Nach der Europawahl Jubel und Entsetzen in den Parteizentralen
Die Sozialdemokraten müssen eine historische Schlappe verdauen, bei der Union formuliert man Ansprüche. FDP und Grüne feiern. Stimmen und Stimmungen von den Wahlpartys
Eisernes Schweigen herrscht auf der SPD-Wahlparty im Willy-Brandt-Haus, als um 18 Uhr die erste Prognose über die Bildschirme flimmert. Es ist ein Desaster, was sie dort sehen. Mit betretenen Gesichtern blicken die Genossen auf die Zahlen: 21 Prozent bei der ARD, 21,5 Prozent beim ZDF. Und im Verlauf des Abends sollte es nicht besser werden, im Gegenteil: Am Ende stehen unter dem Balken für die einstmals so große Sozialdemokratische Partei Deutschlands magere 20,8 Prozent – noch weniger als bei der Schlappe vor fünf Jahren. Damals war die SPD bei der Europawahl für die Hartz-IV-Gesetzgebung abgestraft worden und bei 21,5 Prozent gelandet.
Mit einem eher mäßigen Ergebnis hatten die Genossen gerechnet, viele Wahlkämpfer hatten in den letzten Tagen der Kampagne gespürt, dass die Mobilisierung der eigenen Anhänger schlecht läuft. Aber ein solches Desaster?
Der Berliner SPD-Landesvorsitzende, Michael Müller zeigt sich im Gespräch mit ZEIT ONLINE dann auch ratlos. Warum die Europawahl für die SPD dermaßen schlecht ausging? "Keine Ahnung", sagt Müller. Er spricht über das "völlige Desinteresse an Europa" und über die "allgemeine Stimmungslage".
Als 18.15 Uhr SPD-Chef Franz Müntefering auf die Bühne tritt, brandet unter den dicht stehenden Genossen trotzig Beifall auf. Mit dem Mute der Verzweiflung beginnen sie zu jubeln, als der Parteivorsitzende die Niederlage einräumt, von einem "schwierigen Abend" spricht und von einem enttäuschenden Ergebnis. Doch gleich darauf richtet er den Blick auf die Bundestagwahl: "Der Kampf beginnt morgen früh", sagt er.
Auf der Wahlparty der CDU im Berliner Konrad-Adenauer-Haus herrscht derweil Feierstimmung – und Erleichterung. Lauter Jubel hatte den Saal erfüllt, als bei der ersten Prognose der schwarze Balken auf 38 Prozent hochgeschnellt war. So froh ist man, dass es mehrere Sekunden dauert, bis man den roten Balken wahrnimmt: Nur 21 Prozent für die SPD! Jetzt wird erst recht gejohlt und geklatscht. 37,8 Prozent stehen bei der Union am Ende zu Buche, das ist besser, als manch ein Skeptiker in den eigenen Reihen befürchtet hatte. 36 Prozent, das war die magische Grenze, die man keinesfalls unterschreiten wollte, weil man sonst eine Strategiedebatte wie nach der Bundestagswahl 2005 am Hals gehabt hätte. Erleichterung herrscht auch, als klar wird, dass die Schwesterpartei CSU die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen hat. Da vergisst man schnell, dass auch die Union gegenüber 2004 6,7 Prozent verloren hat – zumal man darauf vorbereitet gewesen war.
Fraktionschef Volker Kauder ist der erste Prominente, der im Konrad-Adenauer-Haus vor die Mikrofone tritt. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis", sagt er. "Die Menschen wollen dass wir in dieser Wirtschaftskrise besonnen handeln". Der Versuch der SPD, sich mit Milliarden-Versprechen Wahlsiege zu erkaufen sei gescheitert. Kein Wort von Europa, außer dieses: Nach dieser Schlappe könne die SPD nicht länger Anspruch auf den frei werdenden Posten in der EU-Kommission erheben.
- Datum 08.06.2009 - 17:47 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Serie wahlen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 16
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





sollten sich nicht zuviel einbilden. Sie haben auch kein Programm, keine Loesungen. Alles nur Geschaeft. Frau Silvana nutzt das EU-Parlament lediglich zur Durchsetzung ihrer persoenlichen Ziele. FDP und Gruene sind gewaehlt worden nach der alten Volksweisheit: Politik und Politiker sind schlecht. Da es aber nicht ohne sie geht, waehle ich den am wenigsten Schlechten. Und das sind im Moment die GDP und die Gruenen. Profillos und harmlos. Da kann man nicht falsch machen.
Wie auch immer die Ergebnisse der einzelnen Parteien, national oder international, kommentiert werden, der Verlierer dieser Wahl steht fest, es ist die Demokratie.
