Bundestagswahl Politiker streiten über Reform des Wahlrechts

Bei personalisierten Medien-Wahlkämpfen treten Inhalte zu Gunsten von Gesichtern zurück. Muss deshalb das Wahlrecht reformiert werden? Schäuble und Gysi sagen: Ja.


Eine ungewohnte Allianz schmiedet sich da: Innenminister Woflgang Schäuble (CDU) macht einen Vorschlag, den die Linkspartei 1997 bereits im Parlament eingebracht hat - damals noch unter dem Label "PDS". Die Zweitstimme bei einer Bundestagswahl, so Schäuble, solle künftig die Reihenfolge der Kandidaten einer Liste beeinflussen können. Damit würde das Wahlrecht modernisiert, denn: "Bei Wahlen spielen zunehmend Personen, und weniger die Parteiprogramme, eine Rolle", sagte Schäuble in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Gregor Gysi, Chef der Linksfraktion, begrüßte umgehend den Vorschlag, während SPD und Grüne kritisch sind. Der Grünen-Innenpolitiker Wolfgang Wieland befürchtet, der Einfluss von Lobbygruppen auf Abgeordnete würde steigen, denn Kandidaten müssten ja dann ihren eigenen Wahlkampf selbst finanzieren. Und der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelpfütz äußert sich ebenso eindeutig: "Der Vorschlag ist viel zu kompliziert", sagte er der "Berliner Zeitung". Viele Bürger würden ja nicht mal den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme verstehen. Mit der Erststimme werden in Deutschland bislang die Direktkandidaten in einem Wahlkreis gewählt, die Zweitstimme bestimmt die relative Sitzverteilung der Parteien im Parlament.

Der Vorschlag Schäubles, das Wahlrecht zu ändern, ist bereits die zweite Forderung nach einer Demokratie-reform in kürzester Zeit: Erst vor einer Woche hatte Bundespräsident Horst Köhler vorgeschlagen, den Bundespräsidenten direkt vom Volk wählen zu lassen, und war damit auf breiten Widerstand in den Parteien gestoßen.

 
Leser-Kommentare
  1. ...und wieder einmal "kupfert" Herr Schäuble von den LINKEN ab.

    Genügt ihm nicht schon die Legalisierung der Internet- und Telefonbspitzelung?

    Nun geht es ans Wahlrecht:

    Fragt sich nur, wozu das Ganze?

    Eigentlich sind doch die Parteien dafür verantwortlich, dass immer mehr Wähler der Wahlurne fernbleiben.

    Da nützen auch die "Parteiprogramme" nichts; wo meist zwar viel drinsteht, aber im Falle eines Wahlsieges nur noch "heiße Luft" herauskommt.

    Andererseits verstehen die Wähler ihre Kandidaten und "Volksvertreter" schon lange nicht mehr:

    Haben die erstmal ihr Mandat vom Wähler erhalten, dann wechseln diese "Mandatsträger" ihre "Waffenfarbe" und verraten sich und ihre Wähler an den politischen Gegner.

    Hier muss der Staat einschreiten:

    Wir haben zwar eine Wahlfreiheit, aber das, was diese "Volksvertreter" betreiben, das ist Betrug am Wähler, solange sie ihr Mandat behalten und finanziell weiter kräftig einsacken.

    Für mich ist das Wahlbetrug der feinsten Sorte! - Wer sagt mir denn, dass diese "Überläufer" nicht von anderen Parteien "geschmiert" wurden?

    Ein wirkliches "Rückrat" hat von den heutigen Politikern sowieso keiner mehr - denen geht es weniger um den Bürger, sondern vielmehr um sich selbst und die eigene finanzielle Sicherheit.

    AUSNAHMEN BESTÄTIGEN DIE REGEL! Doch wo finde ich die eigentlich noch?

    Deshalb schaue ich jedem Politiker, wenn er redet, genau in seine Augen - Blicke lügen nicht.

    oder wie Michael Holm einst trällerte:

    "Tränen lügen nicht"

    Wenn ich so manche politische "Wahlk(r)ampfphrase höre, dann schießt mir oft das Wasser in die Augen - nicht vor Rührung, sondern aus Verzweiflung, dass ich für dieses Klientel auch noch einen Teil meines Einkommens hinblättern muss!

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