Cambridge Schuhwerfer freigesprochen

Für seinen Schuhwurf auf den chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao musste ein Ostdeutscher sich heute Gericht verantworten.

Die Rede, die der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabo Anfang Februar in der Universität von Cambridge halten wollte, wurde von einem fliegenden Turnschuh unterbrochen. "Ich hatte mich dabei offensichtlich von dem irakischen Schuhwerfer inspirieren lassen", sagte der 27jährige mit Anspielung auf die Schuh-Attacke auf den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Heute mussste sich der Ostdeutsche vor Gericht in Cambridge verantworten - und wurde freigesprochen.

Der Wurf sollte ein Protest gegen chinesische Menschenrechtspolitik sein, und war offenbar gut vorbereitet. Trotz des kalten Winterwetters habe der deutsche Biologie-Student besonders leichte Turnschuhe gewählt, und diese auch schon eine ganze Weile vor seiner Tat ausgezogen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Auch zu seinen Zwischenrufen äußerte er sich: "Ich hatte gehofft, ganze Sätze herauszubringen und keinen Idioten aus mir zu machen."

Seine Sätze wiederholte der Student nun noch einmal vor Gericht: "Wie kann sich die Universität für diesen Diktator prostituieren? Wie könnt ihr den Lügen zuhören, die er erzählt? Steht auf und protestiert." Die Vorwürfe gegen den Schuhwerfer lauteten Störung der öffentlichen Ordnung, Beleidigung und Aufruf zur Gewalt. Der Deutsche aber bestand darauf, nicht schuldig im Sinne der Anklage zu sein. Auch das Gericht sah keine Beweise, dass der Student  mit dem Schuhwurf die Grenze des erlaubten Protestes überschritten habe.

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Leser-Kommentare
  1. Es würde dem Studenten helfen, seine Vorstellung von Demokratie, auf die er schwört, in Frage zu stellen.
    Vor 40 Jahren hat man gegen den Vietnamkrieg demonstriert, den man noch als Abwehr gegen Kommunismus verstehen konnte; heute aber wird nicht gegen den Irak- oder Afganistankrieg, wo Hunderttausende getötet, verletzt oder aus ihren Heimen fliehen müssen, demonstriet.

    Es ist wesentlich einfacher, über den Mangel der sogennanten Menschenrechte in China laut zu schreien als vielleicht 2 Wochen hungern. Dann kämen solche junge Leute zum Erkenntniss, dass das erste Menschenrecht ist satt zu sein und unter dem Dach schlaffen zu gehen und nicht so sehr das Recht zu haben zweifelhafte eigene Vorstellungen von der Welt zu äussern.

    Und Chinesen haben das erreicht, dass die Mehrheit nicht mehr hungert.

    Und noch das: Es sieht so aus, dass nicht die Demokratie die Menschheit vor der wirtschaftlicher, ekologischer Katastrophe retten wird, sondern eine Art von Diktatur.
    Siehe Beispiel Kalifornien: Der Staat ist vor dem Bankrott aber die Leute haben "demokratisch" entschieden, dass sie persönlich nicht sparen werden.

    Und so"demokratisch" geht es und es wird welltweit gehen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, mm
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  • Schlagworte George W. Bush | Cambridge | Hochschule | Recht | Gericht | Protest | US-Präsident
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