Jubel in den Parteizentralen ? Eine "Volkspartei" CDU, die von rund 38% von gut 40% der Wahlberechtigten gewaehlt wird, somit grob 16% der Waehlerschaft hinter sich vereinigt hat keinen Grund zu jubeln.
Eine SPD die noch weniger Waehler hinter sich schart, hat allerdings allen Grund entsetzt zu sein, das gilt fuer alle anderen Gruppen sinngemaess.
Offensichtlich fehlt ALLEN Parteien die sich um Waehlerstimmen bemueht haben, und ihren Kandidaten, im Grunde jegliche Legitimation fuer sich in Anspruch nehmen zu koennen den Willen des Volkes zu vertreten.
Armes Europa, armes Deutschland, arme Demokratie !
... dem kann ich mich nur anschließen. Es ist (so vorhersehbar es auch war) ein absoluter Skandal. Und es ist eine himmelschreiende Frechheit, bei einer solchen Wahlbeteiligung in Partylaune zu verfallen. Gibt es denn keine Demokraten mehr in unseren "demokratischen Parteien"?
Was sind das eigentlich für peinliche, abstoßende und charakterlose A-löcher, die da an die Mikrophone treten und entweder ihre Niederlage beklagen oder ihren Sieg feiern und mit keinem Wort auf die haarsträubende Wahlbeteiligung eingehen? Gibt's unter euch nicht einen, der soviel Rückgrat und Verstand hat, diese Tragödie anzusprechen statt kleingeistigen Parteiinteressen zu frönen?
mit freundlichen Grüßen von einem wirklich stinksauren Wähler
... dem kann ich mich nur anschließen. Es ist (so vorhersehbar es auch war) ein absoluter Skandal. Und es ist eine himmelschreiende Frechheit, bei einer solchen Wahlbeteiligung in Partylaune zu verfallen. Gibt es denn keine Demokraten mehr in unseren "demokratischen Parteien"?
Was sind das eigentlich für peinliche, abstoßende und charakterlose A-löcher, die da an die Mikrophone treten und entweder ihre Niederlage beklagen oder ihren Sieg feiern und mit keinem Wort auf die haarsträubende Wahlbeteiligung eingehen? Gibt's unter euch nicht einen, der soviel Rückgrat und Verstand hat, diese Tragödie anzusprechen statt kleingeistigen Parteiinteressen zu frönen?
mit freundlichen Grüßen von einem wirklich stinksauren Wähler
... dem kann ich mich nur anschließen. Es ist (so vorhersehbar es auch war) ein absoluter Skandal. Und es ist eine himmelschreiende Frechheit, bei einer solchen Wahlbeteiligung in Partylaune zu verfallen. Gibt es denn keine Demokraten mehr in unseren "demokratischen Parteien"?
Was sind das eigentlich für peinliche, abstoßende und charakterlose A-löcher, die da an die Mikrophone treten und entweder ihre Niederlage beklagen oder ihren Sieg feiern und mit keinem Wort auf die haarsträubende Wahlbeteiligung eingehen? Gibt's unter euch nicht einen, der soviel Rückgrat und Verstand hat, diese Tragödie anzusprechen statt kleingeistigen Parteiinteressen zu frönen?
mit freundlichen Grüßen von einem wirklich stinksauren Wähler
Der "Sieger" CDU hat 6% verloren, der "Verlierer" SPD nur 0,6%. Die einen jubeln darüber, das sie nicht mehr verloren haben, die anderen jammern, nicht ein paar mehr Stimmen bekommen zu haben.
Und die FDP mit dem unsäglichen Duo Koch-Mehrin und Westerwelle - wie konnten die überhaupt so viel Zuspruch bekommen?
Das ganze "garniert" von einer Wahlbeteiligung, die beim "strahlenden Sieger" (eigentlich der größte Verlierer) CDU auf Basis einer Legitimation von stolzen 16% in der Bevölkerung widerspiegelt - beim Rest ist es noch viel weniger.
Aber natürlich werden trotzdem alle Stühle im EU-Parlament besetzt
Die Gründe für das Desaster dürften aber ganz woanders zu verorten sein, als die journalistischen und politischen Schein-"Analysen" es darstellen.
Den Menschen ist schlicht irgendwann mal aufgegangen, das die Politik ziemlich verlogen mit zwei Zungen in Brüssel und Berlin spricht und handelt.
In den Deutschland beschwört man (offiziell) den Arbeitszeitschutz, hingegen in Brüssel mag man einer geplanten Richtlinie nicht zustimmen, weil die deutschen Vertreter lieber mehr als 72 Wochenstunden haben wollten für ihre Auftraggeber aus der Wirtschaft.
Genau dieses seit vielen Jahren "gepflegte" verlogene Doppelspiel gegen die eigenen und Bürger anderer Länder gibt den Menschen das Gefühl, das es eh Wurscht ist, ob man wählt oder nicht. Die machen eh nur das, was die Lobbyisten wollen.
