Regenwald am Amazonas Abholzung mehrt den Wohlstand nicht
Die Nutzung der Waldflächen als Ackerland galt als Voraussetzung, um Wohlstand in die Gemeinden am Amazonas zu bringen. Jetzt belegt eine Studie das Gegenteil

© Alexander Lees
Der Kahlschlag des Regenwalds am Amazonas erwirtschaftet zwar kurzfristige Gewinne, mehrt aber auf Dauer nicht den Wohlstand und die Lebensqualität der beteiligten Gemeinden. Zu diesem Schluss kommt eine im Magazin Science veröffentlichte Studie von Ana Rodrigues von der Universität Cambridge und ihren Kollegen: Sie hatten die entsprechenden sozioökonomischen Kenndaten von knapp 300 Dörfern im Amazonasbecken verglichen, deren Umgebung unterschiedlich stark entwaldet ist.
Demnach verbessern sich zu Beginn der Entwaldung verschiedene Kenndaten wie Lebenserwartung, Alphabetisierungsgrad und Lebensstandard, doch sinken diese Werte rasch wieder, wenn die Entwaldungsfront weiter voranschreitet und sich von der Gemeinde entfernt. Ein Großteil der Wertschöpfung verbleibt zudem nicht bei den alteingesessenen Bewohnern, sondern fließt zuziehenden Holzfällern, Landspekulanten, Großfarmern und Agrarunternehmen zu. Sie wandern später auch wieder ab, wenn die Abholzung neue Gebiete erschließt, und nehmen dabei offensichtlich einen Großteil des Wertzuwachses wieder mit sich.

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Für die zurückbleibende Bevölkerung verschlechtern sich die Bedingungen dadurch wieder auf Verhältnisse, wie sie ebenso vor der Landumwandlung herrschten – ein Muster, das die Forscher als Boom-und-Pleite-Entwicklung bezeichnen. Viele der Profite sind sehr kurzfristig – etwa die Einnahmen aus dem Verkauf von Edelhölzern, die schlicht wegfallen, wenn der Wald komplett zerstört wurde. Auch Landwirtschaft und Viehzucht prosperieren nur kurzzeitig, denn die tropischen Böden laugen rasch aus, sodass die Erträge sinken.
Etwa ein Drittel der bis in die neunziger Jahre angelegten Viehweiden wurde kurze Zeit später schon wieder mangels Rentabilität aufgegeben. Bislang galt die Urbarmachung des Regenwalds als wichtige Voraussetzung, um Wohlstand in die betroffenen Gemeinden zu bringen, doch widerlegt dies die nun veröffentlichte Studie. Rodrigues Team schlägt daher vor, Kommunen im Regenwald beispielsweise über Ausgleichszahlungen im Rahmen von Klimaschutzabkommen finanziell zu unterstützen.
Sie sollen eine nachhaltigere Entwicklung einleiten und den Wald schützen. Der brasilianische Bundesstaat Amazonas hat ein derartiges Programm bereits initiiert: Im Rahmen von Bolsa Floresta fördert die Regierung den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung und bezahlt Kleinbauern Entschädigungen, wenn sie im Gegenzug die Entwaldung ihrer Ländereien einschränken.
- Datum 16.06.2009 - 14:01 Uhr
- Serie Umwelt
- Quelle ZEIT ONLINE, spektrumdirekt.de
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ist eines der letzten Wildnisgebiete des Planeten und berühmt für seine riesige Artenvielfalt. Wie ein Krebsgeschwür frisst sich die Brandrodung tiefer und tiefer in den südamerikanischen Regenwald hinein. Der Wald muss den expandierenden Viehweiden und Sojaplantagen weichen.
Passend zu Ihrem Artikel Herr Lingenhöhl (und Danke!) gibt es heute auch endlich einen Bericht in den staatlichen Medien (abc news) in Australien, der beschreibt dass "Old growth forests store carbon best".
http://www.abc.net.au/new...
Wundere nur ich mich, wie wir weltweit zusehen ob überhaupt und wie wir gegen Klimawandel ankämpfen und gleichzeitig unser verbleibendes Kapital, Urwälder in der Nähe von Melbourne zum Beispiel, genauso wie die beschriebenden Regenwälder im Amazonas, für Geld in Taschen von einigen wenigen gerodet werden!?
Beispiel: Firmen wie Andritz AG und die Österreichische Kontrollbank ko-finanzieren hier in Australien eine gigantische Zellstofffabrik, lassen am andren Ende der Welt also 200.000 Hektar Urwald roden. Das ist verantwortungslos.
"Die Nutzung der Waldflächen als Ackerland galt als Voraussetzung, um Wohlstand in die Gemeinden am Amazonas zu bringen. Jetzt belegt eine Studie das Gegenteil."
So, so, der Kahlschlag der Regenwälder sollte also der Wohlfahrt der Gemeinden dienen.
Was für eine Infamie. Es war ja so gut gemeint, aber leider, leider hat man sich geirrt.
Wer je einen Nachweis brauchte, die Presse als Stimme ihres Herren zu begreifen - hier ist er.
Seit mindestens 30 Jahren ist jedes engagierte Studentenprojekt zu ähnlichen Folgerungen gelangt wie diese Studie.
Aber Geschichte wird vom Sieger geschrieben, und von seinen Lohnschreibern in den Redaktionsstuben.
Kaum jemand ist erbärmlicher als ein Tintenkuli.
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