Taliban Pakistan ist im Kriegszustand
Armee und Regierung Pakistans haben begriffen, dass die Taliban zu einer ernsten Bedrohung geworden sind. Der Westen sollte sich jetzt um die Flüchtlinge kümmern. Kommentar

© Paula Bronstein /Getty Images
Kinder warten auf das Essen im Yar Hussain-Lager im pakistanischen Swabi: Drei Millionen Menschen sind wegen des Krieges gegen die Taliban auf der Flucht
Pakistans Armee hat den Sieg über die Taliban im Swat-Tal verkündet. Es gibt keine unabhängigen Quellen, die das bestätigen könnten. Doch ist klar, dass die Armee diesmal massiv eingegriffen hat. Der "Sieg" im Swat-Tal ist eine weitere Runde in dem nach den Attentaten des 11. September von den USA ausgerufenen Krieg gegen den Terror.
In diesen sieben Jahren hat sich der Krieg in der Grenzregion mit Afghanistan ausgebreitet und an Intensität zugenommen. Und immer noch ist kein Ende absehbar. Ein Sieg, wie ihn die pakistanische Armee jetzt verkündet hat, ist nicht nur in weite Ferne gerückt, es ist auch unklar, wie so ein Sieg aussehen könnte. Als sich die USA, und mit ihr die Nato, zur Intervention in Afghanistan entschlossen, da war viel von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten die Rede. In der Öffentlichkeit entstand der Eindruck, man könne ein von 30 Jahren Krieg verwüstetes Land in wenigen Jahren wieder aufbauen und in eine blühende, demokratische Landschaft verwandeln.
Davon ist man lange abgerückt. Halbwegs stabil, halbwegs unter Kontrolle, halbwegs frei von Taliban und al-Qaida – damit wären Washington und seine Verbündeten in Afghanistan schon zufrieden. Selbst diese Minimalziele sind aber nur erreichbar, wenn Pakistan auf der anderen Seite am selben Strang zieht.
Das ist durchaus möglich. Pakistans Armee und Regierung haben begriffen, dass die Taliban zu einer ernsthaften Bedrohung für die Stabilität des gesamten Staates geworden sind. Deshalb die Härte ihrer Offensive. Wie Ernst die Extremisten es meinen, zeigten sie der Armee mit dem Selbstmordattentat in Lahore, das über 30 Menschen das Leben kostete und mit der Entführung von Hunderten Studenten in der Grenzregion zu Afghanistan.
Und dabei wird es nicht bleiben, Pakistan ist im Kriegszustand. Der Westen ist gut beraten, sich endlich militärisch zurückzuhalten. Nur wenn die Pakistaner das Gefühl haben, dass sie um die Existenz ihres Staates und nicht im Interesse der USA kämpfen, besteht die Hoffnung, dass sie diesen Krieg gewinnen können. Der Konflikt muss in diesem Sinne regionalisiert werden. Zu tun gibt es für den Westen immer noch genug.
Da gibt es zum Beispiel die drei Millionen Menschen, die vor der jüngsten Offensive geflüchtet sind. Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes leben diese Menschen in äußerst prekären Verhältnissen. Wenn es stimmt, dass Pakistan "unseren" Krieg führt, dann sind diese Flüchtlinge auch "unsere" Flüchtlinge. Der Westen sollte diesen Menschen helfen, er tut es nur nicht. Das ist empörend und kurzsichtig – denn unter den sich selbst überlassenen Flüchtlingen werden die Taliban reiche Ernte einfahren können.
- Datum 13.07.2009 - 12:07 Uhr
- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
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Hallo
Es ist definitiv nicht die Aufgabe des "Westens" sich um die innerpakistanischen Flüchtlinge zu kümmern, sondern es ist die Aufgabe Pakistans sich zu kümmern.
Es ist auch rein gar nichts dagegen einzuwenden die sehr wohlhabendem Golfstaaten in die Pflicht zu nehmen, denn das Problem der Taliban ist ein islamisches.
Der Islam bildet die Grundlage für diese gnadenlosen Killer, denn aus dem Koran leiten sie ihre Existenzberechtigung und ihre Handlungsweise ab.
Pakistan hat dem erstarken dieser Mörderbanden jahrelang tatenlos zugeschaut und nun bekommt es die Quittung für dieses Appeasment.
Btw. Wer A-Bomben bauen kann, der sollte erst mal in der Lage sein sein eigenes Land vernünftig zu regieren.
Gruss
Rene
Der Meinung von Herrn Ladurner würde ich folgen, sogar ohne größere Einschränkungen. Flüchtlingshilfe zu leisten könnte eine gute Maßnahme sein, das Ansehen Europas nach all dem Mist ein wenig zu steigern. Im globalen Dorf braucht man Freunde und nicht Feinde.
alle Fluechtlinge sofort nach Deutschland zu holen. Das waere so im Sinne der Gutmenschen. Ist aber nicht im Sinne der entwurzelten Pakistaner. Die wollen gar nicht woanders hin und koennten auch woanders gar nicht ueberleben. Die wollen da bleiben. Wenn man helfen will, sollte man die pakistanische Regierung unterstuetzen, den Fluechtlingen wieder eine Bleibe und ein Auskommen zu verschaffen.
Was soll das denn?? Erst konstruieren Sie eine völlig aberwitzige Hypothese (...alle Flüchtlinge sofort nach Deutschland holen), wahrscheinlich damit auch Sie mal das Wort "Gutmenschen" platzieren können; dann kritisieren Sie dieselbe. Frei nach dem Motto: "Ich bastel mir jetzt ein völlig irres Feindbild, nur um es anschließend angreifen zu können."
Vielleicht sollte man "Die Taliban" nach Deutschland
holen (wenn die wollen), z.B. nach Berlin.
Da herrschen nach Medienberichten ja öfters bürgerkriegsähnliche
Zustände, so dass die sich da bald heimisch fühlen dürften.
Es ist höchste Zeit, daß der Westen ehrlich nachdenkt wieviel seiner Waffen diese Kriegsstimmungen anheizt:
http://www.duckhome.de/tb/index.php?url=archives/6705-Film-ab-fuer-Juergen-Graesslin-Allein-gegen-die-Waffenindustrie.html&serendipity[csuccess]=true
Wir haben gelernt, daß von Deutschland nie wider Krieg ausgehen soll und nun profitiert Deutschland weltweit als drittgrößter Waffenproduzent vom Krieg. Das ist der Skandal-die Politik schweigt, weil bei ihr die Geschäfte Vorrang haben .
Ich schäme mich als Deutsche und kann nichts anderes tun als daran zu erinnern
Mir geht es langsam auf den Zeiger, für Maßnahmen, die gegen meinen erklärten Willen (Briefe an Jung und Co.) durchgeführt werden, in Haftung genommen zu werden. Wenn die Politik und Militärs meinen, sie könnten Terror militärisch bekämpfen, dann geschieht das auf deren Verantwortung, und sie sollten die Folgen tragen. Ich habe sie dazu nicht beauftragt.
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