Finanzkrise

Die Seifenblasen-Bonanza

© Dieter Duneka für ZEIT ONLINE

Alles begann mit einer großen Geldschwemme. Um die Jahrtausendwende begannen viele Länder, Kapital anzuhäufen. Unter ihnen waren rohstoffreiche Staaten wie die Golfstaaten oder Russland, aber auch asiatische Volkswirtschaften, die sparten, weil sie noch unter dem Schock der Asienkrise standen und die Folgen eines erneuten Finanzkrachs vermeiden wollten. Die fortschreitende Globalisierung verhalf ihnen zu guten Geschäften. China sammelte als Werkbank der Welt ein besonders großes Vermögen an. Die Devisenreserven des Staates wuchsen gewaltig, ebenso wie die Sparguthaben der privaten Haushalte und Unternehmen. Weil aber die Finanzmärkte in den Ländern der neuen Reichen noch nicht ausreichend entwickelt waren, gab es dort kaum Möglichkeiten, das Geld anzulegen. Also transferierte man es in den Westen.

Leser-Kommentare
  1. Alle nur Getriebene, unschuldige Opfer eines unmenschlichen Systems ? Das erinnert aber ein bisschen an die Situation in Deutschland 1945, als es plötzlich nur noch gruppenzwangsbeeinflusste Mitläufer gab. Zwei Formulierungen in diesem Artikel haben es wirklich in sich (sinngemäss): "Die Anleger wussten auf einmal wieder wohin mit ihrem Geld" und "Kleine Leute, die sich eigentlich gar keine Immobilie leisten konnten". Also nur ein Betriebsunfall, der halt mal eben ein paar Volkswirtschaften auf die Bretter gelegt hat, ein paar Millionen Menschen in Armut und Obdachlosigkeit gebracht hat und in wirklich armen Staaten ein paar tausend Menschen den Tod durch Verhungern. Aber das globale Finanzsystem, das eben durch Einsatz staatlicher Gewalt die Akkumulation des Geldes in der Hand von gierigen Psychopaten ermöglicht, die am Ende einfach nicht mehr wissen wohin damit, und das sogar aus dem kleinen Traum eines einfachen Menschen von einem kleinen Häuschen und vieleicht einer Familie noch einen Reibach zu konstruieren versucht, ist wohl in Ordnung und sollte höchstens marginal geändert werden.
    Ich bedanke mich für diese tiefgreifende Einsicht in die Gedankenwelt eines Menschen, der vom Finanzsystem wohl doch ganz ordentlich profitieren durfte.

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    Wer als systemischer Bänker mit einem staatlichen Rendite-Vollkasko-Schutz ausgestattet wird, der darf schon hemmungslos seiner Gier nacheifern. Die Leistung der beispiellosen Zügellosigkeit muss schließlich entsprechend honoriert werden.

    Die wichtige Frage sind doch: Weshalb sind die Finanzmärkte in einem solch unverantwortlichen Maße dereguliert worden, auch in unserem Land? Weshalb werden die krisenverursachenden Finanzderivate nicht verboten oder wirkungsvoll reguliert?

    Aber, ach, das sind einfach keine recherchewürdigende Hintergründe.

    Wer als systemischer Bänker mit einem staatlichen Rendite-Vollkasko-Schutz ausgestattet wird, der darf schon hemmungslos seiner Gier nacheifern. Die Leistung der beispiellosen Zügellosigkeit muss schließlich entsprechend honoriert werden.

    Die wichtige Frage sind doch: Weshalb sind die Finanzmärkte in einem solch unverantwortlichen Maße dereguliert worden, auch in unserem Land? Weshalb werden die krisenverursachenden Finanzderivate nicht verboten oder wirkungsvoll reguliert?

    Aber, ach, das sind einfach keine recherchewürdigende Hintergründe.

  2. Wer als systemischer Bänker mit einem staatlichen Rendite-Vollkasko-Schutz ausgestattet wird, der darf schon hemmungslos seiner Gier nacheifern. Die Leistung der beispiellosen Zügellosigkeit muss schließlich entsprechend honoriert werden.

