RTL-Reality-Show Gegen Baby-Shows hilft nur Abschalten

Die RTL-Show "Erwachsen auf Probe" bleibt gerichtlich erlaubt. Die Entscheidung ist rechtlich korrekt, doch die Moral bleibt auf der Strecke. Ein Kommentar

In der RTL-Reality-Show "Erwachsen auf Probe" üben Teenager Elternsein mit geliehenen Babys.

Ist es moralisch zulässig, eine Sendung zu zeigen, in der Eltern ihre Babys Teenagern zu Übungszwecken zur Verfügung stellen und sie dabei auch noch filmen lassen? Ist es nicht, meinte das deutsche Familiennetzwerk und zog vor das Kölner Verwaltungsgericht. Das Netzwerk wollte das Jugendamt Köln dazu zwingen lassen,  die Ausstrahlung der Sendung in letzter Minute zu verhindern. Doch das Gericht machte die Absurdität des Ansinnens umgehend klar: Mit dem Jugendamt Köln hatte das Familiennetzwerk schlicht die falsche Adresse gewählt.

Rechtlich falsch beraten oder naiv in seinem Vorgehen war das Familiennetzwerk mit seinen bundesweit knapp 100 Organisationen in einem weiteren Punkt: Der Umgang mit der Menschenwürde ist gesetzlich klar geregelt. Demnach begründet dieses Grundrecht keine Handlungsansprüche gegenüber dem Staat auf ein Einschreiten gegen private Dritte.

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Konnte man also auf die Landesmedienanstalten hoffen, um die pseudo-pädagogische und Kinder verachtende Sendung zu verhindern? Fehlanzeige! Die Medienaufseher hatten bereits im Vorfeld gesagt, ein Verbot der Reality-Show käme einer Zensur gleich. Ein für das Institut besonders heikler Verdacht – deshalb blieb die Menschenwürde zweite Wahl.

Jugendamt, Familiennetzwerk, Landesmedienanstalten, Verwaltungsgericht – viel Lärm um nichts! Letztlich aber geriet das große Ganze darüber aus dem Blickfeld. RTL hat am Ende gesiegt – rechtlich gesehen. Für die Moral muss wieder einmal der Zuschauer sorgen, indem er die Sendung nicht einschaltet. Keine Quote, keine Sendung, so einfach kann der Moral zu ihrem Recht verholfen werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn man schon Geld vom Staat kriegt fuer ein Kind, dann muss der Staat doch auch dafuer sorgen das cih ne Ahnung habe wie ich mit dem Kind umzugehen habe....oder etwa nicht?

    S.H.

  2. Aus vielen Briefen erfahre ich-(Dr. Michael Laitman), dass Menschen, wenn sie erst einmal unseren neuen Kabbala Kanal eingeschaltet haben, regelrecht daran festkleben und ihn nicht mehr ausschalten können. Ich bin sicher, dass nachdem die Menschen eine kurze Zeit im Hintergrund kabbalistische Texte gehört haben anfangen, in ihrem Innern und in der Welt insgesamt eine Veränderung zu verspüren - eine Veränderung in Richtung Güte. Dies wird keine illusorische Veränderung sein, sondern eine aufrichtige Veränderung des Menschen und der Welt, weil dies vom Or Makif - dem Umgebenden Licht - durchgeführt wird, der einzigen Kraft, die alles in Richtung Güte wenden kann!
    Durch das einfache Anschauen oder Hören dieser Programme erweckt man den Einfluss guter Kräfte auf sich, wie Baal HaSulam in Punkt 155 von „Einführung in Talmud Esser HaSfirot” schreibt:

    „Solange der Mensch keine Perfektion erlangt hat, wird das zur Erfüllung seiner Seele bestimmte Licht als Umgebendes Licht definiert.

    Demzufolge scheint das Licht unverzüglich in gewissem Maße auf ihn, wenn er sich mit der Weisheit der Kabbala beschäftigt, und bringt ihn der Erreichung der Perfektion näher.”
    Der TV Kanal ist auch im Internet unter http://www.isramedia.net/... zu finden.
    Viel Spass wünscht Celine Polo

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    • Manu84
    • 03.06.2009 um 22:04 Uhr

    Das ist Satire, oder? das meinen sie nicht wirklich ernst?

    • Manu84
    • 03.06.2009 um 22:04 Uhr

    Das ist Satire, oder? das meinen sie nicht wirklich ernst?

    • politz
    • 03.06.2009 um 20:08 Uhr

    Da wächst langsam ein Überwachungsstaat mit immer mehr staatlichen Machtbefugnissen an, aber gegenüber derart widerwärtigen Fernsehsendungen ist er scheinbar machtlos. Mir fehlen die Worte.

