Uni Hamburg Rebellion gegen Raketen-Moni
Autoritär und undemokratisch: Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin der Uni Hamburg, soll einen ganz eigenen Führungsstil pflegen. Die Dekane fordern sie zum Rücktritt auf

© picture-alliance/ dpa
Hauptgebäude der Uni Hamburg: Professoren fürchten um die akademische Mitbestimmung
Es gibt auch noch andere Krisen als die Finanzkrise. Zum Beispiel Führungskrisen. In einer solchen steckt seit längerem die Universität Hamburg, an deren Spitze seit zweieinhalb Jahren Monika Auweter-Kurtz steht. Ihren Spitznamen "Raketen-Moni" verdankt die Präsidentin nicht nur ihrem Beruf – sie ist Raketen-Ingenieurin – sondern auch ihrem zackigen Führungsstil, der vielen als autoritär und undemokratisch gilt.
Zwei wichtige politische Entscheidungen stehen in Hamburg in nächster Zeit an: Es geht um den eventuellen Umzug der Universität in das Hamburger Hafengebiet und um die Novellierung des Hochschulgesetzes, die der Hochschulführung mehr Macht geben soll. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass dem Präsidium das alleinige Vorschlagsrecht für Dekane, die Leiter der insgesamt sechs großen Fachbereiche, vorbehalten ist.
Auweter-Kurtz wirbt für beide Vorschläge offensiv. Für sie ist der Umzug aus der Mitte der Stadt in den Hafen unbedingt notwendig, um mit der fünftgrößten Universität Deutschlands, die in Rankings stets schlecht abschneidet, "an die Spitze der deutschen Hochschulen aufzuschließen". Dafür seien mehr Fördergelder für mehr Wissenschaftlerarbeitsplätze und mithin neue Nutzflächen erforderlich. Gegner und Kritiker des tollkühnen, voraussichtlich zwei Milliarden teuren Uni-Neubaus sehen sich ignoriert. Sie warnen vor der Zerstörung lang gewachsener lokaler Strukturen und vor dem Verfall von ehrwürdigen Traditionen.
Mehrere Hochschullehrer haben inzwischen einen Aufruf zur Abwahl der Präsidentin verfasst und dafür 120 Unterschriften von Kollegen gesammelt. In dem Schreiben, das ZEIT ONLINE vorliegt, ist von "gravierenden Missständen an der Universität" die Rede. Die Leitung der Hochschule sei von einer "praxisfernen Überbürokratisierung" gekennzeichnet und habe sich "in kurzer Zeit zu einer autoritär geführten Einrichtung entwickelt."
Weiter heißt es: "Eine Universität, deren Mitglieder demoralisiert und ihrer eigenen Institution entfremdet werden, verliert jede Attraktivität". Für die Abwahl der Präsidentin ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Hochschulrat nötig. Das Gremium setzt sich jeweils zur Hälfte aus Mitgliedern der Universität sowie externen Beratern zusammen. Es hat sich in der vergangenen Woche bereits klar auf die Seite von Auweter-Kurtz gestellt.
Unterstützung bekommen die aufrührerischen Professoren hingegen durch drei ehemalige Vize-Präsidenten der Uni. Wilfried Hartmann, Jörg Hennig und Barbara Vogel wenden sich in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Hamburger Bürgerschaft mit der Bitte, die Novelle des Hochschulgesetzes noch zu verhindern und die akademische Selbstverwaltung zu stärken.
Auweter-Kurtz jedenfalls würde sich mit dem neuen Gesetz viel von der Sorte Ärger ersparen, wie sie ihn seit Anfang Mai mit dem geisteswissenschaftlichen Fakultätsrat erlebt. Der hat einstimmig den Theologen Hans-Martin Gutmann zum Dekan gewählt. Das Präsidium aber verweigert die Anerkennung.
Gutmann steht in Fundamentalopposition zur Chefin. Er macht sie für eine "tiefe Vertrauenskrise" verantwortlich. Den Vertrauensverlust bei den Professoren führt Gutmann auf "langfristige Kommunikationsverweigerung" durch die Präsidenten zurück. Demgegenüber profiliert er sich als Menschenversteher: "Ich war ja auch mal Pfarrer und weiß mit Leuten zu reden." Gutmann will seine Fakultät kollegial statt präsidial führen und allen Professoren größte Selbständigkeit einräumen. Wegen der Ablehnung des Oppositionsführers durch das Präsidium traten vier von zehn Professoren und drei ihrer Stellvertreter aus dem Akademischen Senat, dem höchsten Selbstverwaltungsgremium, zurück.
