Verhaftet Schaf im Wolfspelz

Deutschlands meistgesuchter Verbrecher galt als gerissen und gefährlich – bis er Polizisten in die Arme lief. Nun wurde er in Hamburg gefasst

Thomas Wolf, Deutschlands meistgesuchter Krimineller, ist gefasst. Was die Polizei am Freitag in Hamburg stolz als Erfolg präsentierte, ist das Ergebnis einer Fahndung, die sich über fast ein Jahrzehnt hingezogen hat. Zeitweise suchten mehrere Hundert Polizisten einer Sonderkommission nach dem heute 56-jährigen Bankräuber, Entführer und Erpresser.

Weshalb ging Wolf den Ermittlern nicht früher ins Netz? Zumal er dreist und unvorsichtig war?

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Die größte Begabung des Berufsverbrechers ist wohl seine Anpassungsfähigkeit. Kriminalisten vergleichen Wolf mit einem Chamäleon, weil er verschiedenste Identitäten annehmen kann und neben holländisch auch mehrere englische Dialekte akzentfrei spricht. Wolf schaffe es, „seine Umwelt zu manipulieren – durch Schmeicheleien, durch Lügen, durch Vorgaukeln von Bildung und Seriosität“, sagte Reinhard Bromm, der Leiter der Abteilung Spezialeinsätze bei der Hamburger Polizei am Freitag.

Die Vita des „gefährlichsten Verbrechers Deutschlands“, wie ihn Boulevardblätter nennen, erfüllt jedes Gangsterklischee. Als Jugendlicher verließ er die Schule ohne Abschluss, flüchtete aus dem Heim. Seine kriminelle Laufbahn begann mit Fahrrad- und Ladendiebstählen und führte ihn bald ins Gefängnis. Es ging weiter mit Diebstahl, Raub und Körperverletzung. 1981 wurde er abermals festgenommen, floh im Jahr darauf aus der Gefängnisklinik, es folgte wieder eine Festnahme. Mehrmals noch gelang ihm die Flucht, 1988 zersägte er Gitterstäbe, doch jedes Mal konnte er wieder gefasst werden. Bis zur Jahreswende 2000. Damals kam er nicht von einem Hafturlaub zurück – seitdem war er unauffindbar.

Nachdem Wolf sich durch Banküberfälle in Hamburg, den Niederlanden und Belgien ein finanzielles Polster zugelegt hatte, ließ er sich in Frankfurt nieder. Acht Jahre lang lebte er dort unbehelligt mit einer Lehrerin zusammen, die von seiner Vergangenheit nichts gewusst haben will. Vor zwei Monaten machte er die Fahnder dann wieder auf sich aufmerksam: durch die Entführung einer Bankiersgattin in Wiesbaden. Wolf erbeutete 1,8 Millionen Lösegeld vom Ehemann – und konnte wieder entkommen, obwohl er persönlich zur Übergabe erschien.

Für den ehemaligen Abteilungspräsidenten des Bundeskriminalamts Wolfgang Steinke zeigt das: „Wolf ist ein Stümper!“ Der Verbrecher habe zahlreiche Fehler gemacht, sich immer wieder in Kneipen und Schwimmbädern gezeigt; da sei es verwunderlich, dass es nicht früher zur Festnahme gekommen ist. Spätestens nach der Erpressung jedoch hätte Wolf nicht entkommen dürfen. „Es ist immer eine Fehlleistung der Polizei, wenn der Täter bei einer Geldübergabe nicht gefasst wird.“

Von Polizei-Insidern wisse er, dass Wolf sogar zufällig ein Polizeifahrzeug entgegengekommen sei, als er nach der Geldübergabe flüchtete, sagt Steinke. Die Kollegen der Ermittler hätten nicht gewusst, dass nach ihm gefahndet wurde. Für Wolfs Leichtsinn spricht auch, dass er seine Zeit auf der Hamburger Reeperbahn vertrödelte, einer Gegend mit hoher Polizeidichte. Gefasst wurde er vor der legendären Kiez-Kneipe „Lehmitz“, schräg gegenüber der bekannten Hamburger David-Polizeiwache. Der Hinweis kam von einem Bürger, dem Wolf verdächtig vorgekommen sei. Daraufhin habe er im Internet recherchiert und sei auf die Fahndungen des Bundeskriminalamts gestoßen. 100.000 Euro waren für Wolfs Ergreifung ausgesetzt.

 
Leser-Kommentare
  1. Es fällt mir in letzter Zeit immer häufiger auf, das überschrift bzw Untertitel und der TATSÄCHLICHE Inhalt der Texte "differgieren".

