Modefotografie "Irgendwann macht es einfach 'Klick'"

Der Fotograf Peter Langer inszeniert Design-Gegenstände so, dass sie lebendig aussehen. In Berlin werden nun seine Stil-Bilder aus dem ZEITmagazin ausgestellt. Ein Interview

ZEIT ONLINE: Herr Langer, können Sie sich noch an Ihren ersten Auftrag als Fotograf erinnern?

Peter Langer: Ja, natürlich. Das Thema lautete: "Der Umzug nach Berlin". Es war so eine Art Tagebuch. So bin ich nach Berlin gekommen – und gleichzeitig als Fotograf eingestiegen.

ZEIT ONLINE: Für die Stil-Kolumne im ZEITmagazin fotografieren Sie ausschließlich Stillleben. Ist das bei manchen Objekten, wie zum Beispiel Kleidern, nicht schwierig?

Langer: Still-Life-Fotografie ist natürlich schon sehr speziell: Sie ist komplett inszeniert, und man hat die totale Kontrolle über die Sachen. Über Models hat man das nie. Es kann aber dann schwierig werden, wenn man beispielsweise ein Kleid hat, bei dem die Form eigentlich nur angezogen erkennbar ist. Es gibt das klassische "Lege-Still-Life", das finde ich aber eher langweilig. Ich versuche immer mit Bewegung zu arbeiten. Ein anderer Lösungsweg ist sonst die Verfremdung in der Nachbearbeitung oder Montage von verschiedenen Fotos: Hauptsache, man lässt es wegfliegen von dem klassischen One-Shot-Foto. 

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ZEIT ONLINE: Sie sind in dieser Kolumne nicht nur Fotograf, sondern gleichzeitig auch Stylist und Set-Designer. Wie kommen Sie immer so schnell an Ihre vielen, skurrilen Requisiten?

Langer: Oft schaue ich mich einfach in meinem Atelier um: Was habe ich sowieso schon da, was könnte zu dem Gegenstand passen? Wenn ich eine spezielle Idee habe, dann gehe ich los und besorge die nötigen Requisiten. Es hängt auch vom Ort ab, an dem ich fotografiere. Ich versuche immer, die Umgebung mit einzubeziehen.

Luis-Vuitton-Tasche auf einem gelben Truck

Luis-Vuitton-Tasche auf einem gelben Truck

ZEIT ONLINE: Bei welchem Designer-Gegenstand hat Ihnen das Fotografieren am meisten Spaß gemacht?

Langer: Zum Beispiel bei einer Louis-Vuitton-Tasche - ich habe sie auf einen knallgelben Riesen-Truck gestellt.

ZEIT ONLINE: In dem Begleittext zu Ihrer aktuellen Ausstellung Ihrer  "Stil-Bilder" in Berlin heißt es: "Man möchte nicht unbedingt die Originale besitzen, sondern der Sehnsucht folgen, die durch die Interpretation Langers ausgelöst wird." Was für eine Sehnsucht wollen Sie denn auslösen?

Langer: Ich versuche im Kopf des Betrachters eine Pointe zu erzeugen. Das macht ein gutes Foto aus: Dass man nicht nur sieht, was man sieht, sondern dass man das Bild im Kopf ergänzt. Ich möchte etwas anstoßen, das nur der Betrachter vollenden kann – jeder auf seine Art. Wie beispielsweise bei dem Foto von dem fliegenden Kleid auf der Schaukel: Es ist offen, aber jeder kann damit etwas verbinden. Es löst einfach etwas aus. Manchmal bekomme ich sogar E-Mails, in denen die Leute mir zwar nicht erzählen, woran genau sie bei dem Foto gedacht haben - aber du merkst, es ist etwas passiert im Kopf.

ZEIT ONLINE: Wie entstehen die Bilder von den Produkten bei Ihnen selbst im Kopf?

Langer:
Über den einfachsten Zugang, den der Gegenstand bietet. Bei Karohosen beispielsweise hat man ja sofort eine Assoziation: Karo. Damit kann man dann anfangen. Man probiert natürlich auch Sachen aus, und fragt sich: Was tut man in eine Damenhandtasche? Dann nehme ich eben einen Apfel mit – und schon hast du das Adam-und-Eva-Thema (lacht). Ich denke mir das nicht vorher aus – ich probiere einfach herum. Es ist ein Spielen. Und irgendwann macht es einfach "klick".

ZEIT ONLINE: Im September erscheint ein Foto-Buch von Ihnen – worum geht es dabei?

Langer: Es ist ein Auszug aus meinem Foto-Blog, den ich seit 1999 betreibe. Die Idee dahinter ist, wirklich jeden Tag ein neues Bild zu machen und online zu stellen. Das Buch bildet mein Jahr 2008 ab – es zeigt 366 Bilder. Es ist eine Art Tagebuch, meine persönliche Sicht der Welt.

Die Fragen stellte Nathalie Chrobaczek-Prospero


Peter Langer
, Jahrgang 1968, studierte visuelle Kommunikation an der Merz Akademie in Stuttgart. Nach einem kurzen Intermezzo als Art Director an einer Werbeagentur arbeitet er seit 1997 als Fotograf. Seit 2008 fotografiert er die Stil-Kolumne des ZEITmagazins.
Seine Fotos sind noch bis zum 30. Juni in der Berliner Galerie für Modefotografie, Schröderstrasse 13, zu sehen.
Öffnungszeiten: Do, Fr, Sa von 12-18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung



 

 
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