Opel-Rettung Magna steigt bei Opel ein

Job-Garantien gibt es nicht, doch ist für Opel die Rettung unter dem Magna-Dach nah. Die beteiligten Parteien haben sich auf ein Rettungskonzept geeinigt

Rettung in Sicht: Finanzminister Steinbrück (M.) verkündet Details. Koch (Hessen, CDU) ist zufrieden, Wirtschaftsminister Guttenberg (CSU) nicht

Rettung in Sicht: Finanzminister Steinbrück (M.) verkündet Details. Koch (Hessen, CDU) ist zufrieden, Wirtschaftsminister Guttenberg (CSU) nicht

Die vorläufige Rettung von Opel mit Hilfe des Zulieferers Magna umfasst keine verbindlichen Absprachen zu den rund 26.000 Arbeitsplätzen des Autobauers in Deutschland. Eine entsprechende Vereinbarung wäre EU-rechtlich nicht zulässig gewesen, hieß es aus Regierungskreisen am Samstag in Berlin. Der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna spreche jedoch in seinem Konzept von einem Abbau von 11.000 Arbeitsplätzen bei General Motors Europe. 2500 Stellen sollen demnach in Deutschland wegfallen.

Wie viele Arbeitsplätze jedoch tatsächlich gefährdet seien, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Dies werde Magna in den kommenden Wochen untersuchen. Jedoch habe Magna zugesichert, alle vier Opel-Standorte in Deutschland zu erhalten.

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Am Samstagmorgen war bekannt geworden, dass der angeschlagene Autobauer Opel einer Rettung nahe ist . "Ich kann ihnen sagen, dass eine Lösung gefunden worden ist, um Opel aufrecht zu halten", sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) nach dem Spitzentreffen im Kanzleramt. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg äußerte zwar Bedenken, will die erzielte Lösung aber dennoch mittragen. Nach mehrstündigen Verhandlungen hatten sich Bundesregierung, Länder, US-Regierung und der Mutterkonzern General Motors (GM) darauf geeinigt, dass die europäischen GM-Aktivitäten mit Opel vom österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna übernommen werden sollen. Flankiert wird das von einem Überbrückungskredit an Opel von 1,5 Milliarden Euro, den der deutsche Staat absichert und zu dem auch Magna beiträgt.

Der Chef von General Motors Europe, Carl-Peter Forster äußerte sich erfreut über die Vereinbarung und sagte, für ihn sei Opel damit "im Moment absolut gerettet". Er schränkte dann aber ein: "Wir haben den ersten Schritt getan in eine neue Zukunft, aber die Zukunft ist noch nicht da." Noch gebe es nur eine Absichtserklärung, unterschriftsreif seien die Verträge noch nicht. Magna-Co-Chef Siegfried Wolf bekundete die Absicht, alle vier deutschen Opel-Werke sowie so viele der 25.000 Stellen dort wie nur möglich zu erhalten. Wolf rechnet mit der Unterzeichnung der Verträge, mit denen Magna und seine russischen Partner bei einer Minderheitsbeteiligung von GM selbst Opel übernehmen wird, in vier, fünf Wochen. Abgeschlossen sein dürfte die Transaktion nach seiner Einschätzung in etwa zwei Monaten.

Der vom Bund und den vier Bundesländern mit Opel-Standorten garantierte Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro an Opel stehe, sagte Steinbrück. Mehr Geld gebe es nicht. Magna selbst werde im Rahmen dessen bei kurzfristig nötigen Finanzmitteln - hier stand eine Summe von bis zu 350 Millionen Euro im Raum - für Opel mithelfen. Zudem müssen noch in den beiden Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen die Haushaltsausschüsse zustimmen, was am Sonntag geschehen soll.

Leser-Kommentare
    • peto1
    • 30.05.2009 um 8:55 Uhr

    Betriebsbedingte Kündigungen in Bochum werde es nicht geben, sagte nach dem Treffen Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.
    Müssen die bei opel jetzt neuen arbeitsvertrag mit magna machen zu anderen Konditionen, oder bleibt alles beim alten?.

  1. Es lässt mich der Gedanke nicht los, dass hinter der unterschiedlichen Behandlung der beiden failed companies durch unsere Interventionspolitiker vor allem ein gutes Stück typischer Sexismus steckt: Hier der Opel-Arbeiter, männlich, traditioneller Versorger der deutschen Kleinfamilie ... dort: Karstadt-Verkäuferinnen, im schlimmsten Falle alleinerziehend. Das hätten die sich halt früher überlegen müssen, gelle?

    FLUCTUAT NEC MERGITUR

  2. Wohin soll das führen? Die Absatzkrise der Automobilindustrie und die Umweltproblematik haben gezeigt, daß das Konzept des motorisierten Individualverkehrs am Ende ist - und doch wird nun mit Steuergeld eine Industrie am Leben gehalten, die in ein paar Jahren wieder am Ende sein wird - nachdem Magna und die russischen Investoren kräftig Gewinn abgezogen haben werden.