    "Die Arme" der Polizistin, in die der Verbrecher so unglücklich gelaufen sein soll -, sie finden jedenfalls keine weitere Erwähnung in diesem Artikel!

    Schade, ich dachte schon, dass diese Frau, tätig in einer klassischen Männerdomäne, doch zumindest für ein waches Auge Anerkennung verdient, aber man erfährt nichts weiter.

    Da war Zeit-Online wohl wieder auf "klick-Fang". Gerissen ist das..

    :(

  2. Es wurde offenbar vieles versucht, um möglicherweise peinliche Fehler in der Polizeiarbeit mit einem überdimensionale Feindbild zu verstecken. Dieser "Meistgesuchte" war schlau genug, sich gut zu verstecken und jetzt sieht es danach aus, als hätte er sich dabei geschickt angestellt ohne diese Phantomqualitäten entwickeln zu müssen, die ihm von der hier so willig glaubenden Presse in den grellsten Farben verliehen worden waren.
    Dass die ermittelnden Beamten hier wieder als Sündenböcke fungieren dürfen, ist ebenso unfair wie es von der Wahrheit entfernt ist. Schließlich haben die Beamten ihre Aufgabe jetzt gelöst, um sich anhören zu müssen, dass sie vorher Probleme hatten, was in den Augen ihrer voreiligen Kritiker ihren Erfolg anscheinend schmälert. Eine erfolgreiche abgeschlossene Arbeit hat Anerkennung verdient. Die Kommentatoren haben es da ja leichter, weil sie von den Fehlern anderer gut leben können und gleichzeitig zu den eigenen ein seltsames Stillhalteabkommen pflegen.
    Da sind mir ehrliche Polizeibeamte lieber, die ihre Fehler zugestehen. Sie haben im Gegensatz zu ihren Kritikern - wie der Erfolg jetzt zeigt - die Gelegenheit zum Lernen genutzt.

  3. Für den ehemaligen Abteilungspräsidenten des Bundeskriminalamts Wolfgang Steinke zeigt das: „Wolf ist ein Stümper!“

    Klar, und die deutschen uniformierten Beamten die hellsten Sterne der Galaxie.

    @Wolfgang Steinke: Brot schimmelt, Schnee schmilzt, was kannst DU? Zumindest nicht das, wofür Du von meinen Steuern bezahlt wirst. Mag er kriminell sein und für seine Taten büßen aber Leute wie Dich, mit solchen Aussagen sollte man auf der Stelle gleich mit einsperren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hagane
    • 29.05.2009 um 18:56 Uhr

    Der Ex-BKA-Praesident nennt den Herrn einen Stuemper und gleichzeitig gelingt es denen nicht, die Person trotz zahlreicher Fehler festzunehmen.

    Wie darf man denn dann im Vergleich die Beamten nennen???

    • Hagane
    • 29.05.2009 um 18:56 Uhr

    Der Ex-BKA-Praesident nennt den Herrn einen Stuemper und gleichzeitig gelingt es denen nicht, die Person trotz zahlreicher Fehler festzunehmen.

    Wie darf man denn dann im Vergleich die Beamten nennen???

    • Hagane
    • 29.05.2009 um 18:56 Uhr

    Der Ex-BKA-Praesident nennt den Herrn einen Stuemper und gleichzeitig gelingt es denen nicht, die Person trotz zahlreicher Fehler festzunehmen.

    Wie darf man denn dann im Vergleich die Beamten nennen???

    Antwort auf "Ja ne, ist klar"
    • Zel
    • 29.05.2009 um 20:49 Uhr

    Wäre man zynisch könnte man glatt erstaunt sein, dass es noch echte Verbrecher zu geben scheint, die keine V-Leute oder importiert sind.

    Und was lernen wir? Willste untertauchen, musste auftauchen! Wer tut, was erwartet wird, der wird geschnappt. Wer einfach stur weiterlebt wie der Normalo ums Eck, geht in der Masse unter.

    Sprachkenntnisse sind ebenso enorm hilfreich, vielleicht motiviert das ja die Gangstas?

  4. Tapfere Schreiberlinge hat die Zeit. So erfahre ich auf der Startseite:

    "Nun wurde er in Hamburg gefasst Von Simone Sohl"

    Ein <br&gt hätte gut getan, wenn man schon nichts von Satzpunkten hält.

    (Anmerkung: Die Verbrecherjagd ist beendet, wir habe den Punkt am Ende des Satzes hinzugefügt. Die Redaktion/jk)

  5. Erfolgreiche Fahnundung ohne Vorratsdatenspeicherung und ohne Bundestrojaner ?

    Geht das überhaupt ?

    Gut, nach so langer Suche kann man ja nicht wirklich von erfolgreich sprechen.

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