RohstoffeGut, dass der Ölpreis steigt

Öl wird teurer und damit auch Benzin. Das ist ein gutes Zeichen: Der Wirtschaft könnte es bald wieder besser gehen

Benzinpreisaushang an einer Tankstelle in der Nähe von Osnabrück, Ende Mai

Benzinpreisaushang an einer Tankstelle in der Nähe von Osnabrück, Ende Mai

Die Stimmung an den Märkten hat sich gedreht: Die Aktienkurse steigen, die Zinsen gehen in die Höhe. Der Euro gewinnt an Wert, der Goldpreis steuert auf die 1000-Dollar-Marke zu, und das Barrel Rohöl kostet wieder deutlich mehr als 70 Dollar.

Das trifft den Verbraucher besonders hart, denn wenn Öl teurer wird, steigt prompt auch der Benzinpreis. Schon werden Kassandrarufe laut. Die deutsche Konjunktur werde den Preisanstieg nicht gut verkraften, heißt es. Tatsächlich wirkt jede Erhöhung wie eine Energiesteuer - mit dem Unterschied, dass das zusätzliche Geld, das die Autofahrer berappen, nicht dem Staat zugutekommt, sondern den Energiekonzernen oder den Ölförderländern.

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Aber ist das wirklich so schlimm für die Wirtschaftsentwicklung? Gewöhnlich hat ein Ölpreisanstieg besonders schädliche Folgen, wenn er durch eine politische Krise hervorgerufen wird, so wie 1973 oder 1980. Davon kann im Moment keine Rede sein. Zumal die Opec-Länder gar kein Interesse an einer allzu starken Teuerung haben. Je höher der Ölpreis, desto eher lohnt sich die Ausbeutung von Lagerstätten, die sich nur unter hohen Kosten erschließen lassen, etwa in der Tiefsee. Diese Ölvorräte befinden sich aber meist außerhalb der Opec-Staaten - teures Öl würde also die Opec-Konkurrenz begünstigen.

Auch die Spekulanten als übliche Verdächtige scheinen nicht hinter der Teuerung zu stecken. Auf den Future-Märkten sind keine Anzeichen dafür zu finden. Bleibt als einziger Grund ein Anstieg der natürlichen Nachfrage. Der entsteht, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Das trifft für Deutschland zwar noch nicht zu, doch in Asien und den USA gibt es schon deutliche Signale für eine Aufhellung.

Natürlich ist es verfrüht, schon wieder von einem Boom zu sprechen. Aber die Vorlaufindikatoren sind von Abschwung auf Stabilisierung gesprungen, und auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt werden pro Monat nur noch halb so viele Stellen abgebaut wie noch zum Jahresanfang. Das ist schon was, wenn man bedenkt, wo wir herkommen. Die Erwartungen sind positiv, und sie werden an den Finanz- und Rohstoffmärkten gehandelt. Deshalb steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, und mit ihr der Preis.

Für Länder wie Deutschland ist das unerfreulich, schließlich haben wir den Abschwung noch nicht überstanden. Aber für die Exporteure eröffnen sich Chancen, sobald die Nachfrage aus dem Ausland wieder steigt. Man sollte sich also nicht zu sehr über den Ölpreisanstieg ärgern. Er ist ein positives Zeichen darauf, dass die Krise zu Ende geht.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer zum Wochenbeginn die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.

 
Leserkommentare
  1. einen (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk) habe ich seit langer Zeit nicht mehr gelesen, sehr erfrischend, weiter so, bitte mehr !

  2. das zusätzliche Geld, das die Autofahrer berappen, nicht dem Staat zugutekommt, sondern den Energiekonzernen oder den Ölförderländern

    • neu85
    • 08.06.2009 um 14:21 Uhr

    Zitat:"Man sollte sich also nicht zu sehr über den Ölpreisanstieg ärgern."

    Natürlich sollte man sich als Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und als Lehrbeauftragter nicht über einen Ölpreisanstieg ärgern. Würde ich auch nicht tun. Da ich es aber nicht bin, ärger ich mich trotzdem. Und da ich im Dorf wohne, ärger ich mich doppelt. 5 bis 7 Cent Preisunterschied zur Stadt sind des öfteren die Regel. Ich freu mich wieder auf den Sommer, wenn die Schwelle zu 1,50€/l geknackt wird.

    • NoG
    • 08.06.2009 um 14:43 Uhr

    vor dem autor, der sicherlich mehr ahnung hat als ich.
    aber:

    "Die Aktienkurse steigen, die Zinsen gehen in die Höhe. Der Euro gewinnt an Wert, der Goldpreis steuert auf die 1000-Dollar-Marke zu, und das Barrel Rohöl kostet wieder deutlich mehr als 70 Dollar."

    kann man das einfach so zusammen aufzaehlen um dann auf eine "fast-trendwende" zu schliessen?

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    Ich weiss nicht, von was der Autor eine Ahnung hat, sicherlich aber nicht von den Gründen, die die Rohstoffpreise - und damit auch die Ölpreise steigen lassen.
    Was soll dieser Artikel bezwecken? Optimismus um jeden Preis zu verbreiten, auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung desaströs und viele Blasen ( z.B. Kreditkartenblase) noch nicht geplatzt sind?
    Die Situation wird immer schlimmer, so lange die neoliberale Politik fortgesetzt wird.