    Sinnvoller wäre eine geordnete Insolvenz und ein Umbau in zukunftsorientierte Produktionsweise von zukunftsorientierten Produkten - zu tun gibt es genug, vom Elektrofahrzeug, regenerierbarer Stromerzeugung zu umweltfreundlichen Gebäudefertigteilen gäbe es genug Ideen.
    Nun also weiter mit veralteten Produkten, der Steuerzahler steht ja dafür gerade, und die neuen Ideen müssen warten.
    Schade.

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    Wie kann, wenn Magna Gewinne abschoepfen wird, Opel in ein paar Jahren am Boden liegen?

    Wie kann, wenn Magna Gewinne abschoepfen wird, Opel in ein paar Jahren am Boden liegen?

  3. Wie kann, wenn Magna Gewinne abschoepfen wird, Opel in ein paar Jahren am Boden liegen?

    • domit
    • 30.05.2009 um 10:53 Uhr

    Dank der Insolvenzverschleppung sind die Gläubigerbanken gerettet und endlich können auch die Provisionen fliessen ( z.B. an den russischen Gesandten Schröder? ).

  4. Hinter Magna steht russisches Kapital. Die Russen wollen die Technik und Patente von Opel um ihre Schrottwerke in Russland zu modernisieren. Opel Europa könnte so zur Ader gelassen werden. Für mich ist auf Russland kein Verlass. Was ist besser Opel aufzulösen und Arbeitslosenhilfe zu zahlen oder so Russlands Autoindustrie zu modernisieren mit der Hoffnung Opel zu erhalten. Nun, im Wahljahr können die Politiker keine klaren Gedanken fassen, da sie meinen auf Stimmenfang gehen zu müssen. Vielleicht geht’s aber trotzdem gut!

    • medwed
    • 30.05.2009 um 11:19 Uhr

    Dass GAZ bei Opel nur deswegen einsteigen will, um Gewinn abzuziehen, ist eine Behauptung ohne jede Grundlage und belegt höchstens die absolute Unkenntnis über Russland und den russischen Automarkt. Die Beweggründe von GAZ sind ganz anderer Natur. Seit Jahren schon sucht man in Russland händeringend nach einem Weg, die desolate einheimische Autoindustrie wieder auf Vordermann zu bringen. Es ist dies nicht bloß eine wirtschaftliche, es ist dies auch eine staatspolitische Frage. Die Produktionsstätten ausländischer Hersteller werden dabei nicht als „einheimisch“ angesehen. Es sollte eine Marke sein, zu der man „nascha“ – unsere – sagen kann. Mit eigenen Kräften ist das nicht zu schaffen. Die Mittel wären zwar vorhanden, aber es fehlt das Können und das Wissen – und mit den immer schneller werdenden Innovationszyklen hat man sich noch weiter vom Stand der Technik entfernt. Aufholen ist illusorisch und steht auch der russischen Mentalität entgegen.
    Mit Opel sieht man eine Gelegenheit, zumindest teilweise wieder „nasch“ sagen zu können zu einem Produkt, auf das man zu Recht stolz sein darf und das Weltmarktniveau hat. Und man hofft, den Produktionsstätten wieder zur früheren, großen Bedeutung verhelfen zu können. Insbesondere in Nizhny Novgorod, wo die GAZ-Werke einst ähnlich dominant waren wie VW in Wolfsburg. Man dachte vor einem Jahr, Oleg Deripaska würde das schaffen, aber der alte Chrysler Sebring, der nun dort mit ausrangierten, amerikanischen Produktionsanlagen unter dem Namen Siber gefertigt wird, ist eine Totgeburt. Der alte Wolga hatte irgendwie noch nostalgischen Charme, aber einen alten Chrysler will niemand haben.
    Opel wäre da ein ganz anderes Kaliber. Opel hat in Russland ein extrem gutes Image als solides Fahrzeug von höchster Qualität, das erst noch Spitzentechnologie vorweisen kann. Entsprechend sind die Verkäufe in den letzten Jahren nachgerade explodiert. Opel wuchs in den letzten Jahren in Russland von allen Automobilanbietern am stärksten.

  5. ist es möglich, daß sich einige russen gerne einen opel kaufen möchten, zumal im
    stärkeren, aktuellen insignia-diesel sogar biturbotechnologie steckt, wie bei bmw.
    nachdem die russen schon damit abgeblitzt sind, im energieendkundengeschäft, an eon und konsorten vorbei, in d. tätig werden zu dürfen, stimmt es sie ja vielleicht milde, wenn russische unternehmen im modernen autobusiness beteiligt werden.

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