Identitätsdiebstahl Twitter bekämpft gefälschte Konten

Der Blogdienst hat Ärger durch gefälschte Accounts, die von der Berühmtheit anderer Leute leben. Eine Art Gütesiegel soll sie eindämmen

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Eine Vorschau, wie das künftige Gütesiegel aussehen könnte

Bald soll es bei Twitter keine gefälschten Accounts unter prominentem Namen mehr geben – schade eigentlich. Immerhin gilt "Schaeuble" inzwischen als Klassiker dessen, was mit einem solchen Zugang möglich ist: kreative Satire und Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner.

Im hessischen Wahlkampf beispielsweise führten das SPD-Mann Thorsten Schäfer-Gümbel und die Redaktion des Titanic-Magazins vor. Letztere kopierte die Seite des Politikers, was dank dessen souveräner Reaktion beiden viel Aufmerksamkeit brachte – für Schäfer-Gümbel aber auch echte Konkurrenz bedeutet. Bis heute liegt er in der Zahl der Follower nur knapp vor der Titanic-Kopie.

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Für diejenigen, die einen solchen geklauten Namen tatsächlich tragen, ist es bestimmt ein Ärgernis, zusehen zu müssen, wie ein Fremder Alter ego spielt und Nachrichten verbreitet. Vor allem, da wohl keiner der Accounts ursprünglich dem Versuch diente, den Ruf des Identitäts-Beklauten zu verbessern.

Twitter jedenfalls will das nun zu verhindern suchen, wie man im Firmeneigenen Blog erklärte. Solch Identitätsklau sei eine Verletzung der Nutzungsrechte  und man nehme diese ernst. Wohl vor allem, seitdem der amerikanische Baseballmanager Tony La Russa wegen einer solchen Kopie eine Klage gegen Twitter eingereicht hat.

Er hatte deswegen Schadenersatz gefordert, worüber man sich bei Twitter nun bitter beklagt. Immerhin habe man sich um den Fall gekümmert und den Account geschlossen, schreibt Gründer Biz Stone. Die Klage sei eine "unnötige Verschwendung von juristischen Ressourcen, die nahezu leichtfertig ist". Schließlich seien die Nutzungsbedingungen eindeutig.

Wohl nicht eindeutig genug. Künftig soll es eine Prüfung der Berühmtheit geben. Allerdings nicht bei der Anmeldung, die bleibt anonym möglich, soll sie doch so leicht und unkompliziert wie möglich bleiben, um viele Nutzer anzuziehen. Doch können Regierungsvertreter, öffentliche Organisationen, berühmte Künstler, Sportler und andere Stars einen "geprüften Account" bekommen, wenn sie ihre Identität nachweisen, schreibt Stone. Wie das geschehen soll, sagt er nicht.

Der Service, der im Sommer startet, sei auch erst einmal ein Versuch für ausgewählte Personenkreise, später wolle man ihn dann ausweiten. All jenen, die von Mitschülern oder Arbeitskollegen mit bösen Fakes gepeinigt werden, hilft wie bisher nur eine Beschwerde bei Twitter. Und die Hoffnung, dass die Redaktion dort ihr stattgibt.

Firmen können sich das Gütesiegel auch noch nicht besorgen. Das aber wird sich sicher bald ändern. Gibt es doch Berichte, dass Twitter, dafür dass sie den Service für ihre Eigenwerbung nutzen können, von ihnen Geld kassieren wird. Damit wäre das Siegel ein Schritt bei dem Versuch, aus dem erfolgreichen aber defizitären Dienst ein Geschäftsmodell zu machen.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich sehe absolut keinen Grund, warum sich eine renommierte Zeitung wie die "Zeit" - auch nicht in ihrer Online-Variante - eine Artikelüberschrift in einem verkommenen Bildzeitungs-Jargon leisten sollte...

    Nele

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Sehr geehrte Neleabels,

    danke für die Kritik. Die ich in ihrer Absolutheit nicht teile. Gaga heißt unsinnig, verrückt, doof etc. Solche Accounts mögen lustig sein, wie ich in dem Text auch gerne eingestand, allerdings sind sie für die Betroffenen doch eher ein Problem bis hin zu einem echten Ärgernis.

    Ich habe die Überschrift geändert. Vor allem jedoch, weil Google sie und den Text nicht gefunden hat - daher danke, dass Sie mich dazu brachten, sie mir noch einmal anzuschauen und darüber nachzudenken.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Redaktion

    Sehr geehrte Neleabels,

    danke für die Kritik. Die ich in ihrer Absolutheit nicht teile. Gaga heißt unsinnig, verrückt, doof etc. Solche Accounts mögen lustig sein, wie ich in dem Text auch gerne eingestand, allerdings sind sie für die Betroffenen doch eher ein Problem bis hin zu einem echten Ärgernis.

    Ich habe die Überschrift geändert. Vor allem jedoch, weil Google sie und den Text nicht gefunden hat - daher danke, dass Sie mich dazu brachten, sie mir noch einmal anzuschauen und darüber nachzudenken.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    • ben_
    • 08.06.2009 um 20:19 Uhr

    Damit kommt Twitter ja zumindest in Teilen – und wenn auch unwissend, latürnich – der Forderung von Jens Jessen nach, die Anonymität im Netz abzuschaffen. Auch wenn ich persönlich weder Twitter noch Jens Jessens Ideen über die Zukunft des Netzes gut finde, so ist diese Synchronizität doch immerhin unterhaltsam schicksalshaft.

    --
    der geist in der maschine

  2. Redaktion
    3. Gaga

    Sehr geehrte Neleabels,

    danke für die Kritik. Die ich in ihrer Absolutheit nicht teile. Gaga heißt unsinnig, verrückt, doof etc. Solche Accounts mögen lustig sein, wie ich in dem Text auch gerne eingestand, allerdings sind sie für die Betroffenen doch eher ein Problem bis hin zu einem echten Ärgernis.

    Ich habe die Überschrift geändert. Vor allem jedoch, weil Google sie und den Text nicht gefunden hat - daher danke, dass Sie mich dazu brachten, sie mir noch einmal anzuschauen und darüber nachzudenken.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Antwort auf ""Gaga-Acounts"?!"
  3. 4. Gaga

    Ich bin zwar auch erst durch den Kommentar darauf aufmerksam geworden, dass die Überschrift ein wenig reißerisch ist, aber dann habe ich neleabels Kritik geteilt. Freut mich aber immer zu sehen, dass bei ZEITOnline zumindest die Onlineredakteure Kommentare auch lesen! :-)

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