    Die wichtige Frage sind doch: Weshalb sind die Finanzmärkte in einem solch unverantwortlichen Maße dereguliert worden, auch in unserem Land? Weshalb werden die krisenverursachenden Finanzderivate nicht verboten oder wirkungsvoll reguliert?

    Aber, ach, das sind einfach keine recherchewürdigende Hintergründe.

    Antwort auf "Ach so war das also ?"
  3. In drei Punkten sollte die ZEIT aber etwas präziser werden.

    1. Wer sind Fannie Mae und Freddie Mac

    Fannie Mae und Freddie Mac sind nicht irgendwelche Banken. Fannie Mae und Freddie Mac waren schon immer halbstaatliche Banken. Beide seit den 60er Jahren dafür zuständig, jedem Amerikaner ein Häusle zu ermöglichen. Soweit so gut; aber: wäre da nicht die Regierung Bush, die die Kreditvergabe extrem vereinfacht hat (quasi per Gesetz).

    Es sind also nicht irgendwelche privaten Banken die blind Geld in kreditunwürdige Kunden gesteckt haben. Nein, es waren STAATSBANKEN. Der erhielt dafür sein Wirtschaftswachstum.

    2. Aufkauf der Hypotheken durch private Banken durch Täuschung

    Es stimmt: private Banken haben dann diese Hypothekenbündel aufgekauft und die beiden o.a. Geldhäuser quasi refinanziert. Das Spiel lief einige Zeit so.

    Nun war die Zeit vor ein paar Wochen so frei einen Artikel zu veröffentlichen, in dem ausgeführt wurde, dass die Angestellten der Bank mit Baseballschlägern unter Druck gesetzt ... quasi jeden Kredit bewilligt haben und die eingereichten Unterlagen (eben auch Gehaltsabrechnungen) alles andere als genau angeschaut haben.

    Nun, nach aussen verkaufte Fannie Mae und Freddie Mac also eine intensive Kreditfähigkeitsprüfung (eben Prüfung dieser Unterlagen). Intern waren diese Dokumente also vollkommen unbeachtlich, quasi für die Tonne.

    Es liegt nun sehr nahe, dass die bösen gierigen privaten Banken diese Hypothekenbündel aufgekauft haben im Vertrauen darauf, dass die Kreditprüfung auch tatsächlich stattfand. Für diese These spricht auch das gar nicht mal so schlechte Rating der Ratingargenturen für diese Bündel. Will also heissen: bewusste Täuschung der Banken und Ratingagenturen.

    3. Warum all die hohen Abschreibungen

    Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir reden da wirklich von Milliardenabschreibungen. Sind die wirklich notwendig? Banken bilden Wertberichtigungen auf der Grundlage von "Basel II" (ein internationales Abkommen, in den meisten Staaten in der Bankengesetzgebung umgesetzt). Was steht dort drin: wird ein Kredit 90 Tage nicht bedient, so ist er auf DCR (Default Credit Risk) zu setzen. 90 Tage heisst also: jemand bezahlt 3x hinter einander seine Kreditraten nicht mehr. Dann sind gut 50% (je nach Geschäftsmodell abzuschreiben). Nehmen wir also ein Beispiel: Häuslebauer Dipsy ist mit 500.000 verschuldet, hat 3 Raten nicht bezahlt. Gesetzlich führt das dazu, dass die Bank von Dipsy 50% abschreiben muss.

    Das perverse an der Geschichte ist nun jenes: zahle ich nur eine Rate wieder, ändert sich die Kreditrisikoklasse und damit auch die Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Bank macht dann einen reinen Buchgewinn. Pervers, oder? Staatlich verordnet.

    • zetti
    • 09.06.2009 um 18:06 Uhr

    "Unwissende Kunden" sind Programm und werden seitens des Staates auch Dumm gehalten. Das fängt bereits in der 1. Klasse mit dem Vortrag einer Vertreterin des kommunalen Bankhauses (Sparkasse) an und hört mit dem "Weltspartag" auf.

