt wird, lässt diesen Schluss leider plausibel erscheinen.
Die Presse deckt Einflussnahmen in der Politik auf, etwa - so munkelt man - wenn Industrievertreter right away Gesetze schreiben, die dann nur noch abgenickt werden. Aber wer deckt die Einflussnahmen auf die Presse auf? Kritische Fragen kommen hier von etlichen Bloggern. Vielleicht ist das die Daseinsberechtigung der nicht-trivialen Blogger - eine 5. Gewalt sogar, aber Moment: die 5. ist schon besetzt, allgemein bekannt als die Lobby. Wenn wir nun noch einen Schritt weitergehen, müssen wir uns fragen wer die Einflussnahmen auf die Blogger aufdeckt. Eventuell sogar wir Kommentatoren?
Vielleicht ist aber niemand an der Aufklärung interessiert. Die Art der Mediennutzung und die Art der Medien, die genutzt wird, lässt diesen Schluss leider plausibel erscheinen.
Man kann in der Tat sagen, dass das Internet so ziemlich alles überflüssig machen wird, was man heute noch unter dem Begriff "Zeitung" versteht.
Es braucht halt nicht in jedem Recklinghausen 3 Zeitungen.
Aber ich glaube, wenn sich nach dem großen Sterben neue mächtige "Player" gebildet haben, wird man auch Geld für Stories ausgeben müssen. Es dauert nämlich auch nicht mehr lange, bis das 2.0 Internet seinen Reiz verloren haben wird. Und dann braucht es halt Content, der nicht von LonelyGirls kommt.
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