Technik "Bald reden wir lieber mit Maschinen als mit Menschen"

Manish Sharma, Chefentwickler der kalifornischen Softwarefirma Tuvox, hält Sprachsteuerung für den nächsten logischen Schritt bei der Bedienung von Computern. Interview

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Um ins Call Center zu gelangen, müssen Anrufer häufig erst einmal an einer Computerstimme vorbei

Um ins Call Center zu gelangen, müssen Anrufer häufig erst einmal an einer Computerstimme vorbei

ZEIT ONLINE: Ganz schön Retro, solche Sprachsteuerungen, oder? Der frühere Chef des MIT-Computerlabs Michael Dertouzos konnte sich noch in den 1990er Jahren schrecklich darüber aufregen. Menschen mit ihren unfassbar wertvollen Gehirnen, wetterte er, befolgten per Telefon die Anweisungen eines 100-Dollar-Kästchens mit ein paar Schaltkreisen...

Manish Sharma: Ich will ehrlich mit Ihnen sein, es wird vermutlich eine Generation dauern, bis solche Sachen wirklich von den Menschen angenommen werden, bis sie zum natürlichen Teil ihres Handelns werden. Aber die nächste Generation wird viel selbstverständlicher damit umgehen. Vor 15 Jahren waren Geldautomaten auch noch nicht von allen akzeptiert, da sagten die Leute, ich will lieber persönlich mit meinem Banker sprechen, wenn ich Geld brauche. Und Mobiltelefone waren ihnen auch noch suspekt.

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ZEIT ONLINE: Geldautomaten sind praktisch, Mobiltelefone auch. Aber Geräte, in die ich etwas hinein sagen soll, obwohl sowieso überall Lärm ist, und die mich dann häufig nicht richtig verstehen? Oder sprachgesteuerte Telefonwarteschleifen? Die Leute hassen so etwas!

Sharma: Es kommt sehr darauf an, wie diese Sachen gemacht werden. Ich gebe Ihnen aber Recht, viele in der Industrie haben da bisher nicht genug Aufmerksamkeit darauf verwendet.

ZEIT ONLINE: Das heißt, Sprachsteuerungen könnten besser sein?

Sharma: Nehmen Sie die Telefonsysteme. Da müssen Sie am Ende die richtige Balance finden. Bis zu welchem Punkt dürfen wir die Leute in einem automatisierten System gefangen halten, und wann lassen wir sie raus, so dass sie mit einem richtigen Mitarbeiter sprechen dürfen?

ZEIT ONLINE: Habe ich das jetzt richtig verstanden? Gefangen halten? Die Leute sollen also mitquatschen, bis es weh tut, und dann dürfen sie mit richtigen Menschen reden?

Sharma: Nein, das ist zu einfach ausgedrückt, dahinter steckt ein mehrdimensionales Problem. Aber tatsächlich halten wir es bei vielen Lösungen für richtig, die Leute nur teilweise der automatischen Sprachsteuerung auszusetzen. Da wird dann von einem Automaten aufgenommen, wer die Anrufer sind, warum sie anrufen, und diese Information wird dann zu einem Mitarbeiter weitergeleitet, der gleich der richtige Ansprechpartner ist. Die Leute sagen immer, dass sie es hassen, mit Automaten zu reden, das stimmt schon. Aber sie hassen es mindestens genauso, wenn sie mit dem falschen Mitarbeiter verbunden werden, herumgereicht werden und wieder die gleiche Geschichte von vorn erzählen müssen!

Leser-Kommentare
    • ben_
    • 08.06.2009 um 20:36 Uhr

    Ja. Natürlich ist Sprachsteuerung ein wichtiger nächster Schritt.

    Aber überschätzen darf man ihn auf keinen Fall. V.a. darf man aber die Macht von Schrift und Text nicht unterschätzen. Das haben schon zwei Generationen von Netzpionieren gemacht. Erst der "Virtual Reality" Hype der späten 90er und dann die "Information Visualization" Welle der frühen 00er. Beide haben massiv unterschätzt, dass Schrift und Text – wie wir sie heut verwenden – das effektivste Informationswerkzeug sind, dass die Menschheit je hervorgebracht hat und wohl auch nicht mehr überbieten wird.

    Was bleibt mir als Texttechnologe auch anderes zu predigen?

    --
    der geist in der maschine

  1. Das kann ja wohl nicht sein.
    Technik ist immer unnatürlich und wird auch immer unnatürlich bleiben.
    Es kann höchstens sein, dass wir Menschen uns immer weiter von der Natur entfernen und versuchen, uns selbst immer mehr zu Maschinen zu machen.
    Jeder vernünftige Mensch müsste wissen, dass wir dafür einen sehr hohen Preis bezahlen.

  2. muss sich dieser Maschine unterwerfen, um sie überhaupt benutzen zu können.
    Das ist immer so, ohne jede Ausnahme.

  3. Die Frage ist: Nutzt man ein Sprachdialogsystem (Voice Portal) als

    a) abhängiger Hilfesuchender oder

    b) freiwillig als eine mögliche weitere Option an seinem Lieblingsspielzeug (MP3 Player, Handy, Auto, Computer)?

    Geht es um a) würde ich immer 000000 empfehlen und danach den Anbieter wechseln.

    Geht es um b) sollte man es einfach unbefangen testen. Geht es besser? Warum nicht? Aus der momentanen Erfahrung heraus: Eher (noch) nicht. Zudem kommt man sich (noch?) recht dämlich vor. (Punkte. Eingabe! Eingabe!!! Löschen)

    Egal, vielleicht ist es auch eine Übungssache wie beim SMS schreiben, wir werden sehen/lesen/schreiben/sprechen?

    Interessant und bedenklich ist der Einfluss von Technik auf die Kommunikation eh - so oder so.

  4. Die Entwicklung und der Gebrauch von Technik macht uns als Menschen aus. Egal ob es nun das Feuer, das Rad, die Schrift oder das Handy ist. Technik mag mitunter umständlich, in der Benutzerführung nicht genügend durchdacht sein. Unnatürlich, im Sinne von untypisch für uns Menschen, ist sie nie. Ob ich deshalb aber unbedingt mit Maschinen reden muss, steht auf einem anderen Blatt.

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