Flugzeugunglück "Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen"
Trümmer wurden gesichtet, doch sind es tatsächlich Spuren des Air-France-Flugs 447? Selbst mit Satelliten ist die Ortung der möglichen Unglücksstelle nicht einfach, sagt Günter Strunz vom DLR

© dpa
Über dem Atlantik verschollen: Die Suche nach dem Airbus A330-200 (Archivfoto) der Fluggesellschaft Air France geht weiter. Könnten Satellitenbilder helfen, eine mögliche Unglücksstelle zu finden?
ZEIT ONLINE: Seit Montag früh ist Air-France-Flug 447 mit 228 Passagieren an Bord verschollen. Irgendwo über dem Atlantik rund 600 Kilometer vom Startflughafen in Rio de Janeiro entfernt, vermuten Luftfahrtexperten, könnte die Maschine abgestürzt sein. Erst jetzt wurden Wrackteile gesichtet. Herr Strunz, hätte die Unglücksstelle nicht mit Satelliten geortet werden können?
Günter Strunz: Prinzipiell schon. Das Problem ist allerdings, dass man nicht genau weiß, wo man hinschauen soll. Zwar gibt es Satelliten, die große Flächen von mehreren hundert Kilometern in der Breite überwachen können, allerdings haben diese Aufnahmen nur eine geringe Auflösung. Ein Bodenpunkt auf dem Bild entspricht etwa einer Fläche von 20 bis 30 Metern in der Realität. Um Trümmerteile eines Flugzeugs eindeutig ausmachen zu können, müssten diese mindestens 50 bis 100 Meter groß sein.
ZEIT ONLINE: Aber es gibt doch auch Satelliten, die viel genauere Aufnahmen machen können.
Strunz: Richtig. Zivile hochaufgelöste Satellitendaten erfassen Oberflächen und Gegenstände mit einer Genauigkeit von einem Meter und darunter. Die Flächen, die man so aufnehmen kann, liegen bei etwa zehn mal zehn Kilometern. Die Trümmer, die man jetzt im Atlantik sucht, sind vermutlich relativ klein, und wer weiß, ob überhaupt noch Flugzeugteile an der Wasseroberfläche zu sehen sind. Die meisten Trümmerstücke werden inzwischen untergegangen sein. Das Ganze gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
ZEIT ONLINE: Ist es nicht möglich, größere Bereiche mithilfe von Satelliten abzusuchen?
Strunz: Ja. Hochauflösende Satelliten sind relativ flexibel und können vorwärts seitwärts und rückwärts schwenken, aber trotzdem muss man relativ genau wissen, wo man hinschauen will. Man kann nicht einfach ins Blaue aufnehmen. Der Absturzbereich ist derzeit noch nicht so genau eingegrenzt. Bei Erderkundungssatelliten müssen Sie stets einen Kompromiss eingehen zwischen hoher Auflösung und der Abdeckung einer möglichst weitläufigen Fläche.
ZEIT ONLINE: Vorausgesetzt, man weiß, auf welche Fläche der Satellit ausgerichtet werden soll. Wie lange dauert es, bis die Aufnahme des Satelliten auf der Erde verfügbar ist?
Strunz: Hochauflösenden Satellitensysteme können Daten aufzeichnen, die dann über eine Bodenstation direkt zur Erde gesendet werden. Allerdings ist die Geschwindigkeit der Datenübertragung hierbei gar nicht das Problem, sondern, dass sie sich anders als Wettersatelliten nicht mit der Erde mitdrehen. Man kann mit ihnen also keinen bestimmten Punkt auf der Erde über längere Zeit aufnehmen. Sie bewegen sich auf sogenannten polaren Umlaufbahnen über Nord- und Südpol. Während sich die Erde unter ihnen weiterdreht, scannen sie die Oberfläche gewissermaßen ab. Man kann sie aber gezielt programmieren, sodass sie theoretisch alle ein bis zwei Tage ein bestimmtes Gebiet aufnehmen können.
- Datum 10.06.2009 - 20:09 Uhr
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Sind die Piloten einer Maschine nicht ueber GPS laufend ueber ihre aktuelle Position und Hoehe informiert? Dann koennten doch diese Positionsangabe an die Bodenstation in Paris oder woanders uebermittelt werden? Das waere vor allem dann interessant, wenn andere Fehlermeldungen anfallen, die uebermittelt werden sollen, wie offensichtlich in diesem Fall.
Gruesse, Carsten
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