Europawahl Bayerischer HürdenlaufSeite 3/3

Seehofer fängt seine Rede denn auch vorsichtshalber mit der Bemerkung an, dass "der 1. FC Nürnberg jetzt wieder dort ist, wo er hingehört, in der ersten Liga". Der Rest der Ansprache lässt sich grob so zusammenfassen, dass die Frage, "wie viel Salz darf auf einer Brezel sein", nicht in Brüssel entschieden gehöre, die Türkei in der EU nichts zu suchen habe und dass die Bayern einfach CSU wählen müssten, weil sonst keine Bayern mehr Bayern in Europa verträten. Außerdem, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei und nicht der Mammon.

Aber das Maß aller Dinge ist an diesem Tag etwas anderes. Das Versandhaus Quelle – Söder hat das vor den 4000 Demonstranten gewohnt griffig formuliert – sei für Nürnberg das, was Opel für Rüsselsheim ist. Hinten hat ein Demonstrant ein Schild hochgehalten, auf dem stand: "Karl-Theodor sei helle, erhalte uns die Quelle!" Der vorwurfsvolle Unterton dürfte beabsichtigt gewesen sein. Wäre es nach Karl-Theodor zu Guttenberg gegangen, dem Bundeswirtschaftsminister, wäre Opel in die Insolvenz marschiert. Seehofer hat seinen Jung-Star wegen Prinzipienfestigkeit gelobt. Dahinter kann er nun nicht zurück. Er muss etwas sagen. Er darf aber nichts zusagen. Zur Rettung wird das Prinzip. "Wir als bayerische Staatsregierung haben ein Prinzip", sagt er. "Dann wenn Arbeitsplätze in Bayern bedroht sind, tun wir alles Menschenmögliche, um sie zu erhalten."

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Prinzipien kosten nichts. Noch drei Tage bis zur Wahl. Eigentlich, sagen Christsoziale, müsste es reichen – nicht besser als bei der Landtagswahl mit ihren 43 Prozent, aber auch nicht schlechter. Die Briefwahlkampagne scheint zu klappen, die Wahlämter melden große Nachfrage nach den Unterlagen. Umfragen sehen die CSU über der Hürde. Alles in Ordnung also, wenn nicht diese kleine Unsicherheit bliebe. "Es gibt da manchmal so eine Stimmung", sagt ein CSUler, der seine Basis gut kennt, "dass sie uns noch mal einen mitgeben wollen." Aus Prinzip, gewissermaßen.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Satz stimmt nur für die chancenlosen Kleinparteien. Für die Etablierten ist Euopa das reinste Vergnügen: Abgehalfterte und Unfähige können im EU-Parlament weich und sicher endgelagert werden, durch die 5%-Klausel werden unliebame Konkurrenten wirksam ferngehalten, und außerdem ist das Ganze eine kostengünstige Testwahl für den nationalen Ernstfall.

  2. Die Nichteinhaltung von Versprechen ist für Seehofer eine Selbstverständlichkeit. Er hält die Wähler ganz offensichtlich für dumm.
    In einem Interview hat er zugegeben, dass Franz-Josef Strauss sein Vorbild ist und er nach dessen Motto "in Bayern regieren und in Berlin opponieren" handelt. Beim Opponieren heuchelt er mit seiner CSU die Anwälte des kleinen Mannes vor. Der Erfolg beim Heucheln hält sich allerdings in Grenzen, denn selbst die Bauern haben die CSU inzwischen duchschaut und veranstalteten gestern ein Haberfeldtreiben gegen Seehofer.

    Und Seehofer ist einer, der den Bürgern, denen er den Anwalt des kleinen Mannes ins Gesicht heuchelt und gleichzeitig mit der Hintenherum-Dreck-Methode in den Rücken fällt. Stoiber und Faltlhauser haben in ihrer Ruhmsucht die BayernLB zum "Global Player" befehligt und damit ein 10 Mrd.-Desaster ausgelöst.

    Aus meiner Sicht kann die CSU nicht mehr ausreichend über Heuchelei, Lüge und Täuschung hinwegtäuschen und wird deshalb langsam, aber sicher, am Transparentwerden "krepieren".

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