Parlamentswahl Krieg der Worte im LibanonSeite 2/2
Wie gefährlich eine solche Einflussnahme für die Menschen im Libanon ist, wurde erst kürzlich deutlich. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde der Konflikt zwischen den beiden Hauptlagern auch auf Beiruts Straßen ausgetragen. Mehr als 80 Tote wurden während der heftigen Zusammenstöße gezählt, die viele Libanesen an den von 1975 bis 1990 dauernden Bürgerkrieg erinnerten.
Den Grundstein für die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Mai 2008, bei denen die Hisbollah ihre Waffen zum allerersten Mal gegen die eigene Bevölkerung richtete, legte der kurze Krieg 2006. Er war es, der die wahren Allianzen im Land sichtbar machte. Und dieser Krieg war es, der Sinioras Bündnis in eine äußerst schwierige Lage brachte, wurde es doch gezwungen, sich gegen Hisbollah und somit gewissermaßen auf die Seite Israels zu schlagen.
Um den Urnengang am Sonntag zu überwachen, sind bereits mehr als 200 internationale Beobachter im Zedernstaat eingetroffen. 50.000 Soldaten und Polizisten werden am Wahltag durch die Straßen patrouillieren. Sie sollen dafür sorgen, dass es nach Bekanntgabe der Ergebnisse nicht zu Gewalttaten kommt.
Doch egal, welcher der beiden Bündnisblöcke am Ende vorne liegt, ohne Kooperation mit der gegnerischen Seite wird es im Libanon keine neue stabile Regierung geben.
Gewinnt das prowestliche Lager und blockiert Hisbollah, drohen erneut innere Unruhen. Bestimmt dagegen "die Partei Gottes" den neuen Regierungschef mit General Aoun als Steigbügelhalter und verweigern die prowestlichen Abgeordneten die Zusammenarbeit, drohen dem Libanon internationale Isolierung und eine rasch wachsende Abhängigkeit von Syrien und Iran.
Denn der Westen könnte überreagieren und den Wahlsieg Nasrallahs mit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen gleichsetzen. Die USA, die Hisbollah als Terrororganisation einstufen, haben für diesen Fall bereits angekündigt, die gerade angelaufenen Militärhilfen für die libanesische Armee einzustellen.
Und wenn dann noch die reichen Ölstaaten wie Saudi-Arabien und die Golfemirate ihre finanziellen Transfers streichen und alle Investitionen einfrieren, könnte dies rasch in einem Kollaps der fragilen libanesischen Wirtschaft münden.
- Datum 05.06.2009 - 22:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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