Proteste brechen derzeit an allen Ecken auf. Trotzdem wirken die Aktionen insgesamt ziemlich unkoordiniert. "Die Unkoordiniertheit der Kritik ist auch Ausdruck einer gewollten Fragmentierung der Uni", sagt der mittlerweile emeritierte Professor der Politikwissenschaft Hans J. Kleinsteuber. "Es gibt kaum noch gemeinsame Gremien und Foren zur Willensbildung und Artikulation eigener Anliegen. Die Uni wurde in Fakultäten aufgeteilt, die wenig miteinander zu tun haben." Die Präsidentin habe von Anfang an versucht, durch bürokratische Politik Kontrolle über die Niederungen der Universität zu gewinnen und den Professoren so das Leben schwer gemacht.
Ex-Vizepäsident Hennig sieht den wissenschaftlichen Alltag an der Uni derzeit von Resignation, Angst und Wut geprägt. "Wenn die Präsidentin sagt, man solle mit Fragen auf sie zukommen, heißt das, dass sie etwas zu verkünden hat." Die traditionelle "Reformgruppe Hamburger Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer" (RHH) ist von der Bildfläche verschwunden, andere Gruppierungen finden für diverse Wahlämter nur schwer Kandidaten. Die Studentenvertreter sprechen mit vielen und deshalb oft widersprüchlichen Stimmen pro und contra Auweter-Kurtz. Demgegenüber bedient sich die Präsidentin seit diesem Monat für Umzugs- und Führungsfragen einer internationalen PR-Agentur.
Gerade die Dekane erweckten zeitweilig einen schwankenden und dilettantischen Eindruck. Das ist seit Dienstag anders. In einem geharnischten Schreiben an die Präsidentin und den Hochschulrat, das ZEIT ONLINE vorliegt, fordern alle – außer dem Medizin-Dekan – Auweter-Kurtz zum Rücktritt auf.
"Mit Besorgnis nehmen wir wahr, dass während Ihrer Amtszeit die Führungs- und Beteiligungsstrukturen in einer Art und Weise hierarchisiert wurden, wie es vom Hochschulrecht nicht erzwungen wird", heiß es in dem Brief. Weiter schreiben die Dekane: "Es muss akzeptiert und respektiert werden, dass es andere Meinungen gibt als die des Präsidiums oder die der Präsidentin. Dekanate sind keine Befehlsempfänger, die in einem Klima des gegenseitigen Misstrauens zunehmend von ihrer gesetzlich zugeschriebenen Rolle entfremdet werden. Diskussionen, die nach unserem Empfinden nicht selten mit apodiktischen Sätzen im Tenor von 'Ich will es aber so' oder 'Das ist mir egal' beendet werden, ermutigen nicht dazu, immer wieder das letztlich aussichtslose Gespräch zu suchen".
Die Amtszeit von Auweter-Kurtz läuft offenbar aus.
- Datum 11.06.2009 - 11:43 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE 10.6.2009 - 22:40 Uhr
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Im Namen von Effizienz und Exzellenz werden demokratische Grundsätze über Bord geworfen. Dekane sollen Vollstreckungsbeamte der Präsidentin werden, die von einem externen Hochschulrat bestellt ist und rücksichtslos ihre Vorstellungen durchsetzt, sei es in Personalfragen, sei es bei der fragwürdigen Entscheidung zum Neubau des Campus im Industriehafengebiet auf der Elbinsel Grasbrook.
Die unter Senator Dräger auf Empfehlung der Dohnanyi-Kommission umgesetzten Reformen waren von der guten Absicht getragen, die Universität Hamburg effizient und zukunftsfähig zu machen. Positiv daran war der stärkere Ausbau der Natur- und Ingenieurswissenschaften bei gleichzeitigem Erhalt der Geisteswissenschaften. Sinnvoll war ferner die Neugliederung der Fachbereiche in Fakultäten und ein Zurückstutzen allzu ausufernder Mitbestimmung. Es hat auch manche Modernisierung und Professionalisierung gegeben, die der Universität gut bekommen ist.