    Ich weiss nicht, von was der Autor eine Ahnung hat, sicherlich aber nicht von den Gründen, die die Rohstoffpreise - und damit auch die Ölpreise steigen lassen.
    Was soll dieser Artikel bezwecken? Optimismus um jeden Preis zu verbreiten, auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung desaströs und viele Blasen ( z.B. Kreditkartenblase) noch nicht geplatzt sind?
    Die Situation wird immer schlimmer, so lange die neoliberale Politik fortgesetzt wird.

    • Atan
    • 08.06.2009 um 14:43 Uhr

    bevor wieder Leute auf die Idee kommen, ihr schönes Geld in überteuerte, schwere Spritfresser der "Premium"-Klasse zu stecken!

    • df
    • 08.06.2009 um 14:47 Uhr

    Natürlich sind für den Anstieg des Öl Preises und das Anziehen der Rohstoffmärkte die Hedge-Fonds / Spekulanten verantwortlich, da die Nachfrage nach wie vor stagniert. Man lese dazu die Analyse in der Financial Times.

    http://www.ftd.de/boersen...

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    Danke! Der FTD-Link ist gut und der Inhalt gehört bekannt gemacht.
    Bei dem Geschreibsel hier weiß ich nicht, ob ich das nun für eine Frechheit oder für Dummheit halten soll.

    ...auch die können nur spekulieren, weil wir alle auf Droge Öl sind.

    Unser hoher Lebensstandard ist einer einzigen Tatsache geschuldet: Das wir seit 150 Jahren Zugriff auf ultrabillige, hochenergetische (im Vergleich zu z.B. Tierarbeit) Energieträger haben.

    Ok, man muss einfallsreich sein, um sie dann technologisch zu nutzen.

    Trotzdem bleibt ein Endpreis von 100€/Barrel ein Witz, das sind ca. 60Cent/Liter, von den Förderpreisen will ich gar nicht reden.

    Danke! Der FTD-Link ist gut und der Inhalt gehört bekannt gemacht.
    Bei dem Geschreibsel hier weiß ich nicht, ob ich das nun für eine Frechheit oder für Dummheit halten soll.

    ...auch die können nur spekulieren, weil wir alle auf Droge Öl sind.

    Unser hoher Lebensstandard ist einer einzigen Tatsache geschuldet: Das wir seit 150 Jahren Zugriff auf ultrabillige, hochenergetische (im Vergleich zu z.B. Tierarbeit) Energieträger haben.

    Ok, man muss einfallsreich sein, um sie dann technologisch zu nutzen.

    Trotzdem bleibt ein Endpreis von 100€/Barrel ein Witz, das sind ca. 60Cent/Liter, von den Förderpreisen will ich gar nicht reden.

  3. Ja, es ist gut das der Ölpreis steigt.

    Nein, das dies ein Zeichen für Besserung in der Wirtschaft ist, ist nicht der (Haupt)Grund, warum dieser Anstieg gut ist.

    Es ist vollkommen klar, das wir jetzt den Weg zu regenerativen Energien einschlagen müssen, das wir jetzt den Verbrauch der bisherigen Energieträger einschränken müssen.

    Großtechnische, thermische Solarkraftwerke im Sonnengürtel sind möglich, bauen sich aber nicht von selbst. Nur wenn Investoren damit Geld verdienen können, werden sie die nötigen Gelder in diese Anlagen leiten.

    Niedrigenergiehäuser und vernünftige Autos mit 3l Verbrauch sind möglich. Nur wenn Gas, Heizöl und Sprit teuer genug sind, werden diese auch gekauft.

    Es ist nicht die Frage ob wir kein Öl mehr haben werden, es ist wann. Warum hat der letzte Ölpreis-Peak die USA soviel härter erwischt als Deutschland ? Bei denen gab's den Sprit fast Brutto für Netto. Hier waren fette Steuern drauf. Damit war die prozentuale Preiserhöhung hier viel geringer als in den USA, man konnte sich besser daran anpassen.

    Wichtig für die Wirtschaft ist im wesentlichen, das der Preis stetig, aber langsam genug, steigt, so das man sich anpassen kann, ohne sofort umgehauen zu werden.

    Böse gesagt hat die niedrige Steuer auf Sprit die Autoindustrie der USA umgebracht.

  4. Mal überlegen... vor ein paar Wochen noch kostete der Liter ca. 1,10 EUR und nun wieder 1,30 - im Sommer wohl wieder 1,55.... Macht also ca. 16,- EUR pro Tank mehr. 4 x pro Monat muss ich tanken - macht im Monat 64,- EUR weniger allein durch die Spritpreise.

    Geld, das ich für nichts anderes mehr ausgeben kann. Nein, für die Wirtschaftsentwicklung ist das natürlich nicht schlimm (Achtung - Ironie!)

    Dann kann ich in den Sommermonaten wieder mit den öffentlichen fahren. Die brauchen über eine Stunde, mit dem Auto brauch ich gerade mal 20 Minuten. Da kommt freude auf ^^

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