London im Juni. Tower, Themse, Touristenströme, die sich durch die Stadt wälzen. Ihre Wege orientieren sich an den Sehenswürdigkeiten, den Museen und Shopping-Zentren der Weltstadt. Vom Pflastertreten entspannt der Reisende nur kurz im Hyde oder St. James’s Park, bevor es weitergeht zur nächsten Sehenswürdigkeit aus Stein, Glas oder Stahl.

Am 13. und 14. Juni tun sich jedoch ungewohnte Wege auf – der Besucher erhält Einblick in die privaten Seiten der Bewohner Londons: Beim Open Garden Squares Weekend öffnen rund 190 Parks und Gärten der englischen Hauptstadt ihre Tore für die Öffentlichkeit.

Garden Squares, das sind die rechteckigen oder quadratischen Parks, die das Gelände zwischen sich kreuzenden Straßen ausfüllen – Gedankenstriche im dichten Gebäudedschungel der Stadt. Manche von ihnen sind öffentlich, aber es gibt auch die privaten, die nur die Anwohner gegen Miete nutzen dürfen. Der London Parks and Gardens Trust sorgt aber dafür, dass einmal im Jahr jeder Interessierte die lauschigen Plätze genießen kann. Auf diese Weise soll auch die Bedeutung der Grünflächen für die Großstadt unterstrichen werden.

Im noblen Stadtteil Kensington etwa genießt der Reisende das Privileg, am urbanen Gartenleben der Bessergestellten teilzunehmen. In Courtfield Gardens East bieten die Anwohner unter einer weißen Pergola den traditionellen Cream Tea, Clotted Cream und Scones an: schwarzer Tee und Gebäck mit dickem Rahm und Erdbeermarmelade. Hier wird mit abgespreiztem kleinen Finger der Henkel der Teetasse auf drei Uhr gedreht.

Oder am Hereford Square in South Kensington: Dieser kleine Park des 1850 entstandenen Häuserblocks ist umzäunt von einem schwarzen Gitter. Rhododendron-Hecken, hingebungsvoll gepflegt von Privatgärtner Joseph Jones, schützen vor neugierigen Blicken. Am Open Garden Squares Weekend bietet die Nachbarschaftsorganisation französische Weine zur Verkostung an.

Die Anwohner des Phoenix Garden in der City geben sich dagegen ganz anders als die im Nobelstadtteil Kensington. Alex Bray, Vorsitzender des Nachbarschaftsprojekts, verkauft an einem Stand vorm Geräteschuppen selbstgebackenen Karottenkuchen, geerntet im biologisch bewirtschafteten Garten. In den frühen 1980er Jahren verwandelten die Anwohner, Künstler und Avantgardisten, den ehemaligen Parkplatz an der Stacey Street in ein Biotop, das mit seinem kleinen Teich, seinen Bambus- und Schilfgraswäldchen, seltenen Fröschen und Vögeln ein Refugium mitten in der Metropole bietet. Nicht nur Anwohner engagieren sich für den Erhalt des Phoenix Garden. Alex berichtet, dass der Phoenix-Fanclub Mitglieder  in den  USA, Frankreich und Israel hat.