In vielen Punkten sind die Reformen aber über das Ziel hinausgeschossen. Das erste Ärgernis war, einem bundesweiten Trend folgend, die Einführung von Studiengebühren, zu niedrig, um die finanzielle Ausstattung der Hochschule ernsthaft zu verbessern, aber hoch genug, um Kapitalschwache oder Unsichere abzuschrecken und Proteste wegen eines Verlusts an Chancengleichheit hervorzurufen. Die Umstellung auf das Bachelor-Master-System hat weitere Schwierigkeiten verursacht, dies gilt allerdings für alle Universitäten in Deutschland. Das zweite, hier spezifisch hamburgische Problem, ist die Umwandlung des demokratischen Spielplatzes in eine auf Effizienz gebürstete Diktatur. Nur die Pressestelle des Präsidiums darf Stellungnahmen verlautbaren, abweichende Meinungsäußerungen sind unerwünscht. Hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Universität - inhaltlich, baulich, örtlich - wird auf die unmittelbar Betroffenen nicht gehört. Freiräume schwinden, Demokratie wird nicht mehr eingeübt, der gesellschaftliche Auftrag der Universität wird dem Streben nach Drittmitteln untergeordnet. Bürgerfern, geografisch entfernt und undemokratisch, soll die Universität Hamburg künftig unpolitische Streber und exzellente Egoisten heranzüchten, von gleichgeschalteten Professoren in großvolumigen Drittmittelneubauten fit gemacht für den Weltmarkt.
Aber zum Glück schwingt das Pendel gerade zurück. Hoffen wir auf eine menschliche und kreative Universität, die sich ihren gesellschaftlichen Aufgaben und ihrer demokratischen Traditition verpflichtet weiß.
Nein, wir sind mitten drin. Frau Präsidentin dementiert fleißig und verlässt auch gerne mal ein Gremium, wenn sie an der Wand steht.
Die Eule der Minerva ist zurückgetreten, Prof. Pazzini hat Frau A.K. direkt auf ihre "Vision" angesprochen, öffentlich auf der Fakultätsratssitzung des Pädagogischen Instituts. Sie verweist auf ihre (hoffnungslos altmodische) Power Point Präsentation über die Vorteile des Umzugs. In Excel-Tabellen gepresster Größenwahn mit Geldverschleuderei in Zeiten, in denen es überall fehlt, "sei keine Vision". Und das sagt vieles über die rechte Hand der Wissenschaftssenatorin.
Der schwarz-grüne Senat gehört abgestraft und so wird es auch kommen. Wir haben Probleme beim Studium, na klar kann der Hamster auch versuchen, 1000 Umdrehungen pro Semester zu laufen, aber viele Hamster bekommen davon einen Herzinfarkt. "Das ist zum Glück nicht so wild, wir planen eh' nur 60% Masterplätze für Euch ein...wie bitte? es gibt keine Arbeitsplätze für Bachelor-Lehramtsstudenten? Nur ein Masterabschluss wird in den Lehrberuf helfen? Nicht unser Problem, wir sind die Verwaltung, wir sind nicht in Euren Vorlesungen, wir zucken mit der Schulter, wenn Ihr Eure Kurse nicht belegen könnt. Denkt daran: wer nicht rechtzeitig das Modul schafft, fliegt raus!" LG, die Spitze der Pyramide.
Als Studenten haben wir gefäligst zu funktionieren, Geld zu bezahlen und auswendig zu lernen. Kennt man noch aus dem Kindergarten, da hiess das Malen nach Zahlen. Es fault innerhalb unserer mauern und das liegt nicht an den Gebäuden, sondern am Mißmanagement, der gewollten Unterdrückung durch das Präsidium.
Noch hat keine Zeitung die Hintergründe hinterfragt. Noch steht Frau A.K. als wild gewordene Präsidentin da; aber wer steht hinter ihr? Wer treibt sie an? Was ist ihr teil der Beute, wenn sie abgelöst wird? Keiner macht so etwas, weil er sich für so genial hält. Die Frau bewegt sich zur Semestereröffnung im Schutze von Sicherheitsleuten.
Cui bono ??
Wer profitiert wirklich vom Verkauf und Neubau?
Wer ist vorgesehen als Bauherr für den Bau der Wohnheime und Infrastruktur auf dem Grasbrook?
Ist das Geschehen an der Universität im Senat und in der Bürgerschft gewünscht, geplant oder unbekannt? Und wenn ja, warum?
Eine Universität ist kein Konzern und darf auch nicht wie einer geführt werden.
