Klärt der Anwalt Textdiebe über deren Irrglauben auf, zeige sich immerhin "ein Großteil" der Leute einsichtig: "Die wissen, was sie getan haben." Über die Höhe der Schadensersatzforderung wollten dann am Ende aber doch viele feilschen. Und manche würden sich bei der ersten Post stumm stellen, was letztlich nur höhere Gebühren und im schlimmsten Fall Prozesse nach sich zieht. Insgesamt seien Textdiebe aber "nicht so sehr von Rechthaberei geprägt wie File-Sharer".

Was sie nicht vor Strafe rettet. Anwälte verschicken im Auftrag von AFP derzeit Nachforderungen für die illegale Verbreitung des Materials. Ein Verstoß gegen das Urheberrecht kann teuer sein. Mal sind ein paar Hundert Euro fällig, in Extremfällen aber auch Schadensersatz bis zu einem "fünfstelligen Bereich", wie Peters sagt. Immerhin habe Textguard für AFP Portale aufgespürt, die über Jahre fleißig Meldungen geklaut haben und dank der Besucher mit Werbung Geld verdienten.

AFP-Chef Krieger betont zwar, seine Agentur habe es nicht auf private Seiten abgesehen, nicht auf Blogger und auch nicht auf Menschen, die eine Seite für Forschung, Lehre oder ein Hobby betreiben. Die Abgrenzung fällt hingegen schwer: Bei Textguard stoßen sie nämlich immer wieder auf Angebote zu Themen wie Weihnachten, Reise oder Esoterik, die zwar primitiv aussehen, aber oft an einen Shop angebunden sind oder Bücher bewerben. Drumherum stehen geklaute Gedichte, geklaute Nachrichten oder geklaute Reportagen. Und die Textwächter finden auch Menschen, die sich als Experten ausgeben wollen, etwa als Reisejournalisten. Sie klauen Texte, um Kompetenz zu zeigen, die sie nicht haben.

Auch gegen die Tauschbörsen gehen Unternehmen inzwischen vor, darunter viele kleine Softwareschmieden, die spezielle Produkte für Ingenieure und Architekten anbieten und jede Lizenz zum Leben brauchen. Ihre Dienstleister klinken sich anonym in Börsen ein und registrieren die IP-Adressen der Nutzer. Das Problem hier: Es trifft eher die kleinen Fische, die nicht genug technischen Sachverstand haben. Textguard-Fahnder Gerigk sagt: "Wer sich richtig gut auskennt, kann sich in den Tauschbörsen noch immer anonym bewegen."

Bislang kein Ziel systematischer Diebstahl-Suche sind jene, die sich an Bildern vergreifen. Doch auch das wird sich bald ändern: Neben dem Fraunhofer Institut für graphische Datenverarbeitung (IGD) arbeitet auch die Mecom, ein Dienstleister für Nachrichtenagenturen, und einige asiatische und amerikanische Unternehmen an Methoden, große Bestände rasch und zuverlässig nach Kopien zu durchsuchen – auch dann, wenn nur Ausschnitte gewählt wurden. Die kanadische Firma Idée Inc. hat etwa die Suchmaschine TinEye entwickelt. Statt wie in klassischen Suchmaschinen nach Texten zu fahnden, lädt der Nutzer dort ein Foto hoch, um es mit dem Netz abzugleichen. AP und AFP tun das bereits, wenn auch noch sporadisch.