Die Erfolgsformel der schwedischen Piratenpartei ist einfach: ein Programmpunkt reicht. "Erlaubt Filesharing", könnte das Konzept in zwei Worten umschrieben werden. Wie keine andere Partei identifiziert sich die Piratenpartei so sehr mit einer Idee und wird umgekehrt so sehr nur mit dieser identifiziert. Mit Erfolg: Quasi aus dem Stand heraus ist sie ein bedeutender Spieler in der schwedischen Politik geworden.

Erst im Jahr 2006 wurde die Piratenpartei in Schweden gegründet, nach den EU-Wahlen am 7. Juni dürfte sie ins europäische Parlament einziehen. Sechs bis acht Prozent der Stimmen und damit ein oder zwei Sitze sagen aktuelle Umfragen ihr voraus. Mit über 47.000 Mitgliedern ist sie außerdem inzwischen drittgrößte schwedische Partei, nur die regierenden Moderaten und die Sozialdemokraten sind größer. Die Jugendorganisation hängt sogar alle anderen ab. Im Gegensatz zu den etablierten Parteien ist allerdings auch die Mitgliedschaft bei den Nachwuchspiraten gratis.

Wie sehr diese Gruppierung mit ihrem monothematischen Programm identifiziert wird, zeigt der Prozess gegen die Betreiber der Website The Pirate Bay. Seitdem diese am 17. April jeweils zu einem Jahr Haft und zu insgesamt rund 2,75 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt wurden, hat die Piratenpartei enormen Zulauf. Mehr als Zweidrittel ihrer Mitstreiter kamen erst in den vergangenen Wochen dazu.

Via Pirate Bay können Kopien von Filmen und Musiktiteln – legale wie illegale – aus dem Netz geladen werden. Es ist ein Hobby, dem vor allem junge Männer nachgehen. Diese bilden auch den Kern der Mitglieder der Piratenpartei. "Viele meinen, dass das private Austauschen von Liedern und Filmen übers Internet erlaubt sein sollte. Genau dafür steht unsere Partei", sagt Gustav Nipe vom Distrikt Südschweden. Dennoch legt man Wert darauf, kein Ableger von Pirate Bay zu sein. Man habe lediglich gemeinsame Interessen.

Neben einer erheblichen Lockerung des Urheberschutzes hat die Piratenpartei noch zwei weitere Anliegen, die jedoch selten wahrgenommen werden: Patente sollen weitgehend abgeschafft, die Privatsphäre des Einzelnen gestärkt werden. "Für mich war der Schutz der Privatsphäre Grund einzutreten", sagt der Student Jack Senften aus Malmö.