Bislang konnte es keine Richtlinie geben, wo Deutschland nicht zustimmend (oder gar diese selbst vorantreibend) genickt hat, während man den nationalen Wählern scheinheilig erzählt, man konnte sich in Brüssel "leider nicht durchsetzen" und müsse nun die ach so ungeliebte Richtlinie national umsetzen - wobei natürlich der unsägliche "Fraktionszwang" im Bundestag auch noch sehr hilfreich ist.
Und das auch noch vielfach in verschärfter Form, wie bei der unsäglichen Abmahnregelung, die Frau Zypries erfunden hat und in keinem anderen EU-Land in dieser scharfen Form existiert.
Solange die Politik unglaubwürdig ist und bleibt und sich auch noch vor Gericht um ihre vermeintlich falsch bewerteten Anwesenheitszeiten meint streiten zu müssen, wie Frau Koch-Mehrin und ganz offensichtlich nur die Lobbyisten Gehör verschaffen können, wird das alles auch so bleiben, bis es irgendwann richtig kracht.
Wenn nicht endlich die Bürger in diese EU der Lobbyisten kräftig mit einbezogen werden (das bischen EU-Parlament reicht da hinten und vorne nicht, sondern es muss viel mehr und vor allem direktere Einflußnahme geben), kann das nur im Desatsert enden.
Statt den Lissabonvertrag weiter durchzupeitschen, sollten die jüngsten Ideen von Junckers schnellstens eingebaut werden und der Rest z.B. auf dem Grundgesetz als Vorlage basierend überarbeitet werden.
Dann kann man sich auch an Abstimungen wagen, die der Wähler honoriert mit Zustimmung statt Ablehnung, weil man über den Tisch gezogen wird.
Lasst Euch diesen Satz von Westerwelle eine Mahnung und Warnung sein. Dann wird nämlich auch schnell klar wohin die Reise gehen soll mit seinem zynischen "Ein Sieg für alle freiheitsliebenden Menschen."
Die Freiheit die er meint, wird eine Freiheit von wenigen sein, während die Arbeiter und Angestellten doppelt frei sein werden. Frei von Eigentum und frei von Produktionsmitteln. Zeitarbeit und Dumpinglöhne zeigen schon heute wohin die Reise auch in Zukunft und mit der FDP noch schneller gehen soll. Keine Beteiligung der Arbeiter an den Profiten, an denen sie aber maßgeblich beteiligt sind.
Die beste Errungenschaft der BRD steht auf dem Spiel, die Soziale Marktwirtschaft, denn Wohlstand für alle ist nicht das Ziel der FDP.
Ansonsten seien die Mehrheit der Medien beglückwünscht für ihren erfolgreichen Feldzug gegen Die Linke. Wo mit einfarbiger Vergangenheit irreale Ängste geschürt wurden, anstatt sich intensiv mit dem Programm der Partei für die Zukunft zu beschäftigen.
> Zeitarbeit und Dumpinglöhne zeigen schon heute wohin die Reise auch in Zukunft und mit der FDP noch schneller gehen soll. <
Schauen Sie mal bei Wikipedia unter AGENDA2010 nach. Die SPD und die Grünen haben den Abbau des Sozialstaates begonnen.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
> Zeitarbeit und Dumpinglöhne zeigen schon heute wohin die Reise auch in Zukunft und mit der FDP noch schneller gehen soll. <
Schauen Sie mal bei Wikipedia unter AGENDA2010 nach. Die SPD und die Grünen haben den Abbau des Sozialstaates begonnen.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Anhang zur Überschrift des vorgehenden Artikels.
Jetzt weiß ich warum der Header nicht mehr Zeichen erlaubt ;-)
Nach dieser Schlappe könne die SPD nicht länger Anspruch auf den frei werdenden Posten in der EU-Kommission erheben.
Wenn die Herren Stein-meier, -brück und Asmussen erst einmal dem Herren WC gefolgt sind, weil man als Mitglied jener Partei keinen Dienstwagen mehr erringen kann, wird vielleicht der Weg frei für eine Erneuerung der Partei in Richtung Demokratie und Soziale Marktwirtschaft.
Herr Westerelle tut so, als liege ihm Deutschland zu Füßen.DABEI IST nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen. Göbbels fragte, wollt ihr den totalen Krieg, und viel schrien ja. Hinterher wollte es keiner gewesen sein. Westerwelle schreit: wollt ihr den totalen Kapitalismus? ,einige stimmem ihm zu ,und wenn es schief geht schreien diese Leute als erste nach dem Staat. Westerwelle will an die Fleischtöpfe der Macht,er sollte auch wissen , daß die Liberalen Europaweit Verluste eingefahren haben, Aber diesem Politzwerg wird die Mehrheit der Wähler noch die Luft raus lassen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren