Trainer in der Bundesliga "Deutsche Klubs meiden das Risiko"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Nach dem überraschenden Gewinn der deutschen Meisterschaft könnte das Magath-Modell mit der für Bundesliga-Verhältnisse einzigartigen Bündelung von Kompetenzen Nachahmer finden.

Horst Zingraf

Horst Zingraf

Zingraf: Ich denke, dass es kein überlegenes System gibt. Wenn ich sehe, wie hervorragend sich Thomas Schaaf und Klaus Allofs als Trainer und Manager ergänzen, ist auch das eine sehr gute Lösung. Das angelsächsische Modell mit der Budget-Hoheit des Trainers und Teammanagers in Personalunion hat sicherlich seine Vorteile. Hier entscheidet der Trainer allein über Neuverpflichtungen. In der Bundesliga sitzt er zwar mit am Tisch. Aber was will der Trainer machen, wenn er vom Geschäftsführer und dem Sportdirektor überstimmt wird? Erfüllt ein neuer Spieler dann nicht die Erwartungen, heißt es: Der Trainer hat doch mit am Tisch gesessen.

ZEIT ONLINE: Die Stellung des Trainers in den englischen Klubs ist insgesamt eine andere.

Zingraf: Dort ist die Sichtweise die, dass man die Führung derjenigen Person anvertrauen sollte, die am meisten vom Produkt Fußball versteht und dessen Qualität garantiert, also dem Trainer. In England wurde der Trainer im Laufe der Zeit zum Teammanager, der alle wichtigen Entscheidungen trifft. In Deutschland ist der Trainer dagegen der Trainer geblieben. Manche Trainer hierzulande wollen aber auch gar nicht, dass sich daran etwas ändert. Sie wollen sich allein um die sportlichen Belange kümmern. Wenn ein Trainer einen neuen Job sucht, muss er sich die Fragen stellen, zu welcher Klubstruktur sein eigenes Personenprofil passt. Man muss eine saubere Analyse machen. Das ist der Schlüssel für ein längerfristiges Engagement.

ZEIT ONLINE: Klingt eigentlich selbstverständlich. Warum handeln viele Trainer nicht nach diesem Grundsatz?

Zingraf: Das Problem ist, dass es deutlich mehr Trainer als Stellen gibt. So lange zu warten, bis beim passenden Verein endlich der Posten frei ist, macht man nicht so gern. Ich habe kürzlich mit einem Manager gesprochen. Der meinte, er werde nie in die Situation kommen, dass er ratlos sein wird, wenn überraschend die Trainerposition neu zu besetzen ist. Er habe immer ein paar mögliche Kandidaten im Hinterkopf. Ein guter sportlicher Leiter muss stets den Markt genau beobachten.

ZEIT ONLINE: Im vergangenen Jahr waren die Verantwortlichen beim HSV zwischenzeitlich belächelt worden, weil sie sich auffallend viel Zeit für die Suche des Nachfolgers von Huub Stevens genommen hatten.

Zingraf: Anfangs wurde das negativ dargestellt. Aber später gab es viel Anerkennung dafür, dass der Klub sehr professionell vorgegangen ist. Ich denke, das hat einen Schub in die richtige Richtung gegeben.

ZEIT ONLINE: Bitter nur, dass der mit großem Aufwand auserwählte Martin Jol nach einem Jahr schon wieder das Weite sucht.

Zingraf: Das ist wirklich sehr schade. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass die Vorgehensweise vorbildlich war. Wie ich schon sagte, Trainer sind leitende Angestellte eines Klubs. Und wie andere Wirtschaftsunternehmen müssen auch Profifußballklubs dafür Sorge tragen, dass mit Hilfe eines durchdachten Auswahlverfahrens die passenden Leute für die Schlüsselposition gefunden werden.

Das Gespräch führte Roland Wiedemann.

 
Leser-Kommentare
    • TDU
    • 09.06.2009 um 20:07 Uhr

    Leider ist es immer noch in den meisten deutschen Fussballvereinen, dass die Anzahl der hagestolzen Traumtänzer größer ist als die der analytisch Risikobereiten, die natürlich nach Ansicht der Traumtänzer moralisch auf der falschen Seiten stehen. Bis dann keiner mehr von Moral was wissen will und später wieder eine Wende her muss. Entweder oder: Ist halt auch ein Stück Deutschland.

    • Kometa
    • 10.06.2009 um 6:42 Uhr

    Ach, fehlt hier nicht ein Name? - Ach, wie hieß der noch, der eine starke Treter-WM leitete (mit wenig weltmeisterlichen Spielern) - dann FC Bayern in die rosigsten aller Zeiten führen sollte ...!?

    - Mein Gott, wie heißt denn der Typ noch, der Gekreuzigte...?!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service