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    sowas nennt man wohl gelungene lobbyarbeit.
    was aber nichts daran ändert, dass ein eingreifen des staates einfach nur falsch wäre. rechtlich spricht, wie angesprochen, nichts gegen die sendung und auf moralischer ebene ist es nicht der staat der zu handeln hat.
    gerade von jemandem der hier sich über den wachsenden überwachungsstaat (und damit die eingriffe in das internet?) aufregt sollte man da größeres einfühlungsvermögen erwarten können?

    die überschrift nimmt die antwort vor weg :-)

    zwei ihrer aspekte:
    immer mehr überwachung
    dennoch solche sendungen.

    was denn nun?
    heranwachsenden überwachungsstaat beklagen
    aber verbot rechtlich nicht zu beanstandene 'solche sendungen"?

    prima, noch mehr über wachung & verbot: volle kanne leyen-syndrom: das übel mit übel bekämpfen symptomatisch bekämpfen und blindwütig die wurzel ausreißen.

    OOPS! war die falsche wurzel, war die unserer bürgerlichen freiheit, nicht die des übels.

    macht aber nix, hauptsache empört und was getan.

    die frage, wieso es so viele quotentreibende zuschauer gibt, die sollte sie umtreiben, dann kämen sie zu anderen, effektiveren forderungen.

    plakativ: bekämpft die dummheit, nicht die dummen.

    das dümmst, mit verlaub, ist verbieten, verbieten, verbieten.

    sowas nennt man wohl gelungene lobbyarbeit.
    was aber nichts daran ändert, dass ein eingreifen des staates einfach nur falsch wäre. rechtlich spricht, wie angesprochen, nichts gegen die sendung und auf moralischer ebene ist es nicht der staat der zu handeln hat.
    gerade von jemandem der hier sich über den wachsenden überwachungsstaat (und damit die eingriffe in das internet?) aufregt sollte man da größeres einfühlungsvermögen erwarten können?

    die überschrift nimmt die antwort vor weg :-)

    zwei ihrer aspekte:
    immer mehr überwachung
    dennoch solche sendungen.

    was denn nun?
    heranwachsenden überwachungsstaat beklagen
    aber verbot rechtlich nicht zu beanstandene 'solche sendungen"?

    prima, noch mehr über wachung & verbot: volle kanne leyen-syndrom: das übel mit übel bekämpfen symptomatisch bekämpfen und blindwütig die wurzel ausreißen.

    OOPS! war die falsche wurzel, war die unserer bürgerlichen freiheit, nicht die des übels.

    macht aber nix, hauptsache empört und was getan.

    die frage, wieso es so viele quotentreibende zuschauer gibt, die sollte sie umtreiben, dann kämen sie zu anderen, effektiveren forderungen.

    plakativ: bekämpft die dummheit, nicht die dummen.

    das dümmst, mit verlaub, ist verbieten, verbieten, verbieten.

  3. sowas nennt man wohl gelungene lobbyarbeit.
    was aber nichts daran ändert, dass ein eingreifen des staates einfach nur falsch wäre. rechtlich spricht, wie angesprochen, nichts gegen die sendung und auf moralischer ebene ist es nicht der staat der zu handeln hat.
    gerade von jemandem der hier sich über den wachsenden überwachungsstaat (und damit die eingriffe in das internet?) aufregt sollte man da größeres einfühlungsvermögen erwarten können?

    die überschrift nimmt die antwort vor weg :-)

    Antwort auf "Unfassbar"
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    Juristisch ist die Sache klar - die Moral steht allerdings auf einem anderen Blatt. Deshalb finde ich es ja auch durchaus lächerlich, wenn sich hier jemand in Eilanträgen ans BVerfG (weswegen eigentlich? Gibt's dazu Details?) und diversen Strafanzeigen ergeht und im übrigen auch noch öffentlich dazu aufruft, es ihm gleichzutun (was übrigens durchaus diverse unerwünschte Kollateralfolgen haben könnte, wenn sich die Anzeigen als unbegründet herausstellen sollten).

    Ich persönlich würde mir eher die Hand abhauen, ehe ich mein Kind in so eine Sendung setze - aber das ist meine Sicht der Dinge, die ich nicht so ohne weiteres auch für andere in Anspruch nehmen kann.

    Darüber hinaus steht das beste Rezept in der Tat schon in der Überschrift des Artikels: Abschalten. Oder noch besser: Gar nicht erst einschalten. Und am besten: Fernseher komplett über Bord gehen lassen.

    Juristisch ist die Sache klar - die Moral steht allerdings auf einem anderen Blatt. Deshalb finde ich es ja auch durchaus lächerlich, wenn sich hier jemand in Eilanträgen ans BVerfG (weswegen eigentlich? Gibt's dazu Details?) und diversen Strafanzeigen ergeht und im übrigen auch noch öffentlich dazu aufruft, es ihm gleichzutun (was übrigens durchaus diverse unerwünschte Kollateralfolgen haben könnte, wenn sich die Anzeigen als unbegründet herausstellen sollten).