(auf Wunsch des Users entfernt. Die Redaktion/jk)
Jeder Reformprozess erfordert von allen Beteiligten ein Mindestmaß an Kooperationsbereitschaft und Anerkennung von Entscheidungsstrukturen. Frau Auweter-Kurtz erfüllt letztlich eine von der Politik eingeforderte Reformaufgabe. In Erfüllung dieses Auftrags erfolgt eine ständige Abwägung zwischen Einzel- und Gemeinschaftsinteressen. Objektiv kann man nicht erkennen, dass Frau Auweter-Kurtz das große Ganze aus den Augen verloren hätte, während man hingegen überdeutlich sieht, dass eine Reihe von "lebenslänglichen", staatlich alimentierten Professoren aus den unterschiedlichsten Gründen eigenen Partikularinteressen folgt, wobei es auch ums liebe Geld geht. Gegen einen das Ganze umfassenden Reformprozess steht also nicht etwa ein das Ganze betreffender Gegenentwurf, sondern eine bunte Versammlung von nörgelnden Beamten, die ihrer Alma Mater in die Brust beissen.
Es wird sich nun zeigen, ob Gesprächsangebote von Seiten des Direktoriums wirklich angenommen werden oder ignoriert werden, weil es eigentlich vor allem um ein prinzipielles Dagegensein geht.
Der Vorwurf "dass Frau Auweter-Kurtz das große Ganze aus den Augen verloren hätte" trifft nicht den Punkt. (Vielleicht ist dieser Vorworf so noch nicht einmal geäußert worden).
Das Problem ist, dass man hier ein "großes Ganzes" überhaupt postuliert, dass man die Universität eben nicht als "Holding" sieht, sondern mit einem präzisen (hofft man zumindest) "Geschäftsmodell" versehen will.
Den Widerstand gegen die Unterwerfung von "Partikularinteressen" unter jenes total(itär)e Geschäftsmodell als eine Veranstaltung von nörgelnden Beamten, die ihrer Alma Mater in die Brust beissen zu geißeln - ist infam.
Herzlichst Crest
Zu Nr. 4 (HenryC): Es ist nicht fair, die Kritiker als nörgelnde Beamtenschar abzutun, die nur ihre Privilegien verteidigen wolle und keine Gemeinschaftsinteressen im Blick habe. Es geht auch nicht um persönliche Bequemlichkeit, wie den Gegnern eines Umzugs auf den Grasbrook gerne vorgehalten wird, erst recht nicht um ein prinzipielles Dagegensein. Vielmehr geht es um fundamental unterschiedliche Zielvorstellungen über den notwendigen Modernisierungsprozess.
Die Kritiker haben noch keinen umfassenden Gegenentwurf ausgearbeitet, der heute als "großes Ganzes" zur Diskussion stehen könnte, weil sie sich bisher loyal mit den Vorgaben zu arrangieren versucht haben, bis die Schmerzgrenze erreicht war, und weil eine Diskussion über Gegenentwürfe seitens der Führung überhaupt nicht erwünscht war. Der Tenor der Kritik lautet erkennbar und eindeutig: Mehr Dialog, mehr Demokratie, mehr Einbeziehung der Betroffenen. Die Universität soll nicht wie ein Industriekonzern geführt werden. Ihr Personal besteht nicht aus Fließbandarbeitern, sondern aus hochqualifizierten Köpfen und freien Geistern, die ihre Freiräume brauchen und deren Bedürfnisse zu respektieren sind. War nicht bei der Amtseinführung der Präsidentin die Rede von Behutsamkeit und Fingerspitzengefühl?
Die Vorgabe der Politik zur Modernisierung steht außer Frage, aber dieser Auftrag ist keine Generalermächtigung, um das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es scheint, als wolle sich die Führung ein neues Volk wählen. In neuen Pyramiden auf dem Grasbrook soll der Bruch mit der alten Universität vollzogen werden, soll die Diskontinuität ihr sichtbares Zeichen finden. Was die Stichworte Vergütung und Profit Center betrifft, wäre anzumerken, dass ein Modell, welches auf Provisionen für Drittmittelakquisitionen basiert, Professoren zu Handelsvertretern degradiert und die ungleichen Chancen der unterschiedlichen Fächer, derartige Mittel einzuwerben, nicht genügend berücksichtigt. In einer Zeit, in der die radikale Ökonomisierung gerade wieder aus der Mode kommt, sollte man gemeinsam über neue Bewertungskriterien für den Erfolg von Forschung und Lehre nachdenken. Es führt nicht zu mehr Exzellenz, wenn die Leistungsträger in Angst und Ärger versetzt werden.