    Wer nicht aus eigener Initiative lernt mit dem Spargroschen erfolgreich umzugehen wird immer schön Brav sein Geld der "Bank seines Vertrauens", seinem "guten Freund" und Versicherungsvertreter anvertrauen und mit den guten Steinen seines Baussparvertrages nie zum Bauen kommen, weil die Immobilienpreise schneller steigen als sein Guthaben.

    In keiner Schulform gibt es ein Schulfach, das privates Vermögensmanagement lehrt.

    So ein Zufall aber auch.

    Zetti

  4. Tut mir leid, aber Frau Endres Vergangenheitsbewältigung ist dermaßen verdreht und verfälscht, daß ich dem unbedarften ZEITleser nur eine zweite Bildergeschichte als Gegengift empfehlen kann:

    The Crisis Of Credit - visualized

    Danach mag jeder selbst urteilen. (feedback welcome :)
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  5. Sicherlich hat die enorm gewachsene Liquidität zu der Größenordnung beigetragen in der Fehlinvestitionen und faule Kredite gewährt wurden. Aber ursächlich sind sie in dieser Krise nicht.

    Wenn man ein wenig buddelt, so wie Herr Krugman letzlich in http://www.nytimes.com/20... , wird schnell klar, das neoliberale Wirtschaftspolitik die Wurzel dieses Übels ist. Ich sage das nicht gerne, als Volkswirt habe ich allergrößten Respekt vor den Kräften des Marktes. Allerdings sehe ich auch die vielen Fälle von Marktversagen die gerne verschwiegen werden, auch, weil in DE die gröbsten Exzesse ordnungspolitisch eingegrenzt sind.

    Die staatlichen Kreditversicherer als Schuldige zu benennen geht auch am Kern des Problems vorbei, "Subprime Credits" sind per Definition Kredite, die von Fannie oder Freddie NICHT gewährt würden. Erst als Investmentbanken, die der Kontrolle der Fed entzogen von der Börsenaufsicht S.E.C. beaufsichtigt werden, Schrottkredite gebündelt haben konnte die Blase wirklich wachsen. Gut durchgemischt und von S&P vollkommen fehlgewertet, sind weltweit Finanzinstitute und Anleger auf eine Wette steigender Immobilienpreise hereingefallen.

    Fehlende Kontrolle und kriminelle Energie zusammen bauten ein Kartenhaus das, wie alle solche Konstrukte zusammenbrechen musste. Wenn jemand schuld ist an der derzeitigen Finanzkrise dann R.Reagan, alle seine Nachfolger, S&P und die unfähigen Vertreter der S.E.C. und Fed. Von Bankern sollte man eben keine volkswirtschaftlichen Kenntnisse erwarten, und erst recht keine selbstlose Beratung.

    Dieser Markt ist demnach nicht in der Lage sich selbst zu regulieren, Grenzen sind vonnöten, in DE, Europa und global.

    • knuham
    • 10.06.2009 um 10:37 Uhr

    Als Volkswirt können Sie vielleicht zur Meinungsbildung beitragen:
    (1)Welche Chancen räumen Sie einer verbesserten Bankenkontrolle im EU-Raum ein, wenn die EU-Kommission vom EU-Parlament gewählt würde ?
    (2)Wie beurteilen Sie das Verhaltnen der USA, die sich gegenwärtig Fannie/Freddie-Mac und AIG einverleibt haben. Können mit dieser "Einziehung" von Vermögenswerten(die beliehenen Sicherheiten) im Falle einer Hyperinflation, diese als Sachwerte angesehen werden, die zumindest dem Staat, bzw. dem Steuerzahler zur späteren Verwertung zur Verfügung stehen.
    (3) Kann man das Gezerre um HRE oder die Commerzbank in ähnlicher Weise interpretieren ?
    (4) Was könnte die US-Staatsanleihen-Blase zum platzen bringen ?

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