    Ich persönlich würde mir eher die Hand abhauen, ehe ich mein Kind in so eine Sendung setze - aber das ist meine Sicht der Dinge, die ich nicht so ohne weiteres auch für andere in Anspruch nehmen kann.

    Darüber hinaus steht das beste Rezept in der Tat schon in der Überschrift des Artikels: Abschalten. Oder noch besser: Gar nicht erst einschalten. Und am besten: Fernseher komplett über Bord gehen lassen.

  4. Klasse, nun hat auch die Zeit es endlich geschafft, noch etwas Werbung für RTL unterzubringen. Womit wieder mal bewiesen wäre, dass die Marketingleute des Unterschichtenfernsehens immer noch intelligenter sind, als die gesamte deutsche Journalistengemeinde, die zuverlässig auch zum hundertsten Mal auf den selben durchsichtigen Trick reinfällt.

    Wenn man was gegen die Ausbeutung der Kinder tun will, geht das auch einfacher, ohne dass man sich dem Vorwurf der Zensur aussetzt: Bei den Eltern. Kommerzieller Kinderverleih dürfte sich schwerlich mit der elterlichen Fürsorgepflicht vereinbaren lassen.

  5. Soweit zu lesen war, waren die Eltern in der Nähe und wenn ich die Artikel richtig verstanden habe, werden die Kinder weniger entblößend bzw. entblödend dargestellt als z.B. bei der Supernanny. Was also soll ein Gericht dabei tun?

    Ich sehe hier vielmehr ein Problem bei dem (vermuteten) Zuschauerwillen, der solche Formate wünscht und der Werbewirtschaft, die in der angepeilten Zuschauergruppe und im Zusammenhang mit dieser ein Werbeumfeld vermutet, das als lohnend angesehen wird.

    So lange es Menschen gibt, die solche Formate durch Einschalten stützen, werden sie gesendet und erst wenn die Masse mit den Fingern auf der Fernbedienung abstimmt und diese Sendungen abwählt, werden sie enden. Bis dahin dürfen wir uns weiterhin aufregen und uns gegenseitig versichern, dass wir es nie schauen würden oder sogar wegen mangelnder Qualität die Kiste gänzlich abgeschafft haben...

    ... weil wir die Guten sind (die mit den weißen Hüten aus den alten Western, als die Filme auch noch Qualitätsware waren....)

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    Früher hatte ich kein Geld für einen schönen großen Flatscreen.
    Jetz hätte ich es!
    Allerdings könnte ich Ihn jetz genauso gut mit dem Display zur Wand anschrauben, dass Programm würde dadurch nicht schlechter werden.

    Ich stimme Ihrer Argumentation völlig zu und kann genausowenig nachvollziehen, wer sowas ansieht.

    Im übrigen für alle Mütter hier, die Ihre Kinder vor das sogenannte "Bildungsfernsehen" setzen.

    Sehen Sie sich bitte mal "Manfred Spitzer - Vorsicht Bildschirm" an. Mit ein bisschen glück ist es noch nicht zu spät für Ihre Sprösslinge.

    Früher hatte ich kein Geld für einen schönen großen Flatscreen.
    Jetz hätte ich es!
    Allerdings könnte ich Ihn jetz genauso gut mit dem Display zur Wand anschrauben, dass Programm würde dadurch nicht schlechter werden.

    Ich stimme Ihrer Argumentation völlig zu und kann genausowenig nachvollziehen, wer sowas ansieht.

    Im übrigen für alle Mütter hier, die Ihre Kinder vor das sogenannte "Bildungsfernsehen" setzen.

    Sehen Sie sich bitte mal "Manfred Spitzer - Vorsicht Bildschirm" an. Mit ein bisschen glück ist es noch nicht zu spät für Ihre Sprösslinge.

  6. Mir is die Zeit eigentlich zu schade, um überhaupt einen Kommentar über solch eine dämliche Show zu schreiben.
    Das Wort Niveau in einem Satz zu verwenden, indem es um diese Show geht, erscheint mir als Frevel.

    Die Frage die Ich mir gerade stelle ist jedoch folgende:
    "Ist es wirklich gut, wenn Menschen die solchen Mist sehen wollen, gleichzeitig auch wählen dürfen"

    Wenn solche Sendungen wirklich Erfolg haben, dann ist mir völlig klar,warum Populismus mehr zählt als wirkliche Überzeugungen.

  7. In Anbetracht der Qualität des Artikels und der Kommentare fällt die RTL-Sendung auch nicht aus dem Rahmen - oder !?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
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  • Schlagworte Medien | Recht | Sendung | Kinder
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