Im Interesse der Bürger muss die Universität an ihrem gewachsenen, beliebten und verkehrsgünstigen Standort im Herzen der Stadt baulich modernisiert und erweitert werden. Der Bezirk Eimsbüttel hat soeben ein Gutachten vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass die Modernisierung am Standort in verträglicher Weise möglich ist, und dass der Flächenbedarf hier zeitnah erfüllt werden kann, wobei die Kosten erheblich niedriger sind als bei der Neuerschließung einer Elbinsel.
Der Vorwurf "dass Frau Auweter-Kurtz das große Ganze aus den Augen verloren hätte" trifft nicht den Punkt. (Vielleicht ist dieser Vorworf so noch nicht einmal geäußert worden).
Das Problem ist, dass man hier ein "großes Ganzes" überhaupt postuliert, dass man die Universität eben nicht als "Holding" sieht, sondern mit einem präzisen (hofft man zumindest) "Geschäftsmodell" versehen will.
Den Widerstand gegen die Unterwerfung von "Partikularinteressen" unter jenes total(itär)e Geschäftsmodell als eine Veranstaltung von nörgelnden Beamten, die ihrer Alma Mater in die Brust beissen zu geißeln - ist infam.
Herzlichst Crest
Zu Nr. 4 (HenryC): Es ist nicht fair, die Kritiker als nörgelnde Beamtenschar abzutun, die nur ihre Privilegien verteidigen wolle und keine Gemeinschaftsinteressen im Blick habe. Es geht auch nicht um persönliche Bequemlichkeit, wie den Gegnern eines Umzugs auf den Grasbrook gerne vorgehalten wird, erst recht nicht um ein prinzipielles Dagegensein. Vielmehr geht es um fundamental unterschiedliche Zielvorstellungen über den notwendigen Modernisierungsprozess.
Die Kritiker haben noch keinen umfassenden Gegenentwurf ausgearbeitet, der heute als "großes Ganzes" zur Diskussion stehen könnte, weil sie sich bisher loyal mit den Vorgaben zu arrangieren versucht haben, bis die Schmerzgrenze erreicht war, und weil eine Diskussion über Gegenentwürfe seitens der Führung überhaupt nicht erwünscht war. Der Tenor der Kritik lautet erkennbar und eindeutig: Mehr Dialog, mehr Demokratie, mehr Einbeziehung der Betroffenen. Die Universität soll nicht wie ein Industriekonzern geführt werden. Ihr Personal besteht nicht aus Fließbandarbeitern, sondern aus hochqualifizierten Köpfen und freien Geistern, die ihre Freiräume brauchen und deren Bedürfnisse zu respektieren sind. War nicht bei der Amtseinführung der Präsidentin die Rede von Behutsamkeit und Fingerspitzengefühl?
Die Vorgabe der Politik zur Modernisierung steht außer Frage, aber dieser Auftrag ist keine Generalermächtigung, um das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es scheint, als wolle sich die Führung ein neues Volk wählen. In neuen Pyramiden auf dem Grasbrook soll der Bruch mit der alten Universität vollzogen werden, soll die Diskontinuität ihr sichtbares Zeichen finden. Was die Stichworte Vergütung und Profit Center betrifft, wäre anzumerken, dass ein Modell, welches auf Provisionen für Drittmittelakquisitionen basiert, Professoren zu Handelsvertretern degradiert und die ungleichen Chancen der unterschiedlichen Fächer, derartige Mittel einzuwerben, nicht genügend berücksichtigt. In einer Zeit, in der die radikale Ökonomisierung gerade wieder aus der Mode kommt, sollte man gemeinsam über neue Bewertungskriterien für den Erfolg von Forschung und Lehre nachdenken. Es führt nicht zu mehr Exzellenz, wenn die Leistungsträger in Angst und Ärger versetzt werden.
Im Interesse der Bürger muss die Universität an ihrem gewachsenen, beliebten und verkehrsgünstigen Standort im Herzen der Stadt baulich modernisiert und erweitert werden. Der Bezirk Eimsbüttel hat soeben ein Gutachten vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass die Modernisierung am Standort in verträglicher Weise möglich ist, und dass der Flächenbedarf hier zeitnah erfüllt werden kann, wobei die Kosten erheblich niedriger sind als bei der Neuerschließung einer Elbinsel.
waren zu den Zeiten am effektivsten im "Output" an Wissen, Ideen und auch Nobelpreisen, als Hierarchie im Lehrkörper und Stromlinienförmigkeit der Studiengänge kein Thema war, und die Fachbereiche resp. Fakulktäten nicht als "Profitcenter" angesehen wurden.
Insbesondere die externen Mitglieder der Hochschulräte spülen eine Kultur in die Hochschulen, die diesen nicht gut tut.
Die Hochschulen werden sich (irgendwann) davon erholen. Das ist aber kein Grund, hier die Hände in den Schoß zu legen. Denn es ist wie mit der Zahnprophylaxe: Der Zahnarzt wirds zwar später wieder richten. Doch es tut dann weh, wenn ich vorher nachlässig war.
Herzlichst Crest
Der Vorwurf "dass Frau Auweter-Kurtz das große Ganze aus den Augen verloren hätte" trifft nicht den Punkt. (Vielleicht ist dieser Vorworf so noch nicht einmal geäußert worden).
Das Problem ist, dass man hier ein "großes Ganzes" überhaupt postuliert, dass man die Universität eben nicht als "Holding" sieht, sondern mit einem präzisen (hofft man zumindest) "Geschäftsmodell" versehen will.
Den Widerstand gegen die Unterwerfung von "Partikularinteressen" unter jenes total(itär)e Geschäftsmodell als eine Veranstaltung von nörgelnden Beamten, die ihrer Alma Mater in die Brust beissen zu geißeln - ist infam.
Herzlichst Crest
Zu Nr. 4 (HenryC): Es ist nicht fair, die Kritiker als nörgelnde Beamtenschar abzutun, die nur ihre Privilegien verteidigen wolle und keine Gemeinschaftsinteressen im Blick habe. Es geht auch nicht um persönliche Bequemlichkeit, wie den Gegnern eines Umzugs auf den Grasbrook gerne vorgehalten wird, erst recht nicht um ein prinzipielles Dagegensein. Vielmehr geht es um fundamental unterschiedliche Zielvorstellungen über den notwendigen Modernisierungsprozess.
Die Kritiker haben noch keinen umfassenden Gegenentwurf ausgearbeitet, der heute als "großes Ganzes" zur Diskussion stehen könnte, weil sie sich bisher loyal mit den Vorgaben zu arrangieren versucht haben, bis die Schmerzgrenze erreicht war, und weil eine Diskussion über Gegenentwürfe seitens der Führung überhaupt nicht erwünscht war. Der Tenor der Kritik lautet erkennbar und eindeutig: Mehr Dialog, mehr Demokratie, mehr Einbeziehung der Betroffenen. Die Universität soll nicht wie ein Industriekonzern geführt werden. Ihr Personal besteht nicht aus Fließbandarbeitern, sondern aus hochqualifizierten Köpfen und freien Geistern, die ihre Freiräume brauchen und deren Bedürfnisse zu respektieren sind. War nicht bei der Amtseinführung der Präsidentin die Rede von Behutsamkeit und Fingerspitzengefühl?
Die Vorgabe der Politik zur Modernisierung steht außer Frage, aber dieser Auftrag ist keine Generalermächtigung, um das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es scheint, als wolle sich die Führung ein neues Volk wählen. In neuen Pyramiden auf dem Grasbrook soll der Bruch mit der alten Universität vollzogen werden, soll die Diskontinuität ihr sichtbares Zeichen finden. Was die Stichworte Vergütung und Profit Center betrifft, wäre anzumerken, dass ein Modell, welches auf Provisionen für Drittmittelakquisitionen basiert, Professoren zu Handelsvertretern degradiert und die ungleichen Chancen der unterschiedlichen Fächer, derartige Mittel einzuwerben, nicht genügend berücksichtigt. In einer Zeit, in der die radikale Ökonomisierung gerade wieder aus der Mode kommt, sollte man gemeinsam über neue Bewertungskriterien für den Erfolg von Forschung und Lehre nachdenken. Es führt nicht zu mehr Exzellenz, wenn die Leistungsträger in Angst und Ärger versetzt werden.
Im Interesse der Bürger muss die Universität an ihrem gewachsenen, beliebten und verkehrsgünstigen Standort im Herzen der Stadt baulich modernisiert und erweitert werden. Der Bezirk Eimsbüttel hat soeben ein Gutachten vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass die Modernisierung am Standort in verträglicher Weise möglich ist, und dass der Flächenbedarf hier zeitnah erfüllt werden kann, wobei die Kosten erheblich niedriger sind als bei der Neuerschließung einer Elbinsel.
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